AgrigentoSehenswertes.
Oben auf der Rupe Atenea wurde bereits bei der Gründung
der Stadt den zwei aus Rhodos stammenden Schutzgottheiten
Zeus Atabirios und Athena Polias ein Heiligtum geweiht.
Polybios berichtet noch von diesem Heiligtum, aber
es ist nichts von ihm übrig geblieben.
An der Ostflanke des Felsens befinden sich heute mehrere
sehenswerte Bauten: der Demeter-Tempel (das, was von
dem Tempel übrig geblieben ist, wurde in die
mittelalterliche San Biagio-Kirche eingebaut); das
Felsheiligtum der Demeter und der Persephone, in dem
der Kult des Wassers praktiziert wurde, das zwei natürlichen
Grotten entsprang; das Tor I der alten Befestigungsanlagen.
Etwas davon entfernt befindet sich das zangenförmige
Bollwerk, das aus zwei im rechten Winkel aufeinandertreffenden
Mauem besteht, die keilförmig ineinandergreifen.
In Richtung Süden kommt man zu einer Senke, wo
sich das Tor II, das sogenannte Gela-Tor befindet,
durch das eine durch das Akragas-Tal verlaufende Straße
in die Stadt führte. Horizontal unter der Senke
wurden kleine "Bothroi" (Gebetsgraben) und
eine Feuerstätte entdeckt. Dies alles sind typische
Elemente eines Felsheiligtums des chtonischen Kultes,
das sicherlich mit dem archaischen San Bagio-Felsheiligtum
in Zusammenhang stand.
Von hier aus ist die neue Straße, die zum Tempel
der Hera Lakinia führt, leicht zu erreichen.
Kurz bevor man zu ihm kommt, sieht man auf der linken
Seite eine kleine Basilika mit typisch römischen
Charakteristiken, an der zwei symmetrisch angeordnete
Gräber liegen, die eventuell eine memoria martyrum
der aus Agrigent stammenden heiligen Märtyrer
Peregrinus und Libertinus sein könnten.
Schließlich kommt man zu dem alleinstehenden,
mächtigen Tempel der Hera Lakinia, der an der
höchsten Stelle auf dieser Seite des Tempelhügels
liegt und aus der Zeit zwischen 460 und 450 v. Chr.
stammt.
Der Tempel ist als Peripteros (mit umlaufendem Säulengang)
mit Cella, sechs Säulen, auf Stylobat (Grundfläche)
mit vier Stufen angelegt. Die Cella (Hauptraum) ist
mit Pronaos (Vorhalle), Opisthodomos (Raum hinter
der Cella) und Naos (Kultbildraum) in drei Teile geteilt.
Gegenüber in Richtung Osten sind die Überreste
des Opferaltars. Er liegt außerhalb des Tempels,
wie es für den Kult der griechischen Gottheiten
vorgeschrieben ist. Westlich des Tempels gibt es ein
Tor in der Befestigungsmauer, durch das eine Straße
führt, die ebenfalls nach Gela geht.
Eine neue Straße verläuft an der gesamten
Ostseite des Tempelhügels entlang. Im ersten
Abschnitt sieht man auf den ersten 150 Metern auf
der linken Seite die Überreste der alten Befestigungsanlagen,
die durch Nischen der frühchristlichen und byzantinischen
Nekropole unterbrochen werden. Am Ende der heidnischen
Herrschaft wurde sie hier angelegt und schnell erweitert.
Kurz bevor man zum Concordia-Tempel kommt, liegt auf
der rechten Seite das Antiquarium des frühchristlichen
Agrigent. Durch die große Sorgfalt bei der Einrichtung
kommt die Problematik gut zum Ausdruck.
Endlich erreicht man den Concordia-Tempel: er ist
der am besten erhaltene dorische Tempel der griechischen
Welt. Er wurde zwischen 450 und 440 v. Chr. erbaut,
und ist wegen seiner Formen und Proportionen ein stilistisches
Meisterwerk. Der Grundriß entspricht dem des
Tempels der Hera Lakinia. Man weiß heute nicht
genau, wem er geweiht war. Seinen Namen erhielt er
von einer aus der römischen Epoche stammenden
Inschrift, die in der Nähe gefunden wurde. Es
liegt jedoch kein Beweis dafür vor, daß
diese für den Tempel bestimmt war.
