Matera.
Nach dem Besuch der "höchst antirhetorischen
christlichen Tempel" hier endlich die Stadt:
eine Anhäufung von Kunst, Archäologie und
Moderne. Durch die Schratten-Oberflächen charakterisiert,
erhält sie ein besonderes, von den anderen Städten
sehr verschiedenes Aussehen. Sie zählt rund 55.000
Einwohner, befindet sich auf einer Höhe von 401
m ü. M. und ist nur 45 Kilometer vom Meer entfernt.
Wie bereits erwähnt besteht sie aus Teilen verschiedener
Epochen: dem ältesten mit dem Sassi-Komplex und
dem Dom; der mittelalterlichen bzw. Renaissanceteil
längs der 'Ebene', an den Rändern der Sassi
und schließlich die Neustadt mit sehr eleganten
und von bekannten italienischen Architekten entworfenen
Stadtvierteln. Matera ist eine sehr lebendige, zeitgemäße
Stadt mit einer Kultur die zugleich zeitgenössisch
und geschichtlich ist. Es gibt eine Vielzahl von materaner
Kirchen aus dem 13. bis 19. Jahrhundert mit einer
ansehnlichen Barockgruppe. S. Giovanni, S. Domenico
und der Dom gehören dabei zu den ältesten.
Es beweißt, daß sich noch während
der Existenz der Höhlen ein städtisches
Leben entwickelte. Die drei Kirchen gehören der
romanischen und apulischen Kultur an.
Die Kathedrale.
Sie ist das späteste Beispiel des romanischen
Stils Apuliens und zeitgleich mit den drei bereits
genannten Kirchen entstanden. Sie besitzt drei Schiffe
mit dem höchsten in der Mitte und fünf
seitliche Fenstern. Die Vorderfront mit dem Portal
ist sehr harmonisch, während sich an der rechten
Seite zwei weitere Portale befinden. Das Innere
hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Sehr schön
der hölzerne Chor mit 50 geschnitzten Stühlen
(1453) von Tantino, einem Künstler aus Ariano
Irpino. Das Innere der Kathedrale zeigt die verschiedenen
künstlerischen Phasen bis zum 18.
Jahrhundert.
Sehr wertvoll ist das Fresko der Madonna della Bruna
(12. Jh.) auf dem ersten Altar des linken Schiffes
und die Kapelle der Verkündigung, Ende 16.
Jh., des Materaners Giu-lio Persino, Sohn von Altobello.
Im Hintergrund, dem Querschiff, steht die berühmte
Steinkrippe Altobello Persios (von Montes-caglioso)
von 1534, vielleicht eines der wichtigsten Werke
der Volkskunst: beeindruckend ist die ländliche
Komposition, ein Modell, das Persio von den Höhlen
und seinen Bewohnern nahm. Wichtig ist auch die
jüngste Entdeckung: eine mit Fresken bemalten
Wand auf dem Altar des Batisteriums links vom Eingang;
sie zeigt verschiedene Stile und ist aus ver- verschiedenen
Zeiten. Im oberen Teil sind Höllenszenen dargestellt
(13. Jh.), während auf dem unteren S. Giuliano,
die Jungfrau mit dem Kind und S. Luca sind (14.
Jh.). Die Burg. Außerhalb der Stadt auf einem
Hügel errichtet, stammt sie aus dem 16. Jahrhundert
und wurde von Giancarlo Tra-montano mit einem mittleren
Bergfried und seitlichen Türmen gebaut.
Palazzo Lanfranchi (ehemals Seminario).
Ein Gebäude etwa aus dem Jahre 1670 an den
Außenrändern des Sasso Caveoso und vom
gleichnamigen Bischof in Auftrag gegeben. Er besitzt
eine asymmetrische Form, möglicherweise weil
er die zuvor existierende Chiesa del Carmine von
1610 eingliedert. Er war einmal Sitz des Lyzeum
Duni, an dem von 1882 bis 1884 Pascoli lehrte; heute
beherbergt er die Kunstaufsichtsbehörde. Nebenan
ist die Pinakothek D'Erhco mit ca. 300 Gemälden
der neapolitanischen Schule aus dem 17. und 18.
