MessinaMilazzo.
Die Stadt Mùlai (römischer Name) wurde
716 v. Chr. durch die Griechen von Zancle gegründet,
an der Stelle einer sehr alten neolithischen Siedlung.
Umkämpft von Griechen, Mamertinern, Karthagern
und Syrakusern kam sie unter die Herrschaft des Agathokles
(252 v. Chr.) und danach unter die Hierons II. (270
v. Chr.), beide Tyrannen von Syrakus.
Im 3. Jh. v. Chr. war die Stadt Schauplatz des Krieges
zwischen Römern und Karthagern. Unter den Römern
wurden die Einwohner denen Messinas gleichgestellt
und als römische Bürger (cives romani) betrachtet.
Milazzo wurde dann von den Byzantinern besetzt und
ertrug anschließend auch die Herrschaften der
Araber, Normannen, Staufen sowie der Häuser Anjou
und Aragon.
Im 17. Jh. war Milazzo in drei Kerne aufgespaltet:
die befestigte Stadt, den Borgo (Vorstadtviertel)
und die Unterstadt. Zwischen den ersten beiden Stadtkernen
wurde ein gemauerter "Vorhang" errichtet,
zwischen den letzten beiden legte man das spanische
Viertel an. Im Verlauf des 18. und 19. Jhs. dehnte
sich die Stadt auf flaches Gebiet aus, die rein barocke
Stadtgestaltung bewahrend.
Die Schäden der Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs
sowie ein wenig vernünftiger Wiederaufbau haben
das Aussehen Milazzos bemerkenswert verändert.
Sie ist dennoch eine hübsche Stadt geblieben,
reich an künstlerisch und geschichtlich interessanten
Dingen.
Sehenswertes. Nach der Unterstadt des 19. Jhs.
beginnt bereits von der Via Crispi ab die Besichtigung
der antiken Stadt. In der Via Crispi liegt das elegante
Gemeindehaus des 19. Jhs., errichtet an Stelle eines
Flügels des Karmeliterkonvikts aus dem 16. Jh.
Auf der Piazza Duilio kann man die Hauptfassade (18.
Jh.) dieses Konvikts bewundern, sowie die Kirche del
Carmine.
In der Via Medici steht die Kirche San Giacomo Apostolo
aus dem 15. Jh., in der Altar des alten Doms und Gemälde
des 17. und 18. Jhs. aufbewahrt sind. In der Nähe
liegt der neue Dom, der im 20. Jh. erbaut wurde. In
seinem Innern sind schöne Altarbilder messinesischer
Meister des 15. Jhs. zu bewundern.
Von großem Interesse ist das Heiligtum des San
Francesco di Paola, zu dem man über eine prunkvolle
scherenförmig angelegte Freitreppe aus dem 18.
Jh. gelangt.
Das Heiligtum wurde im 18. Jh. auf den Strukturen
eines Oratoriums des 15. Jhs. erbaut und zeigt ein
schönes Portal aus dem 17. Jh. sowie im Innern
Gemälde von einigem Wert und eine gnadenreiche
Madonna aus der Schule Gaginis.
Auch die Kirche der Madonna del Rosario in der Via
San Domenico aus dem 16. Jh., mit verschiedenen Änderungen,
hütet gute Gemälde des 18. Jhs. und einen
wertvollen Barock-Tabernakel.
Von historischem, weniger kunstgeschichtlichem Interesse
ist das Felsheiligtum von Sant'Antonio da Padova,
wo der Heilige Antonius sich 1221 hinflüchtete.
Die Steigung Castello bringt uns zum ältesten
Kern von Milazzo: man geht über den spanischen
Mauergürtel hinaus und erreicht die befestigte
Stadt, wo man den alten Dom, das Schloß und
die alten Residenzen der Honoratioren der Epoche bewundern
kann.
Der alte Dom ist ein grandioses Gebäude, der
auf das 17.Jh. zurückgeht und Restaurierungsarbeiten
benötigte, die in Gang sind.
In der Nähe liegt der Geschworenenpalast aus
dem 14. Jh., einst Sitz des Senats und des Rathauses.
Nach dem gemauerten "Vorhang" gelangt man
zum Schloß, einem mächtigen Verteidigungsbau
der Aragonier, der im 13. Jh. unter Friedrich II.
fertiggestellt wurde.
Im Innern lohnt es sich, den Parlamentssaal anzuschauen
wegen seiner interessanten architektonischen Elemente.
Die Besichtigung kann weitergehen mit den Kirchen
dell'lmmacolata aus dem 17. Jh., San Rocco aus dem
16. Jh. und San Papino aus dem 17. Jh.
Aber der Besuch wäre nicht vollständig ohne
eine kleine Rast vor den zahlreichen Palazzi des 17.
und 18. Jhs., die Stadt adeln.
Von gleichem Interesse ist das archäologische
Itinerar, das eine Nekropolis aus der Bronzezeit einschließt
sowie ein Urnenfeld nach Art der Protovilloniano-Kultur
(Ende der Bronzezeit, 10. bis 8. Jh. v. Chr.). In
der Nähe der Piazza Roma, d.h. in der Via Praticella
gibt es noch eine Nekropolis, wo man Skelette und
Geschirrausstattungen aus dem 14. bis 13. Jh. v. Chr.
gefunden hat.
Von Milazzo aus kann man neben den Ausflügen
zu den Äolischen Inseln mit Fähre oder Tragflügelboot
auch Ausflüge nach Messina oder zur Grotte von
Polyphem machen und eine Bootsrundfahrt um das Vorgebirge.