Ferienregion
Pesaro.
Die reizvolle Hauptstadt der gleichnamigen marchigianischen
Provinz ist alles in einem: ein attraktiver Badeort,
ein lebhafter Fischereihafen und ein bedeutendes Produktionszentrum.
Die eleganten breiten Straßen haben so manches
fürs Auge zu bieten, und nach einem Badetag an
einem der nie überfüllten Strände gibt
es nichts Besseres als eine Fischsuppe am Meer.
Im Herzen der Stadt liegt die große Piazza
del Populo, der Hauptplatz von Pesaro. Nehmen Sie
einen kühlen Drink in einer der Bars an der Piazza
und gönnen Sie dabei einen Blick dem mit Seepferdchen
und Tritonen verzierten Springbrunnen in der Mitte
des Platzes. Lassen Sie Ihre Augen weiter wandern
zum Palazzo Ducale, der um Ihre Aufmerksamkeit wetteifert
mit dem imposanten Postgebäude.Der erst kürzlich
restaurierte Renaissancepalast mit den klaren Linien
wurde im 15. Jahrhundert von der damals herrschenden
Familie Sforza erbaut. Jetzt befinden sich darin die
Büros der lokalen Regierung und ein für
die Öffentlichkeit zugänglicher Ausstellungstrakt.
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit für den beeindruckenden
Innenhof.
Wenn Sie von der Piazza aus die via Rossini entlang
Richtung Meer gehen, bemerken Sie rechts ein eher
bescheidenes Gebäude, in dem 1792 der Komponist
Gioachino Rossini geboren wurde. Jetzt ist es so etwas
wie eine Rossini-Gedenkstätte.Das jährlich
im August stattfindende Rossini Opernfestival hat
mit Inszenierungen aus dem großen Repertoire
seiner bel canto Opern weltweit Beachtung gefunden.
Früher war Pesaro berühmt für seine
Keramikwerkstätten, in denen das leuchtend bunt
bemalte Tongeschirr, bekannt als Majolika, hergestellt
wurde.
Gleich neben der via Rossini an der Piazza Toschi
Mosca sind die Musei Civici (Stadtmuseum), wo Sie
durch eine der schönsten Keramiksammlungen aus
Renaissance und Barock stöbern können. Es
ist verblüffend, wie frei, fast modern hier oft
mit Farbe und Form umgegangen wurde.
Wenn der Anblick von Geschirr Sie kalt läßt,
so sicherlich nicht der eines Meisterwerkes von Giovanni
Bellini „Die Krönung der Jungfrau Maria",
ausgestellt in der angrenzenden Pinakothek. Dieses
großformatige Bild, zu dem noch einige kleinere
gehören, wurde ursprünglich als Altarbild
geschaffen. Es besticht durch seine sonnendurchtränkten
Farben und die plastischen Figuren.Die Galerie beherbergt
außerdem eine große Sammlung interessanter,
wenngleich nicht so bedeutender Renaissancegemälde.
Die Burg im Hintergrund des Gemäldes von Bellini
ist der Sitz der Familie Sforza in Gradara. Costanzo
Sforza, der Herrscher von Pesaro, war es auch, der
das Bild beim venezianischen Meister in Auftrag gegeben
hat.
Wenn Sie auf der Autobahn ein paar Kilometer Richtung
Norden fahren, sehen Sie Gradara links oben liegen,
ein Anblick, der sich nur wenig geändert hat
seit den Tagen, als Bellini das Bild malte.
Jahrhunderte bevor die Sforza Pesaro beherrschten,
war die Stadt schon eine blühende römische
Kolonie, wahrscheinlich auf den Überresten einer
noch älteren Siedlung im Jahre 184 v. Chr. gegründet.
Fundstücke aus dem ehemaligen römischen
Pisaurum befinden sich im Museo Archeologico Oliveriano
in der via Mazza westlich von der großen Piazza.
Immer weiter die via Rossini hinunter, und Sie gelangen
schließlich zur Strandpromenade und damit zu
einem der prächtigsten Gebäude der Stadt,
der Villino Ruggeri. Dieser wie Zuckerwerk verstuckte
Palazzo ist eines der schönsten Beispiele des
italienischen Jugendstil, der die Adriaküste
um die Wende des 20. Jahrhunderts überschwemmte.
Wie so oft in Italien sieht man am 3 km langen Sandstrand
so weit das Auge reicht Sonnenschirme und Liegestühle
in wohlgeordneten Reihen. Überfüllt sind
die Strände jedoch fast nie. Wenn Sie eine ruhigere
Bademöglichkeit suchen mit grünen Hügeln
im Hintergrund, dann gehen Sie zur Baia Flaminia gleich
nördlich vom Zentrum. Außer den Strandabschnitten,
an denen Sie bezahlen müssen für die Benutzung
der Strandeinrichtungen, gibt es auch freie Stellen,
die öffentlich zugänglich sind. Auch südlich
von Pesaro, entlang der SS16 Richtung Fano, sind frei
zugängliche und nicht überfüllte Strandabschnitte.
Ferienregion
Urbino.
Für den Reisenden in den Marken, der auf der
Suche ist nach großer italienischer Kunst und
Architektur, ist und bleibt Urbino eine der wichtigsten
Städte, und die reizvollen Straßen und
Gassen der Stadt belohnen auch den entdeckungsfreudigen
Touristen.