Der Tempel wurde am Ende des 6. Jhs. n. Chr. erheblich
umgebaut, als der Bischof Gregorius die Kathedrale
von Agrigent hierher verlegen ließ. Daher stammen
auch die wunderschönen Bögen, die Mauern
der Cella durchbrechen.
Wenn man weiter in Richtung Westen geht, kommt man
zu der Stelle, an der Park der Villa Aurea beginnt.
Auf dem nördlichen Gebiet erstreckt sich eine
große Grabstadt, deren Gräber "sub
divo", d.h. unter freiem Himmel gelegen sind.
Sie gehören zu der frühchristlich-byzantinischen
Nekropole.
Die Katakomben sind unter dem Namen Fragapane-Grotten
und Giambertoni-Nekropole bekannt. Letztere ist ein
Zipfel der römischen Nekropole, die bei jüngsten
Ausgrabungsarbeiten auf der Südseite des Tempelhügels,
der sogenannten San Gregorio-Ebene, entdeckt wurde.
Wenn man an der Villa Aurea vorbeigegangen ist, kommt
man zum Herkules oder Herakles Tempel, der etwa 510
v. Chr. erbaut wurde und somit der älteste Tempel
von Agrigent ist. Von ihm sind die im Jahre 1924 wieder
aufgebauten acht Säulen der Südseite erhalten.
Er war ein sechssäuliger Peripteros, hatte aber
- und dies ist ein Beweis für sein Entstehungsjahr
- auf den Längsseiten fünfzehn Säulen.
Die Ruinen der Cella zeigen klar und deutlich, daß
er bei einem Erdbeben zerstört worden ist. An
der Ostseite befinden sich die Überreste des
Altars. Der IV. Verres-Rede von Cicero können
wir eindeutig entnehmen, daß der Tempel Herakles
geweiht war.
Ein bißchen weiter vorne biegt die neue Nationalstraße
nach links ab und führt durch das Tor IV in Richtung
Emporium und San Gregorio-Ebene vom Tempelgebiet weg.
Die Byzantiner nannten dieses Tor "Aurea",
weil es besonders wichtig war.
Auf der linken Seite befindet sich ein Grabmal, das
fälschlicherweise als das Grab des Theron bezeichnet
wird. Es besteht aus zwei übereinanderliegenden
Teilen, einem fast kubischen Podium mit quadratischem
Grundriß und einer Art Tempel mit nachgemachten
Toren dorischer Struktur und ionischen Ecksäulen.
Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit hatte das Gebäude
noch eine dritte Etage in Form einer Kuppel.
Am Ende der Ebene liegt auf der rechten Seite des
San Biagio-Flusses der Tempel des Asklepios oder Askulap.
Bei den Überresten des Tempels befindet sich
auch ein scheinbar dorisches Gebäude, das aus
Pronaos und Cella sowie einem falschen Opisthodomos
besteht, aus dessen Ostseite zwei Halbsäulen
mit dorischen Kannelüren (Rillen) hervorragen,
die zwischen zwei starken Ecksäulen angebracht
sind, die das Aussehen und die Funktion einer Ante
(pfeilerartig ausgebildete Stirn einer Mauer) hatten.
Das Gebäude stammt etwa aus der zweiten Hälfte
des 5. Jhs. n. Chr.
Der Herkulestempel grenzt im Norden an einen modernen
Parkplatz, der sich teilweise auf dem Gebiet der antiken
Agorà, d.h. des Forums befindet. An diese grenzen
sowohl der große, für das Opfer von hundert
Stieren vorgesehene Opferplatz (Hekatombe), als auch
der Tempel des Olympischen Zeus, eines der größten
Bauwerke der griechischen Architektur. Seine Grundfläche
beträgt 112,60 x 56,30 m. Die Bewohner Akragas
schenkten diesen Tempel dem Göttervater, nachdem
sie in Himera im Jahre 480 v. Chr. den großen
Sieg über die Karthager errungen hatten. Seine
Formen sind einzigartig.