Jahrhundert (M. Preti, M. Stanzione, F. Solimena,
F. De Mura, A. Vaccaro, S. Rosa und viele andere).
Sie ist eine der reichsten privaten Sammlungen des
Südens. In dem Gebäude hat das Carlo-Levi-Zentrum
mit vielen Gemälden und vor allem mit der enorme
Tafel Lucania 61 seinen Sitz, die Levi für
die Ausstellung Italia 61 in Turin schuf. Auf der
Tafel gibt es nicht nur "diese dunkle Erde,
ohne Sünde und ohne Erlösung, wo das Böse
nicht moralisch, sondern ein irdischer Schmerz ist,
der für immer in den Dingen ist", sondern
auch Rocco Scotellaro, der Bürgermeister-Poet
von Tricarico, der mit nur dreißig Jahren
starb. Von dem kleinen Platz Pascoli genießt
man einen herrlichen Rundblick auf Sasso Caveoso:
links die Kathedrale, gegenüber S. Maria de
Idris.
Nationalmuseum Ridola.
Im ehem. Konvent von S. Chiara (1698) Es began mit
der privaten Sammlung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts
von Domenico Ridola, einem Arzt aus Matera. Zusammengestellt
aus großen und kostbaren archäologischen
Materialien des Gebiets, bildet es die Grundlage
für das Studium der Prähistorie, auch
in der Beziehung mit den Griechen des ionischen
Meeres. Nach 1910 hat man es mit den systematischen
Ausgrabungen des Materano bereichert. Chiesa del
Purgatorio. Interessant, weil sie möglicherweise
die monumentalste der dem Tod gewidmeten Kirchen
in Lukanien und Apulien ist. Die konvexe Vorderfront
von 1747 trägt verschiedene Kompositionen.
Die sehr elegante und bewegte Linie erinnert an
einige Kirchen aus Lecce.
Chiesa di S. Francesco d'Assisi.
Aus dem 13. Jahrhundert stammend, wurde sie im 17.
Jahrhundert einer barocken Veränderung unterzogen;
im Innern gibt es die Felskirche S. Peter und Paul.
Es scheint, als hätte man über diese ältere
Konstruktion 1218, als der Hl. Fransiskus nach Matera
kam, die primitive Kirche gebaut, die 1670 umstrukturiert
wurde.
Chiese di S. Lucia, l'Annunziata, Materdomini.
Alle 'Episoden' aus dem 17. bis 18. Jahrhunderts;
interessant sind die Tuffsäulen der Annunziata
(heute ein Kino) und die kleine Kirche Materdomini,
ebenfalls in Tuff mit Balkonräumen und einem
langen Streifen aus Bossenwerk. Auf der Vorderfront
ist die Jungfrau mit Kind aus hiesigem Terracotta.
Die kleine Kirche gehörte dem Malteserorden.
Von den vielen anderen interessanten Zentren von
Matera sollen hier noch einige Adelshäuser
genannt werden, die sich fast alle zwischen dem
Piazza Sedile und dem Dom befinden: Palazzo Sedile,
heute das Konservatorium von 1779, von einzigartiger
Form (großer Bogen, zwei Terracot-tastatuen,
zwei Glockentürme); Palazzo Alvino; Palazzo
Giudicepietro mit eleganter Loggia auf Bossen und
einem schönen Salon im Empirestil; Palazzo
Bronzini (Via Duomo) mit der Vorderfront aus dem
18. Jahrhundert und einem Hof aus dem 14. Jahrhundert;
Palazzo Enselmi mit seinen vielen modellierten Säulen
(Via S. Biagio).