Piemont. Turin, Hauptstadt der Region, steht im Ruf einer zauberhaften
Stadt. Wie könnte dies auch anders sein, wenn
dieses Zentrum der italienischen Großindustrie
(FIAT, eine der größten Automobilindustrien
der Welt hat hier ihren Sitz) auch eines der wichtigsten
Reiseziele des Fremdenverkehrs in Italien darstellt.
Im Dom von Turin wird das Leichentuch Christi aufbewahrt,
das der Tradition nach den vom Kreuz abgenommenen
Leichnam Christi umhüllt haben soll. In Turin befinden sich auch das Ägyptische Museum mit
einer reichen Sammlung von Kunstwerken aus dem alten
Ägypten und die Galleria Sabauda, in der Meisterwerke
großer europäischer Künstler ausgestellt
sind. In Turin zeugen schließlich einige Denkmäler
auch von der bedeutenden Rolle, die die Region Piemont in der italienischen Geschichte der letzten Jahrhunderte
als Sitz des Hauses Savoyen (die Dynastie herrschte
in Italien bis 1946) und erste Hauptstadt des Königreiches
Italien spielte: Palazzo Reale, Palazzo Madama, Mole
Antonelliana, Villa Reale von Stupinigi. Auch in der
restlichen Region, in den Städten und Provinzen
Novara, Vercelli, Cuneo, Alessandria, Asti errinern
zahlreiche zivile und religiöse Denkmäler
an die bedeutende Vergangenheit: Festungen, Basiliken,
Klöster. Zu viele, umhier auch nur einige Beispiele
nennen zu können. Herrlich und vielseitig ist
auch das Landschaftsbild: Berge, Täler, Hügel
(berühmt sind die Langhe, die in vielen Erzählungen
der bedeutenden piemontesischen Schriftsteller Cesare
Pavese und Beppe Fenoglio erscheinen), Seen (Lago
Maggiore, Lago d'Orta, Lago di Viverone), Naturschutzgebiete
(Nationalpark von Valgrande). Reich und erlesen ist
die gastronomische und weinbaulische Tradition (einige
Weine aus der Region Piemont gehören zu den italienischen
Spitzenweinen).
Die Region Piemont blickt auf eine bedeutende Geschichte
zurück. Durch ihre geographische Lage zwischen
Frankreich, der Schweiz, Norditalien und dem nahegelegenen
ligurischen Meer ist in einen europäischen Kontext
der Entwicklung eingebettet – europäisch
wie der Geist dieses reichen, dynamischen Landes in
stetem Ausgleich zwischen Innovation und Tradition.
Die vielfältigen Nuancen im Piemont sind über
ein breit gefächertes Tourismus- und Produktionsangebot
noch vollständig zu entdecken: von den Bergen
der Olympiade zu den kulinarischen Spezialitäten
und Weinen der Langhe, von den Höchstleistungen
in der Textil-, Technologie- und Automobilbranche
bis zu den Savoyerresidenzen, von den Impulsen für
die Filmwelt bis zur Kunst, Kultur und Architektur.
Piemont entdecken.
Um das Piemont wirklich zu entdecken, muss man die
historischen und landschaftlichen Besonderheiten der
verschiedenen Zonen erfassen, aus denen es besteht
– jede mit ihren eigenen Traditionen und Eigenarten.
Es folgt eine Übersicht über die vielen
möglichen Routen in der Region.
Die
Savoyerresidenzen.
Die Residenzen des Hauses Savoyen – die Turin zur ersten Hauptsstadt Italiens machten – erstrecken
sich auch über den Stadtrand hinaus bis ins Canavese
(Castello Ducale di Aglié), Cuneese (Castello
di Racconigi) und Teile der Langhe (die Agenzia di
Pollenzo). Aber die größte Konzentration
findet sich in der Stadt und Provinz Turin. In der
Stadt sind Palazzo Reale, Palazzo Madama, Palazzo
Carignano (Sitz des ersten italienischen Parlaments),
das Castello del Valentino (am Po) und die Villa della
Regina auf dem Hügel ein unbedingtes Muss. Aber
auch in der Umgebung sind nicht weniger bedeutende
Schlösser zu besichtigen: Venaria und La Mandria,
das Castello di Rivoli (in dem sich das bedeutende
Museum für zeitgenössische Kunst befindet),
im Süden das wunderschöne Jagdschlösschen
Stupinigi und das Castello di Moncalieri.