Er ist ein Pseudoperipteros, der anstatt von einem
normalen Peristyl (Säulenhalle) von einer völlig
geschlossenen Außenwand umgeben wurde, aus der
Halbsäulen emporragen (7 x 14). Zwischen diesen
stehen überlebensgroße Atlanten (7 ,65
m), die sogenannten Telamonen (Träger), die in
der Mitte von fentsterähnlichen Nischen standen
und, 38 an der Zahl, das schwere Gewicht des Gebälks
zu tragen vermochten. Dieser Tempel wurde bei dem
Erdbeben zerstört, dem auch der Herakles-Tempel
und mit t großer Wahrscheinlichkeit die Tempel
von Selinunt zum Opfer fielen. Heute sind lediglich
ein Haufen Trümmer übriggeblieben, nachdem
in der Mitte des 18. Jhs. die Bauarbeiten an den Molen
des in der Nähe gelegenen Porto Empedocle durchgeführt
wurden. In der Mitte der ehemaligen Cella ist die
Nachahmung eines Telamons aufgestellt, das Original
befindet sich im Museum.
Ein Decumanus (von Ost nach West) verläuft in
Richtung Süden zu dem erst vor kurzem ausgegrabenem
Tor V der Befestigungswallanlage. Er grenzt auch den
Tempel des Zeus von dem heiligen Bezirk der chtonischen
Gottheiten ab, der wohl von den Tempeln Agrigents
am bekanntesten ist. Die chtonischen oder Erdgöttinnen
sind Demeter und Persephone. Von ihren Heiligtümern
sind eine malerische Gruppe von vier Säulen und
Teile des auf ihnen liegenden Gebälks übrig.
Sie wurden in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts
wieder aufgebaut, als der den Erdgöttinnen geweihte
Tempel fälschlich als Kastor und Pollux-Tempel
oder Dioskuren-Tempel bezeichnet wurde. Die ersten
Tempelgrundrisse stammen aus der ersten Hälfte
des 6. Jhs. v. Chr.
Zu der gesamten Anlage gehören zahlreiche Altäre
und Feuerstätten, Kultstätten unterschiedlicher
Form und Größe, Grundmauern unvollendeter
Tempel und Gebetsgräben, aus denen eine große
Anzahl von vornehmlich aus Terracotta gefertigten
Opfergaben stammt. In der Mitte des 5. Jhs. gab es
hier sicherlich zwei nebeneinander liegende Tempel,
die wie in einem ähnlichen Heiligtum von Syrakus
den beiden Fruchtbarkeitsgöttinnen Demeter und
Persephone geweiht waren. Wahrscheinlich stammt der
dritte Tempel aus hellenistischer Zeit, dessen Überreste
sich im Sildteil des heiligen Bezirks befinden. Es
handelt sich hierbei um den sogenannten Tempel L.
Ein breiter und tiefer Einschnitt, an dessen Ende
wahrscheinlich das uns von Diodor beschriebene Schwimmbad,
die sogenannte Colymbetra gelegen war, teilt den Tempelhügel
von einem anderen, ihr gegenüberliegenden Felsen
ab. Der Zugang zu ihr ist ziemlich schwierig.
Man kann hier die Überreste, d.h. zwei Säulen
und den Grundriß, des Tempels des Vulcanus besichtigen.
Es handelt sich hierbei wiederum um einen dorischen
Tempel kanonischer Form, einen sechssäuligen
Peripteros, an dessen Längsseiten sich 13 Säulen
befinden. Er wurde im letzten Drittel des 5. Jhs .v.
Chr . an einer Stelle erbaut, wo sich zuvor ein archaisches
Heiligtum befunden hatte, von dem interessante Elemente
der polychromen Deckenverzierung stammen, die heute
im Archäologischen Museum ausgestellt sind.
Wenn man den Tempelhügel (Weltkulturerbe Unesco
2001) verläßt, kommt man auf der Nationalstraße
direkt in die Moderne Stadt. Etwa ein halb Kilometer
von hier entfernt, erreicht man nach einer Reihe von
Kurven ein rechter Hand liegendes Tor, durch das man
zu der hellenistisch-römischen Wohnstadt gelangt.