In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts war der
windige Hügel, auf dem die Stadt liegt, Schauplatz
einer der glanzvollsten Höfe Europas. Herzog
Federico da Montefeltro scharte die bedeutendsten
Maler, Dichter und Gelehrten seiner Zeit um sich und
beherbergte sie in einem der schönsten Renaissancepaläste
Italiens, ein Palast, der noch heute ein beredtes
Denkmal ist für diesen Inbegriff eines Renaissancemenschen.
Den schönsten ersten Blick auf die Stadt hat
man, wenn man von Arezzo kommt. Dann werden Sie begrüßt
von den märchenhaft schönen Zwillingstürmen
des Palastes, die Urbinos unverwechselbare Silhouette
bestimmen. Schon jetzt können Sie erkennen, daß
der Palast von einem friedfertigen, in sich ruhenden
Herrscher gebaut wurde, der es nicht nötig hatte,
einzuschüchtern oder zu prahlen.
Lebhaftes Zentrum der Stadt ist die dreieckige Piazza
della Repubblica, die in einer kleinen Senke zwischen
zwei Buckeln eines Hügels liegt. Folgen Sie von
hier aus den Schildern, die zum höher gelegenen
Palazzo Ducale führen. Im Sommer ist er Di -
Sa von 9°°-19°°, am Mo von 9°°-14°°
und am So sogar von 9°°-22°° geöffnet.
Wenn Sie vor dem Eingang stehen, sind Sie vielleicht
etwas enttäuscht - zur Stadt hin präsentiert
sich der Palast ziemlich durchschnittlich. Wenn Sie
dann aber hineingehen, befinden Sie sich in einem
der liebenswertesten und aufregendsten Paläste
Italiens.
Der Innenhof setzt schon die Maßstäbe.
Er ist ein Meisterwerk der Proportion und Lichtführung,
alle Arbeiten sind ausgeführt von den geschicktesten
Händen., um so bewundernswerter, als er der erste
seiner Art ist; die anderen, die man sonst noch in
Italien findet, sind bloße Kopien.
Nicht ein einziger Raum des gesamten Palastes ist
konzipiert, um durch Größe einschüchternd
zu wirken, sondern alles wurde gebaut für die
darin lebenden Menschen und ihre Bedürfnisse
und ausgestattet mit einer Schlichtheit, die aus gern
gelebtem Leben resultiert.
Heute ist dort die Galleria Nazionale delle Marche
untergebracht, eine bemerkenswerte Gemäldesammlung,
darunter eines der schönsten und rätselhaftesten
Bilder der Welt, Die Geißelung von Piero della
Francesca.
Es gibt noch viele andere großartige Bilder
zu sehen, z. B. Pieros Madonna di Senigallia, fast
schon ein Interieur von Vermeer, Raffaellos La Muta,
Die Stumme, das Portrait einer unbekannten Adligen,
die so schaut, als ob sie sehr wohl sprechen könnte,
wenn sie wollte, und eine sehr berühmte Darstellung
der idealen Stadt, von einem unbekannten Künstler
gemalt (vielleicht sogar von Piero della Francesca),
ein Bild, das oft von Art-Designern in Büchern
über die Renaissance herangezogen wird.
Der ungewöhnlichste Raum des ganzen Palastes
ist das Studiolo des Herzogs. Sein winziges Arbeitszimmer
ist gänzlich mit kunstvolll ausgeführten
Trompe l'oil Intarsienarbeiten ausgekleidet, einige
davon nach Motiven von Botticelli.
Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie komplex
die Organisationsstruktur des Palasthaushalts war,
sollten Sie sich das ausgedehnte Labyrinth von Vorratsräumen,Küchen,
Wäschereien, Ställen und sogar Kühlanlagen
in den sotterranei oder Kellergeschoß anschauen.
Hinter dem großartigen Entwurf dieses Renaissancesitzes
ohne jegliche Befestigungsanlage stehrt nicht das
Genie eines einzigen Architekten, obwohl vieles auf
Luciano Laurana und Francesco di Giorgio Martini zurückgeht.
Das Ganze muß man wohl eher als Summe von Herzog
Federicos aufgeklärt fortschrittlicher Schirmherrschaft
verstehen.
Vom ganz frühen römischen Urbinum Metaurense
sind nur wenige Spuren geblieben; einige davon sind
zu sehen in der umfangreichen Sammlung alter Steininschriften
im Archäologischen Museum im Erdgeschoß
des Herzogspalastes.
Nahezu ganz Urbino, zumindest innerhalb der Stadtmauern,
geht zurück auf das 15. und 16. Jahrhundert.
Der Geist von Federico würde sich auch heute
nicht verirren im Gewirr der rosafarbenen Ziegelgassen.
Giovanni Santi war Hofmaler in Urbino, dessen Schicksal
es wahrscheinlich gewesen wäre, in der Rumpelkammer
der Kunstgeschichte zu landen,wenn er nicht der Vater
des göttlichen Raffaello gewesen wäre. Wohl
zweifellos hat Raffaellos Kindheit am Hof dazu beigetragen,
sein Genie zu entwickeln.Sein Geburtshaus ist jetzt
ein hübsches kleines Museum; das schlichte Fresko
der Madonna mit Kind in einem der Räume könnte
eine seiner frühesten Arbeiten gewesen sein.
Sie finden es in der Via Raffaello, die von der Piazza
della Repubblica nach oben führt. Nehmen Sie
den steilen Weg bis ganz nach oben auf sich bis zum
schönen Denkmal von Raffaello, von wo aus Sie
weite Blicke ins Land genießen können.
Wenn Sie jetzt noch nicht mit Kunst übersättigt
sind, machen Sie sich auf zum Oratorio di San Giovanni
Battista in der via Barocci. Sie finden eine kleine