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Die Felsenkirchen der Sassi von Matera

Den höchsten Ausdruck der Felskunst, die sich im Gebiet der Murgia von Matera entwickelt hat, findet sich in den Duzend Kirchen (155 bis heute gezählte), die ins Tuffstein gegraben sind. Einsiedeleien, Zönobien, Krypten, Lauren und unterirdische Basiliken (sehr häufig mit Fresken) sind auf der Hochebene von Murgia und längs ihrer Abgründe verstreut oder in das städtische Gewebe der Sassi di Matera eingewebt. Es ist ein so beachtliches Erbe, daß man gewöhnlich die Geschichte der Kunst in der Basilikata mit den Fresken in der Krypta der Ursünde beginnen läßt. Diese Kirchen stammen zum größten Teil aus dem Hochmittelalter, eine Periode, in der Lukanien zwischen dem byzantinischen und dem langobardischen Reich heiß umkämpft wurde und sich ein wichtiges Phänomen in der christlichen Gesellschaft jener Zeit durchsetzte: das Mönchstum. Entstanden mit dem Fall des römischen Westreiches und aufgrund der endlosen theologischen Diskussionen, stellte das erste Mönchstum in erster Linie eine Flucht aus einer orientierungslosen Gesellschaft und der Weltlichkeit der institutionellen Kirche zu Gunsten einer introspektiven Suche des Menschen dar. Das sich bereits im 5. Jahrhundert im Osten ausbreitende Phänomen zählte tausende von Anachoreten und Zönobiten (zum größten Teil Laien). Die Dialektik und Spekulation sind, abgesehen vom Glauben und dem Interesse für die Armen, die Gründe dafür, daß im 6. Jahrhundert die Anhänger von S. Basilio Cearea auch nach Süditalien gehen. Sie kamen nach Matera im Gefolge des byzantinischen Heers und nicht nur, um den Verfolgungen der Ikono-klastik zu entgehen. Lukanien wurde der natürliche Knotenpunkt zwischen den drei Meeren (adriatisches, ionisches und thyrre-nisches) und man spürt die verschiedenen spirituellen lateinischen und griechischorthodoxen Räume. Dies gilt besonders für Matera und die Murgia von Matera, wo durch die besondere Konformität des Gebietes eine Anhäufung mönchischer Architektur - sei sie Orientalen oder lateinischen Charakters - zu verzeichnen ist. Solche religiösen Kulturen, vor allem die von San Basilio und San Benedetto wurden zum treibenden Faktor für sozio-ökonomische und technisch-kreative Verbesserung für die von Byzanz und Rom weit entfernten ländlichen Masse. Das Phänomen währte fast bis zum Ende der Renaissance. S. Pietro in Principibus. Klar sind die mit Graffito verzierten Rundbögen der Krypta nach griechischem Kreuz. Sie war Teil eines Zönobium, von dem man Spuren (Höhle) am Fuß eines neolithischen Dorf sehen kann. Madonna della Croce. Sie ist aus dem 11. Jahrhundert. Groß ist der architektonische Wert das zweibogige Gewölbe. Sehr schön ist auch eines der von allen Felskirchen am besten erhaltenen Fresken der Absis: die mit der rechten Hand segnende Madonna auf dem Thron mit dem Kind. In griechischen Lettern die Inschrift Angelus Gabriel - Angelus Rafael. Byzantinische Darstellung der Madonna in Maestä (ähnliche Werke in Zypern und Patmos). Cripta del Peccato Originale. Auf der Straße zum Lago S. Giuliano. Sehr schlicht vom architektonischen Gesichtspunkt, besitzt sie ein Himmel aus Fresken, die vielleicht die wichtigsten des 10. Jahrhunderts sind. An der linken Wand gibt es drei Nischen mit der Königin Maria mit Kind und drei weibliche Figuren - Orientale Darstellung, die Triarchie der Engel und die apostolische Triarchie. An der hinteren Wand gibt es zwei Objekte: ein würdig gekleideter Bischof, der Wasser von einem Diakon nimmt; rechts dagegen Szenen aus der Genesis (Verführung der Eva, Licht und Dunkelheit, Eva mit der verbotenen Frucht, Erschaffung des Menschen). Parco dei Monaci. Er ist der interessanteste Komplex aus landschaftlicher Sicht; es gibt eine