Piemont. Turin, Hauptstadt der Region, steht im Ruf einer zauberhaften
Stadt. Wie könnte dies auch anders sein, wenn
dieses Zentrum der italienischen Großindustrie
(FIAT, eine der größten Automobilindustrien
der Welt hat hier ihren Sitz) auch eines der wichtigsten
Reiseziele des Fremdenverkehrs in Italien darstellt.
Im Dom von Turin wird das Leichentuch Christi aufbewahrt,
das der Tradition nach den vom Kreuz abgenommenen
Leichnam Christi umhüllt haben soll. In Turin befinden sich auch das Ägyptische Museum mit
einer reichen Sammlung von Kunstwerken aus dem alten
Ägypten und die Galleria Sabauda, in der Meisterwerke
großer europäischer Künstler ausgestellt
sind. In Turin zeugen schließlich einige Denkmäler
auch von der bedeutenden Rolle, die die Region Piemont in der italienischen Geschichte der letzten Jahrhunderte
als Sitz des Hauses Savoyen (die Dynastie herrschte
in Italien bis 1946) und erste Hauptstadt des Königreiches
Italien spielte: Palazzo Reale, Palazzo Madama, Mole
Antonelliana, Villa Reale von Stupinigi. Auch in der
restlichen Region, in den Städten und Provinzen
Novara, Vercelli, Cuneo, Alessandria, Asti errinern
zahlreiche zivile und religiöse Denkmäler
an die bedeutende Vergangenheit: Festungen, Basiliken,
Klöster. Zu viele, umhier auch nur einige Beispiele
nennen zu können. Herrlich und vielseitig ist
auch das Landschaftsbild: Berge, Täler, Hügel
(berühmt sind die Langhe, die in vielen Erzählungen
der bedeutenden piemontesischen Schriftsteller Cesare
Pavese und Beppe Fenoglio erscheinen), Seen (Lago
Maggiore, Lago d'Orta, Lago di Viverone), Naturschutzgebiete
(Nationalpark von Valgrande). Reich und erlesen ist
die gastronomische und weinbaulische Tradition (einige
Weine aus der Region Piemont gehören zu den italienischen
Spitzenweinen).
Die Region Piemont blickt auf eine bedeutende Geschichte
zurück. Durch ihre geographische Lage zwischen
Frankreich, der Schweiz, Norditalien und dem nahegelegenen
ligurischen Meer ist in einen europäischen Kontext
der Entwicklung eingebettet – europäisch
wie der Geist dieses reichen, dynamischen Landes in
stetem Ausgleich zwischen Innovation und Tradition.
Die vielfältigen Nuancen im Piemont sind über
ein breit gefächertes Tourismus- und Produktionsangebot
noch vollständig zu entdecken: von den Bergen
der Olympiade zu den kulinarischen Spezialitäten
und Weinen der Langhe, von den Höchstleistungen
in der Textil-, Technologie- und Automobilbranche
bis zu den Savoyerresidenzen, von den Impulsen für
die Filmwelt bis zur Kunst, Kultur und Architektur.
Piemont entdecken.
Um das Piemont wirklich zu entdecken, muss man die
historischen und landschaftlichen Besonderheiten der
verschiedenen Zonen erfassen, aus denen es besteht
– jede mit ihren eigenen Traditionen und Eigenarten.
Es folgt eine Übersicht über die vielen
möglichen Routen in der Region.
Die
Savoyerresidenzen.
Die Residenzen des Hauses Savoyen – die Turin zur ersten Hauptsstadt Italiens machten – erstrecken
sich auch über den Stadtrand hinaus bis ins Canavese
(Castello Ducale di Aglié), Cuneese (Castello
di Racconigi) und Teile der Langhe (die Agenzia di
Pollenzo). Aber die größte Konzentration
findet sich in der Stadt und Provinz Turin. In der
Stadt sind Palazzo Reale, Palazzo Madama, Palazzo
Carignano (Sitz des ersten italienischen Parlaments),
das Castello del Valentino (am Po) und die Villa della
Regina auf dem Hügel ein unbedingtes Muss. Aber
auch in der Umgebung sind nicht weniger bedeutende
Schlösser zu besichtigen: Venaria und La Mandria,
das Castello di Rivoli (in dem sich das bedeutende
Museum für zeitgenössische Kunst befindet),
im Süden das wunderschöne Jagdschlösschen
Stupinigi und das Castello di Moncalieri.
