EnnaSehenswertes.
Die Altstadt breitet sich entlang der Achse Via Roma
- Via Lombardia aus, wo sich das Lombardia-Kastell
befindet, ein guterhaltenes Beispiel für Militärarchitektur:
es handelt sich um eine mächtige Festung, die
seit dem Mittelalter eine wichtige Rolle als zentraler
Verteidigungspunkt der Insel innehatte. Der Name leitet
sich vermutlich von einer Gruppe Lombarden her, die
hier in normannischer Zeit stationiert waren.
Das Kastell wurde von dem Staufer Friedrich II. erbaut
und unter Friedrich II. von Aragon umgebaut, der hier
den Königstitel erhielt und hier auch das erste
sizilianische Parlament einberief.
Es hat einen unregelmäßigen, den Gegebenheiten
des Bodens angepaßten Grundriß und war
ursprünglich rundherum mit 20 Türmen bewehrt,
von denen noch sechs erhalten sind.
Das Innere besteht aus drei aneinandergrenzenden und
miteinander verbundenen Höfen (San Nicola, Maddalena
und San Martino genannt), in deren drittem sich der
Treppenaufgang zum "Pisanischen Turm" befindet.
Er ist der höchste und auch massivste des Kastells
und bezieht seinen Namen wahrscheinlich von einigen
im Gefolge der Normannen hergekommenen Pisanern.
Geht man nun auf die Via Roma zurück, so gelangt
man gleich zur Kirche San Francesco di Paola aus dem
16. Jh. und zur Piazza, wo das Gefallenendenkmal aus
dem Jahre 1928 von Ernesto Basile steht.
Weiter die Via Roma entlang gehend, erreicht man den
Dom, erbaut im Jahre 1307 von der Königin Eleonora,
der Gattin Friedrichs von Aragon. Die prächtige,
typisch barocke Fassade aus gelblichem Tuffstein wurde
nach einem Brand (1446) wiederaufgebaut und wird von
dem mächtigen Glockenturm mit seinen plastischen
Ornamenten beherrscht.
Auf der rechten Seite befindet sich ein Portal aus
dem 16.Jh., auf dessen Giebelfeld ein marmornes Basrelief
den heiligen Martin und den Armen zeigt.
In der Außenseite des rechten Flügels des
Querschiffes ist noch ein Portal (14.Jh.) eingelassen,
das noch zu dem ursprünglichen Bau gehörte;
sein Innenbogen weist die typische Rauten-Verzierung
auf. Die Apsiden bewahren noch ihr ursprüngliches
Aussehen.
Das weitläufige Innere des Domes hat drei auf
massiven Säulen ruhende Schiffe. Die üppigen
Stuckornamente stammen aus der Zeit zwischen Cinquecento
und Seicento.
Die ersten beiden Säulenkapitelle aus dem Jahre
1560 sind ein Werk Gian Domenico Gaginis, die hölzerne
Kassettendecke aus dem 16.Jh. stammt von Scipione
di Guido.
Zwischen den letzten beiden Säulen der Mittelapsis
stehen sich zwei schöne hölzerne Kantorien
aus dem 16. Jh. gegenüber; neben dem rechten
befindet sich eine sehr fein gearbeitete Marmorkanzel
aus dem Settecento, ein Werk von Giovanni Gallina
aus Nicosia.
Unter den Gemälden befinden sich eine Kreuzigung
auf Holz aus dem 13. Jh. sowie eine Leinwand von Wilhelm
Borremans, die dem Konstantin erscheinenden Heiligen
Petrus und Paulus darstellt.
Bemerkenswert sind auch die Gemälde im Presbyterium
von Filippo Paladini aus dem Jahre 1613: eine Darstellung
Jesu, die Unbefleckte Empfängnis, Darstellung
Mariens, und die Heimsuchung Mariä.
Der Apsisbereich ist mit Stuckarbeiten und Malereien
ausgestaltet, und in der Apsiskuppel befindet sich
eine plastische Stuckdekoration: die Krönung
der Jungfrau.
Die Kapelle der rechten Seitenapsis heißt auch
"die Kapelle der Heimsuchung Mariä",
da sich über ihrem Altar ein Bild dieses Themas
von Paladini befindet.
Hinter dem Dom steht das Alessi-Museum, das den Domschatz
beherbergt: er enthält sehr wertvolle Devotionalien,
Monstran-zen und Gegenstände aus Email und Edelsteinen,
darunter die herrliche Goldkrone der Jungfrau.
Im nahen Palazzo Varisano aus dem 15. Jh. befindet
sich das kürzlich eingerichtete Archäologische
Regionalmuseum, wo in fünf Sälen Materialien
aus der Umgegend nach modernsten museumstechnischen
Gesichtspunkten ausgestellt sind (Karten, Schautafeln,
Erläuterungen).
