Bildende
Kunst und Literatur.
In keinem anderen Land der Welt befinden sich so viele
bedeutende Kunstwerke und Kunstdenkmäler auf so engem
Raum versammelt wie in Italien.
Das Land besitzt – was die ältere bildende
Kunst und Architektur betrifft – den größten
Teil des europäischen Kulturerbes. Auf italienischem
Boden haben sich einzigartige Zeugnisse der griechischen,
etruskischen, römischen, frühchristlichen und
byzantinischen Kunst erhalten. Im Mittelalter bildete
sich die italienische Kunst aus; sie gehört seitdem
zu den großen europäischen Kulturen. Vor allem
im Mittelalter, während der Renaissance und im Barock
gingen von Italien die maßgeblichen und stilbildenden
Impulse für die europäische Kunst aus. Auch
im 20. Jahrhundert formten sich in Italien
wieder international einflussreiche Kunstrichtungen: vor
allem Futurismus, Pittura metafisica, Arte Povera, Transavanguardia.
Musik.
Abgesehen von der gemeinsamen Sprache und der Staatskirche
ist Italien
keineswegs von einer homogenen Kultur geprägt. Dies
gilt besonders für die Stilarten der Volksmusik im
Norden einerseits und auf den großen Inseln Sardinien
und Sizilien andererseits. Nicht nur die Instrumente und
die gespielten Stücke unterscheiden sich je nach
Region stark voneinander, sondern auch Technik und Stil
des Vortragens. Grob lässt sich die italienische
Volksmusik jedoch in die Stilrichtung des Nordens, die
des Südens (in diesen Bereich gehört auch Sizilien)
und die Sardiniens einteilen.
Im stark industrialisierten Norden nimmt der Gesang eine
wichtige Stellung ein, der sowohl von Solisten als auch
von Gruppen vorgetragen wird. Der Sologesang lässt
sich in erzählende Stücke, wie z. B. Balladen
oder Ballate, und eher lyrische Gesangsformen unterteilen.
Im Norden haben die Angehörigen verschiedener Berufsgruppen
eigene Stilarten entwickelt.
Auch in den Provinzen der süditalienischen Halbinsel
hat das Vortragen erzählender und lyrischer Gesänge
eine lebendige Tradition. In einigen Gebieten werden lange
Balladen mit der Bezeichnung Storie gesungen. Der Süden
des Landes weist auch eine Vielzahl an Musikinstrumenten
auf. Zu ihnen gehören gewöhnliche Rohrflöten
und Tamburine ebenso wie Dudelsäcke und Hirtenflöten-Duos
(Zampogna und Piffero), die nur in den südlichsten
Provinzen anzutreffen sind. Die letztgenannten Instrumente
sind eng mit dem Hirtentum verbunden und werden deshalb
besonders häufig zur Weihnachtszeit gespielt.
Typisch für die Musik Sardiniens ist die Vielstimmigkeit
in Männerchören, die mit ihrem Gesang Tänzer
und Prozessionen begleiten. Die Sänger dieser Chöre
haben in ihre Musik auch die Klänge ihrer Umgebung
eingearbeitet, und manchmal ahmen die Stimmen Schafe und
Ziegen nach. Die Vielstimmigkeit kommt auch bei den beiden
wichtigsten Instrumenten Sardiniens zum Tragen: dem Organetto
und dem Launeddas. Das Organetto ist ein kleines Akkordeon,
auf dem man gleichzeitig die Melodie und die Begleitung
spielen kann. Hinter dem Begriff Launeddas verbirgt sich
eine Klarinette mit Dreifachblattzunge, deren Spieler die
Melodie, die Gegenmelodie und den Bassteil spielt. Beide
Instrumente sind oft auf Tanzveranstaltungen zu hören,
die immer noch zu den wichtigen Bestandteilen des dörflichen
Lebens auf Sardinien gehören.
Bibliotheken
und Museen.
Italien verfügt über viele bedeutende Büchersammlungen.
Zu den größten und wertvollsten gehören
die Nationalbibliotheken in Florenz, Rom, Neapel. Auch zahlreiche
Universitäten und die Vatikanstadt sind mit großen
Bibliotheken ausgestattet. Kleinere Sammlungen mit einer
Vielzahl von regionalen Dokumenten und Inkunabeln (Druckerzeugnissen
aus der Zeit vor 1501) gibt es in den meisten italienischen
Städten. Bibliotheken mit öffentlich zugänglichen
Beständen stellen in Italien eine Seltenheit dar, oft
benötigen Besucher ein offizielles Dokument oder ein
Empfehlungsschreiben, um eingelassen zu werden.
Viele italienische Städte beherbergen weltberühmte
Kunstsammlungen. Zu den bedeutendsten gehören die Uffizien
und die Grabkapelle der Medici in Florenz, das Nationalmuseum
in Neapel sowie das Nationalmuseum für etruskische
Altertümer in der Villa Giulia, die Galleria Borghese
und die Galleria Nazionale d'Arte Moderna in Rom. Auch die
Vatikanstadt verfügt in ihren Museen und Kapellen,
von denen die Sixtinische Kapelle mit Abstand die berühmteste
ist, über namhafte Kunstsammlungen. Weltweiter Bekanntheit
erfreut sich die internationale Biennale für zeitgenössische
Kunst in Venedig. Die zahlreichen Skulpturen, Brunnen und
architektonischen Meisterwerke lassen viele der italienischen
Städte selbst wie Freilichtmuseen erscheinen.