Das Ausgrabungsgebiet trägt diesen Namen, weil
die hier gefundenen Bauten erwiesenermaßen auf
bereits vor ihnen im 3. Jh. v. Chr. existierenden
Gebäuden entstanden sind. Und eben in diesem
Gebiet bekam man im Jahre 1960 zum ersten Mal eine
Vorstellung davon, wie die Struktur eines antiken
Wohngebietes angelegt war.
Das Gebiet ist in vier parallel angeordnete Teile
gegliedert, die im Norden an den Decumanus grenzen,
der sich wahrscheinlich auf diesem Teil der heutigen
Staatsstraße befunden hat. In den Stadtteilen
sind etwa zwanzig Behausungen unterschiedlicher Herkunft
(hellenistisch, italisch, gemischt) und einige Werkstätten.
Besonders vielfältig sind die Fußbodenmosaike.
Tier, Blumen und geometrische Motive wurden hier zu
verschiedenen Zeiten von fähigen Künstlern
und Kunsthandwerkern in Form von Mosaiken dargestellt.
Bemerkenswert ist auch die große Anzahl der
Brunnen, Zisternen, Abflüsse und Abwasserkanäle,
die ebenfalls erkennen lassen, welche eine hohe Stufe
die Zivilisation der antiken Stadt bereits erreicht
hatte.
Wenn man wieder zur Straße zurückkehrt,
kommt man auf der linken Seite über einen Treppenaufstieg
zur San Nicola-Kirche. Von hier aus hat man eine herrliche
Aussicht über den Tempelhügel. Die Kirche,
deren Ursprünge bis in die normannische Epoche
zurückverfolgt werden können, stammt in
ihrer heutigen Form aus der Zeit der Zisterzienser,
die sie im 13. Jh. im romanisch- gotische Stil errichteten,
wobei sie von den klassischen Bauten stammende Materialien
verwendeten, was der Kirche ein ganz besonderes Aussehen
verleiht. Das Innere besteht aus einem Kirchenschiff,
das ebenso wie die Außenmauern an drei Seiten
von einem Gesims umgeben ist. In der Kirche befindet
sich der berühmte Phädra-Sarkophag, ein
meisterhaftes Werk der antiken Bildhauerkunst, auf
dessen vier Seiten der Mythos des Hippolytos dargestellt
ist (römisches Werk aus dem 2.-3. Jh.n.Chr.)
sowie der Herr des Schiffes, ein Kruzifix, das Thema
einer Novelle und eines Schauspiels von Pirandello
ist.
Auf dem hinter der Kirche liegenden Grund wurde am
Anfang der hellenistischen Zeit ein sogenanntes Ekklesiasterion
in den Felsen gehauen, dessen Form an ein griechisches
Theater erinnert. Das Ekklesiasterion entspricht dem
Comitium, in dem die Volksversammlungen abgehalten
wurden. Einige Jahrhunderte später wurde es nicht
mehr benutzt und westlich von ihm erbaute man einen
kleinen, eleganten Tempel, der aus einer einfachen,
auf einem Hochpodest gelegenen Prostyl-Cella bestand.
Das Bauwerk wird Oratorium des Phalaris genannt.
Empfehlenswert ist es, sich an diesem Punkte der Besichtigung
das Regionale Archäologie-Museum anzuschauen,
das gut in das Stadtbild Agrigents eingegliedert wurde
und sich seit seiner Entstehung im Jahre 1967 an dieser
Stelle befindet. Es ist das wichtigste und größte
archäologische Museum von Mittel - und Südsizilien,
d.h. also von jenem Teil der Insel, dessen Hauptstadt
und Bezugspunkt lange Zeit Agrigent war. Die wissenschaftliche
Klassifizierung und Anordnung der Ausstellungstücke
wurde mit großer Sorgfalt durchgeführt.