Die
Alpenfestungen in den Tälern der Olympiade.
Die Militärfestungen – die “Wachposten
der Alpen” – sind ein ganz besonderer,
historisch höchst faszinierender Schatz in den
Tälern, in denen 2006 die Olympischen Winterspiele
stattfinden werden, dem Susatal sowie Pellice- und
Chisonetal. Viele Festungen gibt es hier zu besichtigen:
Die wichtigsten Beispiele sind Forte di Fenestrelle,
Forte di Exilles und Forte Bramafam.
Die
Via Francigena.
Die Via Francigena, der Frankenweg, kommt, wie der
Name sagt, aus Frankreich und war eine mittelalterliche
Straße für die Pilger, die von ihrem Glauben
getrieben nach Rom zogen. Heute kann man den Pilgerweg
in umgekehrter Richtung entlang wandern und entdeckt
dabei hier und dort deutliche Stationen der mittelalterlichen
Strecke, so das Spitalkloster Sant'Antonio di Ranverso,
die Sacra di San Michele – verschanzt auf dem
Monte Pirchiriano –, die römische Stadt
Susa und die Abtei Novalesa.
Canavese.
Das Canavese liegt wie ein breites Amphitheater am
Fuße der Alpen zwischen den Tälern des
Nationalparks Gran Paradiso und der Dora Baltea, zwischen
Aostatal im Norden und Susatal im Süden. Hier
koexistiert die hochentwickelte Industrie von Olivetti
in Ivrea – der “Hauptstadt des Canavese”
– mit Weinhängen wertvoller Reben (vor
allem Erbaluce di Caluso) und den Spuren einer mittelalterlichen
und barocken Vergangenheit, die vor allem in den zahlreichen
Schlössern erhalten ist (Castello Ducale di Aglié,
weiter Rivarolo, Masino und San Giorgio).
Biellese.
Das Biellese ist ein besonderes Land, das von den
großen Textilunternehmen und den grandiosen
Wallfahrtsstätten auf den ersten Ausläufern
der Bielleser Alpen geprägt ist. Die Zeugnisse
der religiösen Verehrung sind hier greifbar:
Die Wallfahrtsstätte San Giovanni d'Andorno in
Campiglia Cervo und der eindrucksvolle Heilige Berg
Oropa zu Füßen des Monte Mucrone, vielleicht
der ältesten der Marienwallfahrtsstätten
des Okzidents, sind nur einige Beispiele.
Novarese
und Vercellese.
Diese Landschaft bildet ein riesiges Schachbrett aus
Farben, die sich mit den Jahreszeiten der Reisfelder
ändern und auf die der imposante Gipfel des Monte
Rosa herabblickt. Wenn die Felder vollständig
von Wasser bedeckt sind (120.000 Hektar im Vercellese
und Novarese zusammen), verwandelt sich die gesamte
Ebene in einen silbernen Spiegel. Das ist die Welt
der piemontesischen Reisfelder. Vercelli war im Mittelalter
Sitz der ersten piemontesischen Universität und
Novara ist bekannt für die Domkuppel des Architekten
Antonelli, ein unverwechselbares Wahrzeichen, auch
durch seine Verwandtschaft mit der Mole Antonelliana
in Turin.
Die
großen Seen.
Der Seenbezirk – Orta, Mergozzo, Stresa –
stellt eine eigene Welt im komplexen Bild des Piemont dar. Die großen Wasserspiegel genau zu Füßen
des Monte Rosa sind von Naturparks, Kirchen und Villen
umgeben, die das Gebiet zu einer “kleinen Schweiz”
machen (die Grenze ist in der Tat nicht weit). Die
wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die Insel
San Giulio im Ortasee, Verbania am Westufer des Lago
Maggiore und Stresa, ein Städtchen in wunderbarer
Aussichtslage.