Im 1. Saal sind Funde aus der Umgebung von der Kupferzeit
bis zum 6.Jh.
Im 2. Saal die zu Enna gehörenden Funde aus prähistorischer
Zeit, der Klassik und dem Mittelalter.
Im 3. Saal wird die historisch-archäologische
Lage des Pergusa-Sees erläutert und die in seiner
Gegend gemachten Funde ausgestellt.
Im 4. Saal sind die im Stadtgebiet gemachten Funde
und der Grabschmuck der Nekropolen zu sehen.
Im 5. Saal ist ebenfalls aus den Nekropolen stammender
Grabschmuck zu sehen.
Geht man die Via Roma weiter hinunter, so gelangt
man zum Palazzo Pollicarini auf der Piazza Colajanni,
vor dem das von Ettore Ximenez geschaffene Denkmal
für Nicola Colajanni steht daher auch der Name
des Platzes. Hier befindet sich auch die Santa-Clara-Kirche
aus dem 17.Jh. mit ihrer ausladenden Fassade, deren
zwei Ordnungen durch ein vorspringendes Sims unterbrochen
und von flachen Lisenen durchzogen sind.
Ein wenig weiter, auf der Piazza Coppola, erhebt sich
die Kirche San Giuseppe; sie ist schmal und massiv
wie ein Festungsturm. An der Ecke Via Candrilli sieht
man noch den Glockenturm der zerstörten Kirche
San Giovanni aus dem 15.Jh.
Auf der Piazza Umberto I. sodann steht das klassizistische
Rathaus mit seinem Säulengang.
Hier befindet sich auch das Garibaldi-Theater. Wenn
man weitergeht, kommt man zur Piazza Crispi, wo sich
der Brunnen der geraubten Proserpina befindet, und
dann zur Piazza Vittorio Emanuele, wo die Kirche des
HI. Franz von Assisi steht.
Sie stammt aus dem 14. Jh., weist aber viele Umbauten
in barockem Stil auf; ihr quadratischer Glockenturm
aus dem 13. Jh. Ist aus massivem Stein.
Das einschiffige Innere enthält ein wertvolles
bemaltes Kreuz aus dem 15. Jh. sowie ein Gemälde
der HI. Drei Könige, auch aus dem 15. Jh.
Die Fresken im Presbyterium stammen von G. B. Bruno,
aus dem 17. Jh.
Ganz in der Nähe liegt die Piazzetta di San Cataldo
mit der gleichnamigen Kirche, die im 18. Jh. auf den
Überresten einer älteren Kultstätte
erbaut wurde und ein bemaltes Kreuz aus dem Quattrocento
enthält, sowie zwei Marmorfiguren, die Domenico
Gagini zugeschrieben werden: die Ikone und das Taufbecken.
Auf die Via Roma blicken auch die Kirche Anime Sante
aus dem 17. Jh. und die San Tommaso-Kirche, die noch
einen massiven Glockenturm aus dem 13. Jh. mit drei
Ordnungen hat.
Die in der Nähe auf der gleichnamigen Piazza
gelegene Carmine-Kirche weist einen schönen Glockenturm
aus dem 15. Jh. auf.
Die Via Roma endet am Stadtpark, in dem sich der Friedrichsturm
erhebt; er wird von manchen Friedrich II. von Hohenstaufen
zugeschrieben, von anderen Friedrich von Aragon.
Sein Aussehen - achteckiger Grundriß und massiv
befestigte Form - verweist jedoch eher auf die Stauferzeit.
Im Innern sind noch zwei Säle mit Schirmgewölbe-Decken
erhalten.
Wenn man Enna in Richtung Süden verläßt,
gelangt man zum Pergusa-See, wo sich auch ein kleines
Dorf aus dem Jahre 1936 befindet. Der vielleicht durch
Absinken entstandene See ist unter naturkundlichem
Gesichtpunkt wegen seiner Flora und Fauna außerordentlich
interessant. Seit einiger Zeit leidet er unter der
Umweltverschmutzung und dem allgemeinen Wassermangel.
Heute ist er ein Naturschutzgebiet. Die Sage berichtet,
daß hier Persephone von dem verliebten Pluto
entfuhrt wurde, wäherend sie mit ihren Gefährtinnen
spazieren ging.
Bei kürzlich durchgeführten Ausgrabungen
im nahen Cozzo Matrice hat man Überreste einer
aus der Bronzezeit stammenden Siedlung und eines aus
dem 8.-6. Jh. v. Chr. stammenden, hellenisierten Dorfes
von Urbewohnern der Insel gefunden.