Insgesamt gibt es 19 Säle. Saal 1: Dokumentation
über die archäologischen Untersuchungen
des antiken Akragas. Saal 2: Vor und frühgeschichtliche
Funde aus der prähellenistischen Zeit. Saal 3:
Griechische Vasen, die chronologisch vom 6. bis 4.
Jr. v. Chr. aufgestellt sind und aus den verschiedenen
Nekropolen der Stadt stammen sowie die Skulptur eines
Kriegers. Saal 4: Fragmente von verschiedenen Tempeln.
Saal 5: zahlreiche Opfergaben von verschiedenen Heiligtümern
und verschiedenen Epochen aus dem Gebiet von Agrigent.
Saal 6: Rekonstruktionsvorschläge verschiedener
Forscher für den Tempel des Olympischen Zeus
sowie der aus dem Tempel stammende, aufgerichtete
Telamon. Saal 7: Grabungspläne und Funde aus
der hellenistisch-römischen Stadt. Saal 8: Fragmente
mit verschiedenen Inschriften. Saal 9: Griechische,
römische und normannische Münzsammlung.
Saal 10: Griechisch-römische Skulpturen, von
denen der berühmte Ephebe von Agrigent besonders
sehenswert ist. Saal 11: Funde aus den verschiedenen
Nekropolen. Säle 12 und 13: Funde aus der Frühgeschichte
Agrigents vor der griechischen Stadtgründung.
Saal 14: Schöne Funde aus Heraklea Minoa und
anderen Stätten der Provinz Agrigent. Saal 15:
Dokumentation über die antike Stadt Gela. Säle
16 und 17: verschiedene Funde aus dem Gebiet von Caltanissetta.
Saal 18: verschiedene Kleinfunde. Saa119: noch nicht
eingeordnete Funde.
Und nun kommen wir in die moderne Stadt oder besser
gesagt in einen Teil von ihr und zwar auf den Girgenti
Hügel, auf dem sich während des Niedergangs
des antiken Akragas anfänglich nur arabisch-normannische
Kirchen befanden, wo sich dann aber während des
Mittelalters bis ins 19. Jh. das alte Girgenti ausdehnte.
Durch die Porta di Ponte kommt man in die Stadt. An
ihr beginnt die verschlungene, typische Via Atenea,
die Altstadt Girgenti von Osten nach Westen durchquert.
Direkt an ihr oder ganz in ihrer Nähe liegen
verschiedene, künstlerisch wertvolle Kirchen
aus dem 17. und 18. Jh.: die San Pietro-Kirche mit
Fresken des aus Messina stammenden Giuseppe Crestadoro,
auf denen Szenen aus dem Leben des Apostels dargestellt
sind; die San Francesco-Kirche oder Basilika der Immacolata
mit Fresken von Domenico Provenzano, die bei den Bombenangriffen
im Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört wurden;
von dem der Kirche angeschlossenen Kloster sind nur
das wunderschöne Gebäude der Sant'Antonio-Kapelle
und einer anderen im Stil Chiaromontes errichteten
Kapelle übrig, die zu seiner frühen Phase
im 14. und 15. Jh. Gehören.
Auf der Piazza Purgatorio (Fegefeuerplatz) liegt die
gleichnamige Kirche, die aber auch San Lorenzo-Kirche
genannt wird; in ihr sind schöne Stuckarbeiten
aus der Schule Serpottas und eine Gottesmutter mit
Kind von Frater Felice da Sambuca; weiterhin die ebenfalls
mit schönen, aus dem 18. Jh. stammenden Stuckarbeiten
verzierte Santa Rosalia-Kirche.
Auf der anderen Seite des Platzes ist der Eingang
zum Hypogäum des Purgatorium (Ipogeo del Purgatorio),
das aus dem 5. Jh. v. Chr. (der Zeit Therons) stammt
und eine bemerkenswerte Anordnung von unterirdischen
Gängen in sich birgt; man schreibt es dem Architekten
Phaiax zu, der laut historischer Quellen ein äußerst
kompliziertes System von als Filter funktionierenden
Grotten und Röhren entworfen haben soll, durch
das die Wasserversorgung der antiken Stadt gewährleistet
wurde; weiter vorne die San Giuseppe-Kirche und die
Überreste des ehemaligen Hauses der Philippiner-Priester;
schließlich der unregelmäßig geformte,
heutige Rathausplatz (Piazza del Municipio) auf dessen
rechter Seite die wunderschöne Barockfassade
der San Domenico-Kirche mit dem dazugehörigen
Kloster liegt, das heute Sitz des Stadthauses mit
dem aus dem 19. Jh. stammenden Luigi Pirandello Theater
ist; auf der rechten Seite das ehemalige Stadt-Museum.