Valsesia.
Das lange, vielgestaltige Sesiatal windet sich am
Fluss Sesia entlang. Im ersten Abschnitt zwischen
Borgosesia und Varallo, wo die zahlreichen Industriebetriebe
(Papierfabriken, Wollwebereien, Armaturen) neben den
außergewöhnlichen Zeugnissen der religiösen
Kunst bestehen, ist es breit und fast heiter; im oberen
Teil mit den antiken Walserdörfern im Schatten
der Südostwand des Monte Rosa, windet es sich
eng nach oben, und schließlich wird es mit den
vereisten Wasserfällen und den Viertausender-Gipfeln
steil und äußerst beeindruckend.
Monferrato.
Es gibt im Monferrato kaum Erhebungen über fünfhundert
Metern Höhe, aber die Landschaft ist kontinuierlich
bewegt und modelliert. Diese Hügel sind von Gemüsegärten,
Obstbäumen und Rebstöcken umrahmt, die erlesene
Weine wie Grignolino, Dolcetto, Barbera, Freisa und
Moscato hervorbringen. Casale Monferrato ist ein Städtchen
mit langer Geschichte, das einen Besuch lohnt, ebenso
wie Asti, Heimat des gleichnamigen Weines und des
traditionellen Palio, der auf die goldene Zeit der
Stadt, das Mittelalter, zurückgeht. Ein Juwel
in dieser Gegend ist die romanische Abtei Vezzolano.
Langhe.
Auch wenn es die Weinhänge nicht gäbe,
die ihre Hügel prägen, auch wenn sie nicht
einige der kostbarsten Weine der Welt erzeugen würden,
und selbst wenn sie nicht in den Romanen von Cesare
Pavese und Beppe Fenoglio unsterblich geworden wären,
wären die Langhe dennoch eine einzigartige
Landschaft mit ihren Schlössern und Dörfern,
aufragend aus einem Hügelmeer mit Blick auf
den Alpenbogen und im Süden tatsächlich
nicht weit vom Meer entfernt. La Morra (mit seiner
Panoramalage), Barolo (das dem berühmtesten
Wein aus den Langhe seinen Namen gab), Monforte,
Serralunga, Grinzane Cavour (mit dem unverwechselbaren
Schloss) und viele andere sind die malerischen Dörfer
dieser Gegend, die in der ganzen Welt berühmt
ist. Allen voran aber muss Alba genannt werden,
die “Hauptstadt” der Langhe, des Dolcetto,
des Torrone und der weißen Trüffel.
Alessandrino.
Das Land um Alessandria - "Terra bassa"
mit einer gleichförmigen Landschaft und “Übergang”
zwischen der Poebene und dem Ligurischen Apennin –
hat seine Sehenswürdigkeiten hier und dort im
Gebiet verteilt: vom Gold in Valenza zu den Schlössern
von Ovada, von der Festung Gavi über die Abteien
Rivalta Scrivia und Bosco Marengo bis zum Thermalzentrum
Acqui.
Cuneese.
Das Cuneese ist die größte Provinz im Piemont,
was ihm den Zunamen “Provincia granda”
eingetragen hat. Unter den Städten, die einen
Besuch lohnen, stehen Cuneo (geprägt durch eine
sehr lange Folge von Arkaden), Mondovì (mit
seiner Altstadt und der nahen Wallfahrtstätte
Vicoforte) und Saluzzo an erster Stelle.
Piemonte
in Zahlen.
- 4.291.000 Einwohner,
- 38% Ebene, 33% Hügel, 29% Gebirge, das den
Schauplatz der Olympischen Winterspiele 2006 darstellen
wird, mit 2.000 Kilometern Skipisten, über die
ganze Alpenkette verteilt
- Land der Genüsse: Monferrato und Langhe sind
die Heimat der Weine und der hochwertigen Lebensmittel,
die in die ganze Welt exportiert werden. 46 DOC-Weine,
8 DOCG-Weine, 8 DOP-Käse, Schokolade, Haselnüsse,
Trüffel, Fleisch, Reis. Kultur und Geschichte:
über 100 Museen, 1000 Bibliotheken, Tausende
von Archiven und Kulturinstitutionen.
