Rovigo.
Folgt man dem Lauf von Po und Etsch, trifft man auf grüne Wälder, altertümliche Ortschaften und alte Traditionen eines einfachen Volkes.
Vom Herzen des Po zu seinem Delta
In der weiten Poebene erstreckt sich die Provinz Rovigo, die deutlich von der Präsenz ihrer zwei großen Flüsse Po und Etsch gezeichnet ist. Gerade entlang dieser zwei Flüsse bietet sich eine außergewöhnliche Reise durch dieses wunderbare Land an. Am linken Flussufer des Po, das die Grenze zur Emilia Romagna bildet, erstreckt sich eine einzigartige, vom Fluss geprägte Landschaft mit dichten Wäldern. Dort liegt auch Melara, die westlichste Ortschaft der Provinz. Sie rühmt sich einer jahrhundertealten Geschichte und Kunst (genannt sei die große Kirche S. Materno oder die berühmte Kirche Madonna del Lume) und verkörpert zudem jene enge Bindung, die die Bewohner dieses Gebiets seit jeher zu der umliegenden Natur haben. Das Städtchen selbst hat seinen Namen vom Honig („miele“), einem typischen Produkt dieser Gegend. Folgt man weiterhin dem Lauf des Po, stößt man nach einigen Kilometern auf Bergantino, einem zwischen grünen Weiden und Pappeln gebetteten Dorf und idealem Habitat für Kohlmeisen, Möwen und Reihern. Auch der Name dieses Dorfes (zu deutsch Brigantine, bezeichnet ein kleines Kampfschiff) verweist auf die große Bedeutung des Po. Bergantino ist nicht nur von einer dichter Vegetation umgeben, sondern beherbergt auch einen wunderschönen Palast (Palazzo Diani) aus dem 16. Jahrhundert. Die nächsten Stationen auf der Reise Richtung Meer sind erst Castelnovo, mit seiner einzigartigen Flussinsel und dem Vorland (von dem ein Teil seit einigen Jahren für Forschungsprojekte der Universität Rovigo genutzt wird) und dann die Gemeinde Castelmassa mit ihrem originellen, langen, rechteckigen Platz zwischen dem Flussdamm und der Kirche S. Stefano. Nach Castelmassa wechselt der Dammweg langsam sein Aussehen. Die grünen Wälder beginnen sich zu lichten, bis sie schließlich nur mehr kleine Strände oder rechteckige Felder umranden. In einer solchen Umgebung liegt Co’dei Mulini, das an die alten Mühlen am Po erinnert. Bei Salara wechselt die Landschaft abermals in dichte Pappelwälder über, die auch die Flussinsel Bosco Papino, einst eine richtige Insel, aber heute mit dem Festland verbunden, schmücken. Salara beherbergt einige römische Fundstücke und ist zudem berühmt für ihren Erdbeeranbau und das im Mai stattfindende Erdbeerfest. Hinter dem Erdbeerland liegt die bedeutende, historische Ortschaft Sariano. Sie beherbergt einen ungewöhnlichen Bau aus dem 16. Jahrhundert, der auf einer vorherigen, mittelalterlichen Festung errichtet wurde und von dem nur noch der Mittelturm erhalten ist. In der Nähe von Sariano erstreckt sich ein einzigartiges Naturgebiet, die sogenannten Gorghi. Dort schaffen ungewöhnliche Wasserspiegel Naturoasen, die mit Schilfrohr, Pappeln und Erlen bewachsen sind und Biberkolonien beheimaten. Bevor man das Flussdelta erreicht, kann man in Trecento den Palazzo Pepoli-Spalletti, in Occhiobello das herrliche Panorama, dass bereits viele Maler inspiriert hat, und in Polesella die venezianischen Villen aus dem 16. Jh. bestaunen. Der erste Teil der Reise endet schließlich in Papozze, dem Ort, in dem der Podelta-Park beginnt.
Das Podelta und die Etsch: das Meer von Rovigo
Das Podelta wurde nach Jahren unerbittlicher Kämpfe der Naturschützer schließlich in einen regionalen Naturpark umgewandelt. Das Gebiet besticht durch einzigartige Landschaften, die die Besucher in eine surreale Schilf- und Wasserwelt entführen. Im Inneren des Parks treffen unzählige Landschaftstypen aufeinander, die sich zwischen Land und Wasser erstrecken. Bezeichnend ist Porto Tolle mit seiner einmaligen Landschaft, die sich aus Landzungen, Inseln, Schilfrohr und Fischweihern zusammensetzt. Um die Wunder dieser zauberhaften Welt voll auszukosten, kann man kurze Bootsausflüge unternehmen, die von Ca' Tiepolo, Scardovari und Pila aus starten und dann langsam den Fluss hinauf fahren. Ein anderes Herzstück in diesem Gebiet ist Rosalina Mare, ein beliebtes Touristenzentrum auf der Nordseite des Deltas. Hier erstreckt sich zwischen den Lagunen der beiden Flüsse ein weiter und schöner Sandstrand, der auf dem ersten Blick wie eine Insel erscheint, die im Osten vom adriatischen Meer, im Norden von der Etsch, im Westen vom Po di Brondolo und im Süden vom Po di Levante umschlossen ist.
Volksfeste und Feierlichkeiten: die Traditionen der Provinz
Auch die Provinz Rovigo hat wie das restliche Italien ihre ganz bestimmten Bräuche und Feierlichkeiten, die Ausdruck altbewahrter Traditionen sind. Neben dem bereits erwähnten Erdbeerfest in Salara und dem Honigfest in Melara, gibt es noch zahlreiche andere Veranstaltungen, die über das ganze Jahr zerstreut sind. Zwischen März und April finden die jährlichen Osterriten von Fratta Polesine und das einzigartige Drachenfest von Badia Polesine statt. Die Sommersaison wird im Juli in Villamarzana mit dem Getreidefest eröffnet. Im August wird in Villadose der römische Markt neu ins Leben gerufen und Bergantino feiert ein buntes Bauernfest. In Badia Polesine findet im September das Polentafest statt. Das Sonnenjahr endet Ende Dezember in Adria mit dem Ritual und der eindrucksvollen, auf dem Wasser schwimmenden Krippe.