Molise.
Wer diese reizende, kleine Region an der südlichen Adria noch nie gesehen hat, sollte dies unbedingt
nachholen, bevor ganze Touristenströme dieses
noch unberührte Land mit seiner herrlichen
Natur, den Volkstraditionen, der hervorragenden
Gastronomie (besonders zu empfehlen sind Molkereiprodukte
und andere typische Spezialitäten), dem Gemeinschaftsleben,
der einmaligen Gastfreundschaft, dem klaren Meer,
dem Kunsthandwerk (berühmt sind die Glocken
von Agnone) und dem ruhigen Lebensrhythmus der Dörfer
des Hinterlands entdecken. Es ist eine wahre Freude,
die Region Molise zu besuchen, angefangen mit der
Hauptstadt Campobasso, ihren verwickelten alten
Straßen und der Burg Monforte aus dem 15.
Jahrhundert. In Termoli, wichtigste Stadt der Provinz Campobasso, erhellen die mittelländischen Sonnenstrahlen
die alten, unter FriedrichII. errichteten Mauern
und die sich zum Meer hin vorbeugende Burg aus dem
16. Jahrhundert. Überall in der Region Molise scheint die Natur über die Geschichte zu wachen.
Wie in der Ebene von Sepino, wo das archäologische
Areal von der alten römischen Kolonisierung
zeugt, und in der Nähe von Pietrabbondante,
wo eine andere interessante Ausgrabungsstätte
an die Sanniten, altes italisches Volk, das gegen
das mächtige Rom zu kämpfen wagte, erinnert.
In der Provinz Isernia (zweitgrößte Stadt
der Region; sehenswert sind die Kathedrale und ein
Brunnen aus dem 14. Jahrhundert) erhebt sich einsam
und majestätisch das alte Kloster S.Vincenzo
al Volturno. Es lohnt sich also wirklich, diese
Region zu besuchen, bevor dies zur Mode wird.
Lage. Molise ist eine mittelitalienische Region an der Adria mit
einer Fläche vom 4438 km² und 332.000 Einwohnern.
Hauptstadt ist Campobasso. Die Region besteht aus den Provinzen
Campobasso und Isernia. Sie teilt die Geschichte der Nachbarregionen
Abruzzen und Apulien.
Anfahrt.
Die Region Molise ist über moderne Autobahnen von Bologna
über Ancona und Pescara bequem erreichbar. Gleiches
gilt für Bahnreisende. Wer das Flugzeug bevorzugt,
kann mit Ryanair im unweiten Pescara landen.
Herrlich lange Sandstrände laden in den Sommermonaten
Urlauber, die Erholung am Meer suchen, ein. Von Marina di
Montenero im Norden bis Marina di Chieuti unweit der Grenze
zu der Nachbarregion Apulien, bietet Molise mit rund 50
Kilometern abwechslungsreicher Küste zahlreiche Bademöglichkeiten
entlang der Adria.
Wanderer können die Region auf traditionsreichen Wegen
erkunden, die über viele Jahrhunderte von Hirten genutzt
wurden, wenn sie mit ihren Herden über Land zogen.
Zahlreiche Volksfeste, die in Molise eine lange Tradition
haben, wie der Karrenfestzug von Larino, runden die Urlaubstage
in dieser gastfreundlichen Region ab.
Für Kunstfreunde bietet Molise viel Sehenswertes.
Klosteranlagen, Wallfahrtskirchen, Sakralbauten aus romanischer
und gotischer Zeit, Burgen und Schlösser überraschen
den Reisenden mit interessanten Kunstdenkmälern.
In luftiger Höhe von rund eintausend Metern auf dem
Hochplateau von Pietrabbondante liegt eine antike Tempel-
und Theateranlage, die auf Grund ihrer Lage als einmalig
auf der Apenninenhalbinsel gilt.
Es ist eine kleine "antike Welt" inmitten von
Meer, Geschichte, Natur und Tradition. Eine Region, die
man auf täglichen Entdeckungsreisen kennen lernt,
die man nicht bereut. Wer auf der Suche nach sauberem
und türkisblauem Meer ist, findet dieses an den Inseln
von Tremiti oder Diomede (San Nicola, Capraia und San
Domino); leichter zu erreichen sind die Strände von
Termoli und Campomarino. Begeisterte Wintersportler können
sich auf den Pisten von Campitello Matese austoben, eines
der wichtigsten Skigebiete in Mittel- und Süditalien
(das auch für Wanderungen im Frühling zu empfehlen
ist). Tierliebhaber haben die Qual der Wahl zwischen dem
Naturreservat Montedimezzo, in dem Wölfe und Wildkatzen
leben, und dem Reservat von Collemeluccio mit seinen Eichhörnchen
und Steinmardern sowie dem Naturpark von Pesche, wo man
auf Wiesel, Iltisse und Siebenschläfer treffen kann.
Der Kreis schließt sich mit der Oasi Lipu di Casacalenda,
einem geschützten Lebensraum für Dachse und
Brillensalamander. Aber damit noch nicht genug. Wer die
zauberhafte Vorweihnachtszeit mag, kommt in dieser Region
auf seine Kosten: Entweder im Museo della Zampogna in
Scapoli (Isernia), das schöne Exemplare der Sackpfeife
aus verschiedenen Epochen und Ländern (Spanien, Schottland
und der Schweiz) ausstellt, deren Klänge vor allem
zur Weihnachtszeit ertönen, oder im Krippenmuseum
von Campobasso, wo über 400 Krippen bewundert werden
können, die traditionell seit dem siebten Jahrhundert
in Neapel hergestellt werden. Für alle Liebhaber
der Geschichte ist Venafro bestens geeignet, denn hier
kann man neben den zahlreichen Ausgrabungen aus römischer
und vorrömischer Zeit auch den Text des Edikts des
Augustus auf dem Aquädukt besichtigen.
Maccheroni alla Chitarra oder Käsekugeln (aus Eiern,
Semmelbrösel, geschälten Tomaten und mittelaltem
Käse aus Kuh- oder Schafsmilch). Es wird jedem Feinschmecker
schwer fallen, das beste Gericht der Region zu wählen.
Viele Köstlichkeiten decken den Tisch in Molise:
Milcheis aus Boiano und Polenta, Turcinelli Arrostiti
(Häppchen aus Lamminnereien), Pasta mit Bohnen und
der so genannte Stracciata (Streichkäse). Außerdem
zu erwähnen ist der Caciocavallo-Käse aus Agnone
und verschiedene Wurstsorten aus Schweinefleisch: geräucherte
Salami, Leberwürstchen und getrocknete Wurst aus
Rionero Sannitico, scharfe Salami aus Monetenero di Bisaccia
und Pampanella (geräucherter Speck mit Peperoni).
Das native Olivenöl, die Pasta aus Hartweizen und
Trüffel aus Isernia, sowie die Weine Biferno und
Pentro aus dieser Region sind besonders zu empfehlen.
Den Süßspeisen gehört ein Kapitel für
sich, den zahlreichen Kuchen und Capeggiati aus Trauben-Mostarda
(typische Marmelade der Region), die man nur mit dem Löffel
oder Keksen zum Dessert essen kann. Cauciuni (mit Kichererbsen
gefüllte Kuchen), Ostie Farcite (mit Nüssen
und Mandeln gefülltes Gebäck), Peccellate (gefüllt
mit Weingelee oder Marmelade) und Cippillati (überbackene,
mit Sauerkirschen gefüllte Ravioli) sind der krönende,
süße Abschluss eines guten Essens.