Lage.
Das Piemont umfasst eine Fläche von 25.399 Quadratkilometern
und hat etwa 4,3 Millionen Einwohner. Das Aostatal im Nordwesten
der Region zählt historisch und naturgeografisch zum
Piemont, bildet aber als autonomes Gebiet eine eigene Verwaltungseinheit
mit Sonderstatus: Im Aostatal leben etwa 120.000 Menschen
auf einer Fläche von 3.263 Quadratkilometern.
Naturgeografisch gliedert sich die Region in drei Teile:
Die Alpenregion zieht sich am Rande der Alpen entlang der
Ost- und Nordgrenze des Piemont. Hier liegen die okzitanischen
Täler (Valle Stura, Valle Maira, Valle Maraita, Valle
del Po, Valle del Chisone, Val Pellice, Valle di Susa, Valle
d'Aosta) und die Gegend rund um das Westufer des Lago
Maggiore.
Der höchste Berg des Piemont ist der im hintersten
Aostatal gelegene Mont Blanc.
Anfahrt. Piemont ist durch ein dichtes Autobahnnetz gut angebunden.
Von allen größeren deutschen Städten gibt
es direkte Zugverbindungen nach Mailand. Von dort starten
nahezu stündlich Anschlusszüge nach Turin oder
an die Seen.
Durch die günstige Lage der Flughäfen von Mailand,
Turin und Genua kann man mit Alitalia, Lufthansa und Air
Dolomiti auch mit dem Flugzeug anreisen. Folgende Reiseveranstalter
bieten neben Busreiseveranstaltern Ferienziele in diesem
Gebiet an: Ameropa, Dertour, TUI, Studiosus, Interchalet,
ADAC Reisen, Olimar und Thomas Cook, um nur einige zu nennen.
Naturparks,
Naturschutzgebiete, Schutzzonen.
Die Klassifizierung der Schutzgebiete im Piemont verschiedenartig
und diversifiziert. Fast 200.000 Hektar geschützter
Natur - 8% der regionalen
Fläche - zeigen das Bedürfnis und den Willen,
ein an tausend Besonderheiten reiches Gebiet zu schützen.
Das System der Naturparks und -schutzgebiete umfasst Orte
von unvergleichlichem Wert wie den Gletscher des Monte Rosa
in Valsesia (der höchste Park Europas), den gesamten
Flusslauf des Po, Grasland, Wälder und Heide, Seen
und Feuchtgebiete, paläontologische Gebiete und botanische
Gärten.
Diese großen offenen Flächen sind von einer
regen Wildfauna belebt, und häufig umfassen sie in
ihrem Gelände oder in unmittelbarer Umgebung typische
Bauerndörfer, Zeugnisse aus römischer Zeit, mittelalterliche
Klöster und barocke Burgen, die den Reiz alter Kulturen
und Traditionen bewahren.
An den Seen, unweit des eleganten Turin oder in dem lieblichen
Hügelland Piemonts finden sich zahlreiche Golfplätze,
darunter mit I Roveri bei Turin der Renommierteste der
Apenninenhalbinsel. Sie stellen für Golfer aller
Handicapklassen eine sportliche Herausforderung dar. Zweitausend
Kilometer Pisten von den Seealpen bis zum Monte Viso,
vom Susatal bis zum Monte Rosa werden jedem Skifahrer
gerecht. Nicht ohne Grund wurde Turin mit den nahen Skigebieten
Bardonecchia, Oulx, Sauze d´Oulx, San Sicario und
Sestrière als Austragungsort für die Olympischen
Winterspiele vom 11. bis 26. Februar 2006 gewählt.
Hunderte von Abfahrts- und Langlaufpisten, moderne Aufstiegsanlagen
und leistungsfähige Unterkunftsstrukturen stehen
den Gästen natürlich auch schon im Vorfeld von
Olympia bereits zur Verfügung.
Thermen in Piemont.