In dem höher gelegenen Teil der Stadt befinden
sich weitere Bauten, die man auf verschiedenen Wegen
durch die verschlungenen Gäßchen erreichen
kann und die man unbedingt gesehen haben sollte.
Die Kathedrale: Sie wurde im 11. Jh. von dem normannischen
Bischof Gerlandus gegründet und ist ihm auch
geweiht. Verschiedene Erweiterungen und Änderungen
wurden im 13./14. Jh. und im 16./17. Jh. vorgenommen.
Besonders interessant ist der Kampanile aus dem 15.
Jh. mit schönen, geschlossenen Monophoren, die
herrlich dekoriert sind und einem großen Fenster
mit zweifarbigen Verzierungen im arabisch-normannischen
Stil sowie einem typisch barocken Balkon.
Das Innere hat den Grundriß einer Basilika in
Form eines lateinischen Kreuzes mit drei Schiffen,
auf polygonalen Pfeilern ruhenden Bögen und drei
auf der Ostseite liegenden Apsiden. Die um 1518 von
unbekannten Künstlern angefertigte Holzdecke
mit Malereien wurde gegen Ende des 17. Jhs. Gekonnt
restauriert. Im westlichen Flügel der Kirche
besteht die Decke hingegen aus Kassetten. In der Mitte
ist das den Adler darstellende Wappen von Karl II.
von Habsburg eingemeißelt.
Einzelne Seitenkapellen sind ebenfalls sehenswert
wie zum Beispiel die gotische San Gerlando Kapelle
im Chiaromonte-Stil, in der ein von dem Palermitaner
Michele Ricca im Jahre 1639 angefertigter Silberbogen
gehütet wird.
Die Santa Maria dei Greci-Kirche: Sie erhielt ihren
Namen dadurch, daß sie zu normannischer Zeit
der Dom des griechischen Klerus war. Es handelt sich
bei ihr um eine kleine Basilika mit drei Schiffen,
einem schönen bogenförmigen Eingangsportal,
und Malereien an der Decke und dem Gebälk des
Mittelschiffes. Zum Teil befindet sich die Kirche
auf den Grundmauern eines antiken dorischen Tempels,
dessen Strukturen klar erkennbar und teilweise in
die Kirche miteinbezogen sind. Vielleicht war der
von Theron im Jahre 488 v. Chr. errichtete Tempel
der Göttin Athene geweiht.
Die Santo Spirito-Kirche: Sie ist das bemerkenswerteste
mittelalterliche Bauwerk von Agrigent. Die prachtvolle
Klosteranlage des weiblichen Zisterzienserordens wurde
am Ende des 13. Jhs. von der aus Agrigent stammenden
Marchesa Prefoglio, der Gattin von Federico und der
Mutter von Manfredi Chiaromonte, gegründet. An
der Vorderseite der Kirche ist ein gotisches Portal
mit dem Überresten einer großen Rosette.
In dem aus dem 18. Jh. stammenden Inneren der Kirche
verdient die Stuckverzierung des Triumphbogens (Glorie
der Dreifaltigkeit), ein Giacomo Serpotta zugeschriebenes
Werk, besondere Beachtung. Rechts von der Kirche befinden
sich die Überreste der Klosteranlage; ein Teil
des Kreuzganges, die Kapelle, der Kapitularsaal, das
alte Refektorium und im oberen Stockwerk der große
Schlafsaal. Sehr gefällig sind die Einzelheiten
der verschiedenen, in der gesamten Anlage vorhandenen
Verzierungen.
In dem Kloster sind heute eine Pinakothek und andere
Teile des Städtischen Museums von Agrigent untergebracht.