Die
Alpenfestungen in den Tälern der Olympiade.
Die Militärfestungen – die “Wachposten
der Alpen” – sind ein ganz besonderer,
historisch höchst faszinierender Schatz in den
Tälern, in denen 2006 die Olympischen Winterspiele
stattfinden werden, dem Susatal sowie Pellice- und
Chisonetal. Viele Festungen gibt es hier zu besichtigen:
Die wichtigsten Beispiele sind Forte di Fenestrelle,
Forte di Exilles und Forte Bramafam.
Die
Via Francigena.
Die Via Francigena, der Frankenweg, kommt, wie der
Name sagt, aus Frankreich und war eine mittelalterliche
Straße für die Pilger, die von ihrem Glauben
getrieben nach Rom zogen. Heute kann man den Pilgerweg
in umgekehrter Richtung entlang wandern und entdeckt
dabei hier und dort deutliche Stationen der mittelalterlichen
Strecke, so das Spitalkloster Sant'Antonio di Ranverso,
die Sacra di San Michele – verschanzt auf dem
Monte Pirchiriano –, die römische Stadt
Susa und die Abtei Novalesa.
Canavese.
Das Canavese liegt wie ein breites Amphitheater am
Fuße der Alpen zwischen den Tälern des
Nationalparks Gran Paradiso und der Dora Baltea, zwischen
Aostatal im Norden und Susatal im Süden. Hier
koexistiert die hochentwickelte Industrie von Olivetti
in Ivrea – der “Hauptstadt des Canavese”
– mit Weinhängen wertvoller Reben (vor
allem Erbaluce di Caluso) und den Spuren einer mittelalterlichen
und barocken Vergangenheit, die vor allem in den zahlreichen
Schlössern erhalten ist (Castello Ducale di Aglié,
weiter Rivarolo, Masino und San Giorgio).
Biellese.
Das Biellese ist ein besonderes Land, das von den
großen Textilunternehmen und den grandiosen
Wallfahrtsstätten auf den ersten Ausläufern
der Bielleser Alpen geprägt ist. Die Zeugnisse
der religiösen Verehrung sind hier greifbar:
Die Wallfahrtsstätte San Giovanni d'Andorno in
Campiglia Cervo und der eindrucksvolle Heilige Berg
Oropa zu Füßen des Monte Mucrone, vielleicht
der ältesten der Marienwallfahrtsstätten
des Okzidents, sind nur einige Beispiele.
Novarese
und Vercellese.
Diese Landschaft bildet ein riesiges Schachbrett aus
Farben, die sich mit den Jahreszeiten der Reisfelder
ändern und auf die der imposante Gipfel des Monte
Rosa herabblickt. Wenn die Felder vollständig
von Wasser bedeckt sind (120.000 Hektar im Vercellese
und Novarese zusammen), verwandelt sich die gesamte
Ebene in einen silbernen Spiegel. Das ist die Welt
der piemontesischen Reisfelder. Vercelli war im Mittelalter
Sitz der ersten piemontesischen Universität und
Novara ist bekannt für die Domkuppel des Architekten
Antonelli, ein unverwechselbares Wahrzeichen, auch
durch seine Verwandtschaft mit der Mole Antonelliana
in Turin.
Die
großen Seen.
Der Seenbezirk – Orta, Mergozzo, Stresa –
stellt eine eigene Welt im komplexen Bild des Piemont dar. Die großen Wasserspiegel genau zu Füßen
des Monte Rosa sind von Naturparks, Kirchen und Villen
umgeben, die das Gebiet zu einer “kleinen Schweiz”
machen (die Grenze ist in der Tat nicht weit). Die
wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind die Insel
San Giulio im Ortasee, Verbania am Westufer des Lago
Maggiore und Stresa, ein Städtchen in wunderbarer
Aussichtslage.
Valsesia.