Sich vor Stress und Müdigkeit schützen? Die
Zeichen der Zeit ausradieren und die gute Laune wieder
finden? Nichts einfacher als das!
Schon seit der Antike sind die zahlreichen Thermalquellen in Piemont nicht nur wegen ihrer heilenden Kräfte
bekannt; sie sind auch wegen der Landschaft, in der sie
sich befinden, eine echte Attraktion. Täler, Berge
und Hügel sind für den Wanderer ein idealer
Rahmen, um sich zu erholen und neue Energien und gute
Laune zu tanken. Eine Kur in den Thermalbädern ist
die Gelegenheit für einen entspannenden und Freude
bringenden Urlaub. Das Angebot an Thermen ist breit gefächert
und über die ganze, an Geschichte und Traditionen
reiche Region verteilt. Vier Kurorte sind besonders beliebt:
Aqui Terme in der Provinz Alessandria; Agliano Terme in
der Provinz Asti; Garessio, Lurisia, Valdieri und Vinadio
in der Provinz Cuneo; Bognanco und Crodo in der Provinz
Verbano Cusio Ossola.
Das kulturelle System im Piemont besteht aus einem breiten
Angebot von Kunststätten, Museen, Schlössern und
Wallfahrtsorten. Um ihre Funktionalität und Zugänglichkeit
zu verbessern, wurde ein umfangreicher Maßnahmenplan
für die Sanierung im Zeitraum 2000-2006 mit einer Bereitstellung
von insgesamt ca. 500 Millionen Euro aus EU-Fonds, Staat,
Region, Provinz, Bankstiftungen und Gemeinden umgesetzt.
In den letzten Jahren wurde das Engagement für die
Restauration und den Erhalt der 17 Savoyerresidenzen intensiviert,
die vor kurzem von der Unesco als “Weltkulturerbe
der Menschheit” anerkannt wurden: Dazu gehören
Palazzo Reale, Palazzo Madama, das Jagdschlösschen
Stupinigi, Villa della Regina, die Residenz Pollenzo, zukünftiger
Sitz der Universität der gastronomischen Wissenschaften,
und allen voran das Schloss Reggia di Venaria Reale, das
die imposanteste Restaurationsmaßnahme in ganz Europa
darstellt.
Zu all diesen Baudenkmälern kommt ein vielfältiges
Museumsangebot auf hohem künstlerischen Niveau: Fast
130 Museen gibt es in der Provinz Turin, dazu über
200 Museen im Rest der Region. Zu den wichtigsten gehören
das Ägyptische Museum, das Filmmuseum in der Mole Antonelliana
in Turin und das Museum für moderne und zeitgenössische
Kunst im Schloss Rivoli, einer anderen Perle der Savoyerresidenzen.
In der Kultur wird an der Umwidmung großer Monumente
der Industriegeschichte, der Erweiterung der Universitätszentren
und im Bereich Kunst, Kino, Theater und Kulturveranstaltungen
an der urbanistischen Requalifizierung der Altstädte
und der Randgebiete gearbeitet.
Von großer Bedeutung ist der Umbau stillgelegter
Fabriken in Zentren für zeitgenössische Kunst
und Kultur. Beispiele dafür sind die Pinakothek Agnelli
im Lingotto in Turin, die Stiftung Sandretto Re Rebaudengo
in Turin und die Stiftung Pistoletto in Biella.
Zeitgenössische
Kunst.
Kreativität und Unternehmertum sind zwei grundlegende
Eigenschaften der piemontesischen Identität. Zwei fest
verwurzelte Aspekte, die Geschick und Geschichte des Piemonts geprägt haben und dabei in dynamischem Gleichgewicht
abwechselnd im Vordergrund standen. Nachdem in den letzten
zwei Jahrhunderten die Industrie die Hauptrolle spielte,
entwickelt sich in den vergangenen Jahrzehnten die zeitgenössische
Kunst zum wichtigsten Antriebs- und Energiepol der Region.
