Die Stadt verdankt ihre Entstehung wahrscheinlich
Piraten, die die Küsteneinwohner in der Mitte
des 14. Jhs. zwangen, sich weiter landeinwärts
und mehr auf die Lavahochebene, die die Riviera dei
Limoni beherrscht (wie sie heute genannt wird), zurückzuziehen.
Der Name Acireale wurde der Stadt 1642 von Philipp
IV., dem König von Spanien, gegeben, der sie
zur direkten königlichen Domäne machte.
Nach dem Erdbeben von 1693 wurde die Stadt nach einem
städtischen Plan des Herzogs von Camastra wieder
aufgebaut, der sich diesbezüglich auch des benachbarten
zerstörten Catania annahm.
Zu einer richtigen Entwicklung kam es in den ersten
Jahrzehnten des 20. Jh., nach der Eröffnung der
breiten Straßen, die vielleicht für den
städtischen Basiszusammenhang etwas übertrieben
erscheinen; aber sie erwiesen sich als weitsichtig
aufgrund des größeren Verkehrsaufkommens
und verursachten, wie auch immer, ein bemerkenswertes
Anwachsen der Einwohnerschaft.
Sehenswertes in Acireale.
Von welcher Seite aus man die Stadt auch erreichen
möge: wir erlauben uns, vor allem anderen den
Besuch der Kirche San Sebastiano vorzuschlagen. Sie
stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jhs. und
hat eine schön Barockfassade. Ihr Glockenturm
ist nicht seitlich, sondern im KirchenkÖrper
angebracht eine originelle architektonische Lösung,
auf die man auch im Val di Noto trifft: tatsächlich
handelt es sich um eine Verlängerung der Fassade.
Die Brüstung und die Statuen, Werke von Gian
Battista Marino, sind 1754 hinzugefügt worden.
Im Innem sind Fresken von Pietro Paolo Vasta und Vito
d' Anna zu sehen. Der erwähnte Vasta war ein
guter örtlicher Maler, was seine Aktivität,
die besonders in Acireale verbreitet ist, erklärt.
Hier finden wir seine Werke auch in den Kirchen San
Camillo dei Crociferi und del Suffragio.
Auf einer geraden, grüßen Piazza (einem
festgelegten barocken Platz) erheben sich der Dom,
die Kirche dei Santi Pietro e Paolo und der Palast
von 1659, der als Rathaus dient. Er ist charakterisiert
durch in die Mauer eingelassene Plastiken, Balkone
und groteske Konsolen, Brüstungen und Loggien
-ein überzeugendes Beispiel der sizilianischen
Provinzarchitektur des 17. Jhs.
Der Dom, der der Annunziata und der Santa Venera geweiht
ist, präsentiert sich mit einer überraschenden
neugotischen Fassade aus dem beginnenden 20. Th. Die
Konstruktion des Bauwerks umschließt in Wirklichkeit
das 14. und 17. Th. Das Innere besteht aus drei Schiffen,
die durch Pfeiler unterteilt sind. Die Heilige Venera,
die Schutzpatronin der Stadt, ist in einer silbernen
Statue von Mario d' Angelo (1651) dargestellt, die
in der dazu bestimmten ansehnlichen Kapelle steht.
Das Mittelgewölbe wurde 1905 von Giuseppe Sciuti
mit Fresken ausgemalt, einem einheimischen Maler des
nahen Zafferana Etnea. Aber es gibt auch ältere
Fresken von Pietro Paolo Vasta (1736-67) und andere
erlesene sakrale Einrichtungsgegenstände: die
silberne Trage der Heiligen Venera, Weihwasserbecken
etc., die die Verehrung der Gläubigen für
das Gotteshaus im Lauf der Jahrhunderte ausdrücken.
In der Via Marchese di San Giuliano hat die Bibliothek
und Pinakothek Zelantea ihren Sitz. An die Bibliothek,
die 160.000 Bände besitzt, von denen viele selten
und wertvoll sind, ist das Städtische Historische
Archiv angeschlossen. Die Pinakothek hingegen ist
mit dem Archäologischen Museum und dem Risorgimento-Museum
zusammengelegt, allerdings in separaten Sälen.
In dieser Stadt gibt es natürlich noch andere
Kunstwerke (wie z.B. das neoklassizistische Innere
der Kirche dei Filippini), wobei wir es den Besuchern,
deren Neugier sie von anderen unterscheidet, überlassen,
diese zu entdecken. (Im Übrigen ist ein Reiseführer,
auch der Ausführlichste kann es nicht sein, kein
Inventar, viel öfter bietet er eine denkbare
Auswahl an).
Acireale ist auch die Stadt der Thermen, die nach
der Heiligen Venera benannt sind, und des Karnevals,
eines der schönsten Feste Siziliens. Auch ist
die Stadt ein Meisterzentrum des Puppenspiels gewesen,
das noch weiterlebt, zumindest für die letzten
Passionierten und die Touristen.