Fußweg längs einer Schlucht, und herum nur Höhlen und Felsen wie aus der asiatischen Wüste. An einem Eisenkreuz wendet man sich zur Gruppe Christus la Selva; sie besteht aus einer Krypta mit gemauerte Vorderfront und kleinem Glockenturm; rechts eine Höhle mit einer Reihe von Fresken. Der Komplex stammt aus dem 11. Jahrhundert. Vitisciulo e S. Luca. Gegenüber dem Park der Monaci. Erstere mit erhöhtem Prespyterium hat ikonostasische Bögen; letztere besitzt große gegrabene Nischen und das Gewölbe tragende Säulen. Madonna delle Virtü. In der gleichnamigen Straße. Sie ist zusammen mit der überragenden S. Nicoladei Greci eine der wenigen restaurierten Kirchen; Aus dem 10. Jahrhundert stammend wurde die Anlage im Jahre 1667 verändert, wobei man die bene-diktinischen Strukturen unverändert ließ. S. Nicola dei Greci. Sie nahm als altes Kloster 1213 Büßer aus Palästina auf; es gibt zwei Schiffe in deren Absis sich Fresken aus der byzantinischen Epoche und später befinden (Kreuzigung, die Hl. Barbara, S. Nicola, S. Pantaleone). S. Lucia alle Malve. Unter dem Felsen der Idris. Sie ist der erste Sitz der Lauren von Benediktinermönchen, die hier bis 1283 blieben. Auf der Vorderfront drei Kelche aus verschiedenen Epochen. Das Innere besitzt drei Schiffe, wobei das rechte noch für den Gottesdienst geöffnet ist, die anderen bis in die fünfziger Jahre bewohnt waren. Aus dem 8. Jahrhundert hat sie verschiedene Säulen; zahlreiche Fresken (12. Jh.) zu denen, vielleicht nur hier zu finden, die Madonna del latte (linke Wand) gehört. Überragend ist die Nekropole mit Gräbern im Fels. S. Maria de Idris. Schützend und verhöhnend zugleich scheint sie jeden Augenblick herunter stürzen zu wollen. Man erreicht sie über einen Treppenaufgang von S. Lucia. Idris stammt von griechisch Ogiditria, der Schutzherrin des Wasser oder der Wegfüh-rerin. Die Kirche ist mit S. Giovanni in Mon-terrone durch einen ebenfalls mit Fresken ausgestatteten Stollengang verbunden: die Fresken bilden mit denen von S. Lucia eine Linie und sind praktisch eine Serie aus dem 12. Jahrhundert.
Convincinio di S. Antonio. Es handelt sich hier um einen Komplex von Kirchen, vier um genau zu sein, die man durch ein schönes Portal mit verziertem Bogen erreicht. Die Kirchen wurden im 19. Jahrhundert in Zellen umgebaut. Die Krypta delle Tempe cadute hat eine Decke mit mittleren Gewölberippen. Ein Durchgang führt in die S. Eli-gio mit Aula, dreibogigem Prespyterium mit Absen unterschiedlicher Tiefe; Spuren von Fresken. Nebenan befindet sich S. Donato mit quadratischem Grundriß, zwei Pfeilern, blinden Bögen, Zeltdecke, Kreuzgang auf der linken Seite. Der S. Antonio Abate geht eine Vorhalle voraus; sie ist die größte mit drei Schiffen. Wichtig für die Wandmalereien ist ein Votivbild, das die nahe Madonna di Picciano, die Beschützerin der Feldarbeit darstellt. Das angrenzende Rione Casal-nuovo wurde im 16. Jahrhundert zu Wohnungen für Albanesen bestimmt. S. Barbara. Sie ist ein echtes byzantinisches Basilikakirchlein aus dem 9. und 10 . Jahrhundert. Der Kirchenraum wird vom Prespyterium durch eine sehr elegante, in Stein gehauene Ikonostase mit parabolischem Mittelbogen getrennt und besitzt an den Seiten ein paar kleinere Bögen die in gut sichtbaren Fresken auslaufen; eins profanen Charakter (Hirtenmönch mit Schafen). S. Barbara ist in Privatbesitz: der Besitzer, Capolupo, wohnt in der Via Casalnuovo 211. Oft haben aber die Führer den Schlüssel. Auch die enorme Kirche der Madonna dell'Abondanza ist privat. S. Maria della valle oder La Vaglia. Sie ist die größte Felskirche. Auch sie ist auf der anderen Seite eines privaten Gartens. Es gibt vier verschiedene Portale. Das Tuffinnere hat drei Schiffe, die von sechs Pfeilern unterteilt werden. Die Pfeiler zeigen noch Kapitele.