Das Piemont hat sich nach und nach zu einer internationalen
Hochburg für zeitgenössische Kunst gemausert und
dabei ein vielschichtiges Gefüge aus öffentlichen
und privaten Einrichtungen, Sammlungen und Stiftungen, Museen
und Galerien, Events und Veranstaltungen entwickelt.
Aktualität ist hier verknüpft mit außergewöhnlichen
Geschichten, von den übersprudelnden Entwürfen
der Futuristen bis zu Felice Casorati, von der Situationistischen
Internationalen Pinot Gallizios bis zur Bewegung der Arte
Povera, vom Studium der Food-Art bis zur Gründung im
Jahr 1863 der Galleria Civica d'Arte Moderna e Contemporanea
(GAM - öffentliche Galerie für moderne und zeitgenössische
Kunst). Heute ist die GAM ein Museum, das sowohl die moderne,
als auch die zeitgenössische Kunst beherbergt und über
einen reichen Bestand an Werken piemontesischer Künstler
verfügt, die inzwischen als "historisch"
gelten, außerdem über die Arbeiten vieler aufstrebender
Jungkünstler sowie eine Videothek mit einem bedeutenden
Archiv.
Der andere offizielle Kunstmagnet ist das Schloss von Rivoli;
diese ehemalige Residenz des savoyischen Herrscherhauses
wurde 1984 als Museum für zeitgenössische Kunst
neu eröffnet und ist Teil eines internationalen Kunstkreises
mit den Werken der ständigen Sammlung und den Ausstellungen
zu den Strömungen und Hauptakteuren der globalen Szene.
Wie eine Werkstatt in ständigem Wandel war das Piemont in den letzten Jahren Entstehungsort einer Reihe von Größen,
die ein ganzes System zeitgenössischer Kunst geschaffen
haben: durch die Verknüpfung von Innovation und Tradition,
durch die gemeinsame Arbeit an einem einzigen Interaktionsprojekt.
Michelangelo Pistoletto kehrte nach Biella zurück,
um dort seine Kunststadt-Stiftung Pistoletto aufzubauen:
ein archäologisches Industrieareal wird so verwandelt
in einen Ort des Austausches und der Berührung zwischen
künstlerischen Ausdrucksformen, Politik und sozialem
Engagement.
Patrizia Sandretto Re Rebaudengo konstruierte ihre Stiftung
wie ein Observatorium der momentanen Kunst, mit Ausstellungen
und Begegnungen aber auch Werkstätten für junge
Leute.
Der Turiner November ist dagegen inzwischen eine feste
Größe im Terminplan der internationalen Kunstszene
mit einem Veranstaltungskarussell, dessen Dreh- und Angelpunkt
die auf zeitgenössische Kunst spezialisierte Messe
Artissima darstellt: mit der Präsenz von 180 Galerien
aus allen Kontinenten und der Einschaltung der berühmten
Lichtinstallationen "Luci d'Artista" in den Straßen
und Plätzen der Stadt, die durch die leuchtenden Werke
berühmter Künstler verzaubert wird - übrigens
eine Erfolgsidee, das auch viele andere Großstädte
übernommen haben. Rings umher zahllose Galerien, Vereinigungen
und alternative Freiräume, die eine lockere, grenzgängerische
Annäherung an die neuen Wege der Kunst bieten. Außerdem
laufen derzeit die Vorbereitungen für die dritte "Biennale
Internazionale dei Giovani artisti" (BIG), also die
Internationale Biennale für junge Künstler; diese
Veranstaltung ist eine der vielen Initiativen, die die piemontesische
Regionsverwaltung fördert, um junge Kreativität
als wertvolle Energie der Zukunft zu unterstützen.
Ein weiteres Beispiel ist das inzwischen schon historische
Event "Nuove Proposte" ("Neue Ansätze").
Volljährig ist mittlerweile auch die Photographie-Biennale,
die von der italienischen Stiftung für Photographie
ausgerichtet wird, während der Palazzo Bricherasio
und der Palazzo Cavour die gelungene Verbindung von historischem
Hintergrund und zeitgenössischer Kunst demonstrieren.