Das lange, vielgestaltige Sesiatal windet sich am
Fluss Sesia entlang. Im ersten Abschnitt zwischen
Borgosesia und Varallo, wo die zahlreichen Industriebetriebe
(Papierfabriken, Wollwebereien, Armaturen) neben den
außergewöhnlichen Zeugnissen der religiösen
Kunst bestehen, ist es breit und fast heiter; im oberen
Teil mit den antiken Walserdörfern im Schatten
der Südostwand des Monte Rosa, windet es sich
eng nach oben, und schließlich wird es mit den
vereisten Wasserfällen und den Viertausender-Gipfeln
steil und äußerst beeindruckend.
Monferrato.
Es gibt im Monferrato kaum Erhebungen über fünfhundert
Metern Höhe, aber die Landschaft ist kontinuierlich
bewegt und modelliert. Diese Hügel sind von Gemüsegärten,
Obstbäumen und Rebstöcken umrahmt, die erlesene
Weine wie Grignolino, Dolcetto, Barbera, Freisa und
Moscato hervorbringen. Casale Monferrato ist ein Städtchen
mit langer Geschichte, das einen Besuch lohnt, ebenso
wie Asti, Heimat des gleichnamigen Weines und des
traditionellen Palio, der auf die goldene Zeit der
Stadt, das Mittelalter, zurückgeht. Ein Juwel
in dieser Gegend ist die romanische Abtei Vezzolano.
Langhe.
Auch wenn es die Weinhänge nicht gäbe,
die ihre Hügel prägen, auch wenn sie nicht
einige der kostbarsten Weine der Welt erzeugen würden,
und selbst wenn sie nicht in den Romanen von Cesare
Pavese und Beppe Fenoglio unsterblich geworden wären,
wären die Langhe dennoch eine einzigartige
Landschaft mit ihren Schlössern und Dörfern,
aufragend aus einem Hügelmeer mit Blick auf
den Alpenbogen und im Süden tatsächlich
nicht weit vom Meer entfernt. La Morra (mit seiner
Panoramalage), Barolo (das dem berühmtesten
Wein aus den Langhe seinen Namen gab), Monforte,
Serralunga, Grinzane Cavour (mit dem unverwechselbaren
Schloss) und viele andere sind die malerischen Dörfer
dieser Gegend, die in der ganzen Welt berühmt
ist. Allen voran aber muss Alba genannt werden,
die “Hauptstadt” der Langhe, des Dolcetto,
des Torrone und der weißen Trüffel.
Alessandrino.
Das Land um Alessandria - "Terra bassa"
mit einer gleichförmigen Landschaft und “Übergang”
zwischen der Poebene und dem Ligurischen Apennin –
hat seine Sehenswürdigkeiten hier und dort im
Gebiet verteilt: vom Gold in Valenza zu den Schlössern
von Ovada, von der Festung Gavi über die Abteien
Rivalta Scrivia und Bosco Marengo bis zum Thermalzentrum
Acqui.
Cuneese.
Das Cuneese ist die größte Provinz im Piemont,
was ihm den Zunamen “Provincia granda”
eingetragen hat. Unter den Städten, die einen
Besuch lohnen, stehen Cuneo (geprägt durch eine
sehr lange Folge von Arkaden), Mondovì (mit
seiner Altstadt und der nahen Wallfahrtstätte
Vicoforte) und Saluzzo an erster Stelle.
Piemonte
in Zahlen.
- 4.291.000 Einwohner,
- 38% Ebene, 33% Hügel, 29% Gebirge, das den
Schauplatz der Olympischen Winterspiele 2006 darstellen
wird, mit 2.000 Kilometern Skipisten, über die
ganze Alpenkette verteilt
- Land der Genüsse: Monferrato und Langhe sind
die Heimat der Weine und der hochwertigen Lebensmittel,
die in die ganze Welt exportiert werden. 46 DOC-Weine,
8 DOCG-Weine, 8 DOP-Käse, Schokolade, Haselnüsse,
Trüffel, Fleisch, Reis. Kultur und Geschichte:
über 100 Museen, 1000 Bibliotheken, Tausende
von Archiven und Kulturinstitutionen.