Archäologischer Park zur Naturgeschichte der Murgia und der Felskirchen im Materano. Institut regionaler Herkunft; der Park bedeckt eine Oberfläche von 8000 Hektar zwischen den Gemeinden Matera
und Montescaglioso und liegt auf einer Hochebene, die von 300 bis 500 Metern reicht. Auf den ersten Blick scheint er eine Felswüste zu sein, in der vereinzelt niedrige Vegetation wächst, durchschnitten von tiefen Schluchten, schwindelerregenden Abhängen, die von den atmosphärischen Einflüssen auf den weiten Ebenen geformt und durch das langsame Fließen des Canopro gegraben wurden, besser bekannt als Gravina von Matera. Die Murgia leitet ihren Namen vom antiken Namen 'mur' ab, mit dem die Lukaner die steilen Felsen bezeichneten. Die tiefen Schluchten, die die Hochebenen trennen sind die häufigsten Landschaftselemente im Gebiet des Parks und werden Gravine (Kluften) genannt. Es scheint unglaublich, aber in dieser so unwegsamen und wie eine Wüste aussehende Zone, hat die Natur einen Lebensraum für eine große Anzahl Pflanze und Tiere geschaffen und der Mensch hat unmißverständliche Spuren seiner ständigen Anwesenheit seit der Prähistorie hinterlassen. Die ältesten Zeichen dieser Präsenz wurden in der Nähe der Grotta dei Pipistrelli entdeckt, die längs einer Kluft liegt und zu der man über Rione Agna von Matera gelangt. Es ist eine Höhle, die vor Millionen von Jahren durch das Meer gegraben wurde: 72 m tief, 5 bis 13m hoch und vom Menschen seit dem Oberen Paläolithikum bewohnt. Desweiteren gibt es die Palisadendörfer von Mur-gecchia, Murgia, Tomine und Tirlecchia aus dem Neolithikum, die dank ihrer Lokalisierung und der Anordnung der Löcher, die die Palisade stützen, entdeckt wurden. Im Hochmittelalter wurde die Murgia das Ziel vieler Eremiten und Asketen, die, auf der Flucht vor religiösen Verfolgungen im Osten, religiöse Felssiedlungen bauten, die gleichmäßig im ganzen Gebiet des Parks verstreut sind. Die Felskirchen von Matura, denen man in diesem Führer ein kurzes Kapitel gewidmet hat, sind religiöse und oft mit Fresken ausgestattete Bauten, die man in bereits existierende und veränderten Höhlen grub oder neu schuf. Bis heute hat man über 150 im ganzen Gebiet des Parks entdeckt. Die 'Kultur des Höhlenlebens' auf der Murgia von Matera beginnt mit dem Verschwinden der ersten Menschen und dauert bis zum Anfang der fünfziger Jahre mit den Hirten, die durch die Murgia auf der Suche nach einem Unterstand für ihre Herden und für sich selbst durchzogen und örtlich auch 'Jazz' genannt werde. Solche Ansiedlungen sind leicht zu entdecken, da im allgemeinen eine nackte Mauer den Kreis um eine oder mehrere Höhlen begrenzte. Im Norden von Matera spielte die Murgia im 18. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Längs der SS 7 Appia, die von Matera nach Laterza führt entstanden die Tuffgruben - charakteristischfür das Gebiet und heute eine Attraktion. Senkrechte 20 bis 30 m hohe Wände tragen Spuren der Geräte, die man zum Graben der Tuff blocken benutzte, die später zum Bau verwendet wurden; weite Tuf-fesplanaden, heute zum Teil bedeckt durch Vegetation, schaffen den Eindruck eines mächtigen Freilichttheaters. Die Arbeit in den Gruben setzt sich auch heute noch fort, jedoch in weitaus geringerem Maße. Die Natur war hier großzügiger als der Mensch, der ihr in einigen Fällen irreversiblen Schaden zugefügt hat. Einmal üppig bewaldet, hat die Murgia an einigen schwer zugänglichen Stellen die ursprüngliche Vegetation erhalten können. Auf den bewaldeten Flächen von Conca d'Aglio, Serretella, Bosco del Comune, Selva Mal-vezzi, Selva Venusio, Bosco di Lucignano, Murgia di S. Andrea und dem Paco dei Monaci gibt es u.a. die Steineiche, den Zwergahorn, die Blumenesche, Hagebuche und die schwarze Hagebuche. Im Unterholz wachsen wichtige Arten wie die Walderdbeere, die Pfingstrose und viele Orchideenarten. Kürzlich ist eine Orchideenart, die Ofride di Matera, ausgestorben. Beachtlich ist das Vorkommen an Mastixsträuchern und verschiedener Heil-kräuter, die nach Regen die Luft mit ihrem Duft füllen. Erwähnenswert ist die Verbreitung eines sehr guten Eßpilzes, den Car-doncello delle Murge. Darüber hinaus gibt es noch andere seltene Pflanzenarten wie den Kümmel von Griechenland, die Schwertlilie aus Sizilien und die weniger seltene gemeine Kaper, die im Frühling mit ihren weißen Blüten ganze Hänge durchsetzt. Zu den Tieren zählen, abgesehen von verschiedenen Reptilienarten, der Fuchs, der Steinmarder, der Uhu, die Wildkatze, der Kauz, die Schleiereule und der Turmfalken. Fledermäuse finden ihren idealen Lebensraum in den zahlreichen Höhlen, die den archäologischen und naturgeschichtlichen Park der Murgia und der Felskirchen des Materano durchsetzten.

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