Auch das Umfeld von Turin ist Schauplatz einer wachsenden
Zahl neuartiger Initiativen: vom Kapuzinerkloster in Caraglio
bis zum Macam in Maglione, einem Freiluftmuseum an den Wänden
der Häuser. Außerdem die Gipsothek Davide Calandra
und der "Meno Trenta"-Preis ("Unter Dreißig")
in Savigliano, die Gipsothek von Leonardo Bistolfi in Casale
Monferrato, das Pellizza-Atelier in Volpedo, dem bei Alessandria
liegenden Geburtsort des Erschaffers von "Der vierte
Staat". Doch im Grund genommen ist jeder Teil dieser
Gegend so wie jeder Monat des Kalenders besondere Aufmerksamkeit
wert.
Im Piemont sind gastronomische Genüsse Trumpf: die
geschmackliche Vielfalt eines Gebiets, das voller Stolz
auf eine jahrhundertealte kulinarische Tradition und ein
feines Gespür für die Qualität und Vorzüglichkeit
der typischen Erzeugnisse und Rohstoffe verweist, die hier
wie in keiner anderen Region Italiens geschützt und
geprüft sind, bevor sie gekonnt in weltberühmte
Spezialitäten verwandelt werden. Diese erlesene Genießerwelt
trifft in dieser Region auf eine große Kultur gepflegter
Gastlichkeit und wunderschöne Orte, um dem Besucher
nicht nur herausragende önologisch-gastronomische,
sondern auch touristische und kulturelle Attraktionen bieten
zu können.
Die Reise durch die kulinarischen Hochburgen des Piemonts beginnt unweigerlich bei den 52.000 Hektar Weinbergen,
für die die Region weltberühmt ist; ihnen entspringen
einzigartige Weine, die in 60% aller Fälle mit Herkunftsangabe
sind. Der önologische Reichtum dieser Region ist
in der Tat unübertroffen: 44 Weine mit geprüfter
Herkunftsangabe (d.o.c.) und zehn Weine mit geprüfter
und garantierter Herkunftsangabe (d.o.c.g.), der höchsten
nationalen Auszeichnung, mit der sich in ganz Italien nur 31 Weine schmücken dürfen. Die piemontesischen
Weine bedürfen daher kaum einer Vorstellung: Barolo
und Barbaresco sind die Könige eines prächtigen
Hofstaats aus Rot - und Weißweinen: Brachetto, Gavi,
Gattinara, Ghemme, Roero Nebbiolo und Arneis, Moscato
d'Asti und Asti Spumante, von dem jedes Jahr in der ganzen
Welt Millionen von Flaschen verkauft werden. Dies gilt
auch für den Vermouth, eine Erfindung des Turiner
Herstellers Carpano, die später durch die Marken
Martini und Cinzano zu Ruhm gelangte. Nach einer Kostprobe
eines dieser edlen Tropfen kann die Entdeckungsreise durch
die zahllosen Spezialitäten beginnen, die nur ein
herausragender Landstrich bieten und nur eine exzellente
Gastronomietradition unvergesslich machen kann. Angefangen
mit dem Fleisch. Das Fleisch der "piemontesischen
Rinderrasse" hat den niedrigsten Cholesterin-Gehalt
überhaupt und verfügt über ein Gütesiegel,
das seine Unbedenklichkeit verbürgt. Die piemontesischen
Kälber mit ihrem weißen Fell sind die Urheber
einiger "Vorzeigegerichte" der Region, vom berühmten
"Bollito misto" (Kochfleisch) bis zum Rohfleischgericht
mit Messerschnitt oder Zubereitung nach "Albeser"
Art.
Und dann wären da noch die Wurstspezialitäten
vom Schwein: gekochte und rohe Salami, die ihresgleichen
sucht. Doch Weideflächen bedeuten auch Käse. Die
piemontesische Käsetradition ist reich an vorzüglichen
Erzeugnissen, wie auch die 8 d.o.p.- Auszeichnungen belegen
(Denominazione di Origine Protetta = geschützte Herkunftsangabe).
