Mit seiner Höhe von 23,20 m überragt dieser massige Turm aus Serizzo- und Granitquadern von seinem Gipfel aus die Ebene des Sees von Orta, das Land und die tiefen Kerben, die der Steinbruch in den Fels gegraben hat. Eigentlich handelt es sich nicht nur um einen Turm, sondern um eine ganze Burg, denn er ist von zwei Mauern umgeben und war Teil einer größeren Festungsanlage, die durch Dokumente schon zu Beginn des 13. Jh. belegt ist.
Über die Ursprünge sind sich die Gelehrten noch nicht einig: als Erbauer der ersten Anlage kommen entweder die Römer, die Langobarden oder die Bischöfe von Novara in Frage. Es kann aber auch sein, dass sie von Lokalherren errichtet wurden, die dem Bischof als Lehnsleute verbunden waren, wie die Da Castello aus Crusinallo.
Als gesichert gilt, dass die Burg in den Besitz der Bischöfe gelangte und der Festung auf der Insel San Giulio unterstellt wurde. Zusammen mit anderen Türmen in der Gegend von Cusio war sie eine Art Brückenkopf für ein dichtes Netz von Befestigungen, die das unabhängige Gebiet am Orta-Ufer schützten.
Die Torre di Buccione hatte eine Glocke, mit der die Bevölkerung bei Gefahr gewarnt wurde: ein Exemplar aus dem 17. Jh. kann heute im Garten des Rathauses von Orta bewundert werden. Innen war der Turm durch Zwischendecken in vier Stockwerke eingeteilt, die mit Leitern verbunden waren.
Die Decke des obersten Stockwerks hat ein Kreuzgewölbe, über dem die Aussichtsplattform liegt. Über den Zinnen wurde später ein Walmdach angelegt. Das untere Stockwerk des Turms mit dem Eingang aus dem 19. Jh. (der frühere Eingang liegt heute in einer Höhe von 7 m) wurde als Lager für Lebensmittelvorräte genutzt, die man bei einer Belagerung brauchte.
Im zweiten und dritten Stock war die Garnison untergebracht, hier lagen auch zwei Latrinen, deren Abflüsse in den Hof gingen. Und im vierten Stockwerk lag der Raum, von dem aus man Steine auf die Angreifer warf. Schließlich kann man die Reste von zwei Mauerringen, einem Wachraum und einem Vorposten besichtigen. Um die historischen und ökologischen Schätze der Gegend zu bewahren, hat die Region Piemont im Jahr 1993 ein Besonderes Schutzgebiet eingerichtet.
San Martino von Engrevo
Die Kirche von San Martino di Engrevo, die schon im Jahre 1180 beurkundet worden war, ist eines der besten Beispiele für ländlicher, romanischer Architektur im Bezirk von Novara.
Ihre ursprüngliche Struktur ist erhalten geblieben, bis auf das Äußere, das renoviert und im 17 Jh. umgebaut wurde, als der vordere Bogengang angebaut wurde; es handelte sich um die Kapelle der Gemeinschaft von Engrevo.
Die Ortschaft Engrevo wird schon in einer Pergamenthandschrift aus dem 11. Jh. erwähnt und sie wurde im 12. Jh. von ihren Einwohnern verlassen, die nach Bolzano Novarese übersiedelten. Eine regelrechte Kostbarkeit der Kirche sind die zahlreichen Fresken, drinnen und draußen, die zwischen 1403 und 1507 entstanden sind; es handelt sich um eine Anzahl an novaresischen Malereien, und zwar Abbildungen von Christus, der Muttergottes und den volksbeliebten Heiligen, in denen die intensive geistliche Atmosphäre des Mittelalters weiter besteht.
Erwähnenswert ist das Werk Martirio della Beata Panasia, das den Tod einer von der Stiefmutter getöteten Schäferin aus der Valsesia darstellt. Die ansässige Bevölkerung hat immer eine starke Zuneigung für sie empfunden.
Auf dem Fresko sind deutliche Kratzer auf dem Gesicht der Stiefmutter, auf dem des kleinen Teufels und auf den Zeichen des Martyriums zu erkennen, weil die frommen Gläubigen in der Vergangenheit Steine auf diese Abbilder des Bösen warfen, um ihre Verachtung für den Teufel zu zeigen.
Sehenswert sind außerdem: San Martino e il povero (Heiliger Martin und der Bettler) und Compianto sul Cristo (Beweinung Christi) - beide von Tommaso Cagnola, und San Martino a Cavallo (Heiliger Martin zu Pferd) von Francesco Cagnola.