Torbole.
Torbole liegt am Hang der Nord-Westlichen Gipfel
der Baldo Kette, der in Europa sehr berühmt
dank dem Reichtum seiner Flora ist, nicht weit von
der Sarcamundung, im Halbkreis um die Bucht des
Sees, den Ledro-Alpen und der Rocchetta gegenüber.
Der Ort, schon in prähistorischer Zeit bewohnt
und wahrend des Römischen Reiches besiedelt,
bildet eine Gemeinde mit Nago und wird Burgsitz
der Grafen von Arco. 1439 wird Torbole Zeuge eines
außergehwohnlichen Krie- Gesundernehmens des
Venetianer gegen Milano wahrend des III Lombarda
Kriegs (1438). Venezia versuchte ihre uneingeschränkte
Herrschaft auf festem Land zu befestigen. Da die
Stadt Brescia Wiederstand leistete und um Unterstutzung
bat, plante die Republik rasch Hilfe zu verschaffen.
Aber der Weg des Sees war versperrt: so blieb den
Venetianern nur der äußerst nördlichen
Teil des Sees offen. Um die Seekontrolle zu haben
und der Venezianer Feldherren Erasmo da Narni, Gattamelata
genannt, für die Brescia Befreiung zu unterstutzen,
transportierte Venedig durch das Cameras Tal eine
ganze Flotte: fünfundzwanzig große Boote
und sechs Galeeren. Diese verließen Venedig,
lenkten gegen die Mundung der Etsch und fuhren gegen
die Strömung den schnellen Lauf des Flusses
hinauf.
Bei dem Binnenhafen von Ravazzone, Mori, wurden
die Schiffe ans Land gezogen und mit Hilfe von Armen,
Ochsen und Wegen, den kleinen Loppiosee und den
Gebirgssattel von Nago entlang bis über Torbole/Gardasee
geschleppt. Für dieses erfolgreiche Unternehmen
wurden 240 Ochsen und 15.000 Dukaten gebraucht.
Im April 1440 geling der kleinen venezianischen
Flotte die viskontische Flotte auf dem See zu schlagen
und Riva zu erobern. Seit dem 15° Jahrhundert
ist Torbole Ziel vieler Reisender, die über
die Atesinastrasse den Gardasee erreichen. Montaigne
besucht Torbole 1580, aber es ist Goethe, der den
Ort in der deutschen, romanischen Welt bekannt macht.
Der Dichter erreicht Torbole von Rovereto aus am
Nachmittag des 12 September 1786, vier Tage nach
der Überschreitung des Brenners.
Goethe ist 37 Jahre alt und mit seinem ersten Kontakt
zum Gardasee, den versilberten schimmernden Olivenhainen,
dem milden Klima und den Platzen von den Klassikern
besungen, scheint ihn das vollkommene Gluck erreicht
zu haben. Ebenfalls der aus Brescia stammende italienische
Dichter, Cesare Arici, berichtet über das „fischerfreudige“
Torbole. Der außergehwohnliche malerischen
Anblick des Ortes, lockte sehr viele romantischen
und spatromantischen Maler aus der deutschen Welt.
Johann Lietzmann (1872-1955) zum Beispiel, kauft
einen großen Olivenhain am Seeufer (hinter
dem Hotel Paradiso) und eröffnet eine Schule
der Aktmalerei. Hier bilden sich viele talentierten
Künstler. In der zweiten Hälfte des letzten
Jahrhundert wird das Dorf als Aufenthalts- und Kurort
von den mittlereuropäischen Reisenden gewählt,
wie die nahen Städte Arco und Riva. Dieses
Tourismus beitragt zu der Entwicklung jenes alten
Dorf von Fischern, Bauern und Bergbewohnern in das
heutige Touristenzentrum.