Hierzu zählen würzige Leckerbissen wie der Gorgonzola
und der Taleggio, der nahrhafte Grana Padano und der Castelmagno,
die edelste aller Käsesorten mit altüberlieferter,
mürber Masse, die in äußerst geringen Mengen
von allerbester Qualität hergestellt wird. Außerdem
der Raschera, der Bra, der Murazzano, der Robiola von Roccaverano:
Dies sind nur einige Beispiele der enormen Vielfalt an Käse-Delikatessen,
die im Piemont auf jahrhundertealte Zubereitungsverfahren
zurückblicken und oft auf den Almen hoch oben in den
Bergen entstehen. Diese erlesenen Fleisch - und Käsesorten
eignen sich auch bestens als schlichte Beilage oder Füllung
der vorzüglichen Nudel- oder Reisspezialitäten,
für die das Piemont ebenfalls bekannt ist: die Tajarin,
hauchdünne Bandnudeln mit einer ebenso gelben Farbe
wie die zu ihrer Zubereitung verwendeten Eier; die Agnolotti
als die gefüllten Nudeln schlechthin, die im Piemont mit Bratensauce serviert werden; der Reis mit den Sorten
Carnaroli, Baldo und Sant'Andrea, denn schließlich
ist der Raum Vercelli das größte Reisanbaugebiet Italiens.
Die außergewöhnliche Vielfalt der Agrar - und
Nahrungsmittelproduktion der Region umfasst auch vorzügliche,
seltene Gemüsesorten, die in den fruchtbaren piemontesischen
Ebenen gedeihen: quadratische Paprika aus Motta bei Costigliole
d'Asti oder hornförmige Paprika aus Carmagnola, Porree
aus Cervere, Silberzwiebeln aus Ivrea, Spargel aus Santena
und krummer Distelkohl aus Nizza Monferrato sind nur einige
der Gemüsespezialitäten, die hier gern in die
Bagna Caôda getaucht werden, ein Saucengericht aus
Knoblauch, Sardinen und Öl, das - neben der Fisch-Frittüre
- als das typisch piemontesische Gericht par excellence
gilt. Und dann wäre da noch der eigentliche "König"
der Wein - und Gastronomiespezialitäten der Region:
der weiße Trüffel - die seltene, wertvolle Frucht
einer Gegend, deren Schätze sogar im Erdboden verborgen
sind. Die kleine "Knolle" ist kostbarer als Gold
und findet sich vor allem in der Umgebung von Alba, d. h.
im für seinen Wein weltberühmten Langhe-Gebiet,
ist jedoch generell im gesamten Hügelbereich der Region
anzutreffen. Hauchdünne Scheiben der weißen Kostbarkeit
über Tajarin-Bandnudeln oder simple Spiegeleier gehobelt,
entfalten ein unvergleichliches Aroma. Dulcis in fundo nicht
zu vergessen die Süßwaren. Vorzüglicher
Honig, die berühmte Haselnusssorte "Tonda Gentile
delle Langhe" und vor allem die Schokolade, die Ende
des 17. Jahrhunderts den Weg nach Turin fand und heute ein
echtes Vorzeigeprodukt der Regionshauptstadt ist - diese
Zutaten sind die Grundlage vieler piemontesischer Leckereien
wie des Nusskuchens, der Nuss-Leckerbissen Nocciolini aus
Chivasso, der Pralinen, der Dragees, der Gebäckspezialität
Baci di Dama, des Torrone und der berühmten Nougat-Pralinés
Gianduiotti, deren zartschmelzende Mischung aus Kakao und
gerösteten Nüssen dem Piemont zu Ruhm verhalf,
sowohl wegen der Hochschätzung der Kunstfertigkeit
der Turiner Konditormeister, als auch wegen des Triumphzugs
der Nuss-Nougat-Creme Nutella rund um die Welt.
Alle diese vorzüglichen Früchte der Erde wachsen
und gedeihen auf den Hügeln, Weinbergen, Feldern und
Weiden des Piemonts, doch nur geschickte Unternehmen und
Fachleute können sie zu wirklich einzigartigen Erzeugnissen
verarbeiten. Denn im Piemont ist der Genuss nicht Laster,
sondern Tugend.