Die Wirtschaft Italiens
gehört zu den stärksten der Welt. Im Süden
stützt sie sich vor allem auf die Landwirtschaft,
im Norden ist die Industrie die wichtigste Grundlage.
Ende der achtziger Jahre ergaben Schätzungen, dass
die acht südlichen Regionen, die zwei Fünftel
des Landes bedecken und in denen über ein Drittel
der Bevölkerung lebt, ein Viertel des Bruttoinlandsproduktes
erwirtschaften. Vor dem 2. Weltkrieg bildete die Landwirtschaft
das Rückgrat der italienischen Wirtschaft. Heute spielt die Landwirtschaft zwar volkswirtschaftlich nur noch eine geringe Rolle (ca. 2 %), bringt jedoch einige wichtige Erzeugnisse hervor. Bedeutend sind der Weinbau, da das Land mit ca. 47 Millionen Hektolitern nach Frankreich der zweitgrößte Weinproduzent der Welt (Stand: 2009) ist, sowie die Erzeugung von Olivenöl: Italien ist auch hier der zweitgrößte Produzent (nach Spanien), mit 626.800 Tonnen im Jahr 2006.
Die Stärke der italienischen Wirtschaft liegt im verarbeitenden Gewerbe, vor allen in kleinen und mittelständischen familiengeführten Unternehmen.
Zu den wichtigsten Industrien zählen der Maschinen-, Flugzeug- (Agusta, Alenia, Finmeccanica), Schiff- (Fincantieri) und Automobilbau (Fiat-Konzern), die Chemieindustrie und die Herstellung elektronischer Produkte (STMicroelectronics). Die Textilindustrie ist sehr stark vertreten und steht mit ihren bekannten Markennamen für den Inbegriff des „made in Italy“. Luxottica ist der weltgrößte Brillenhersteller. Zu den wichtigsten italienischen Exportgütern zählen auch die Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie. Das größte Unternehmen der Branche ist Ferrero.
Im Dienstleistungssektor ist Italien vor allem durch Großbanken wie Unicredit und Intesa Sanpaolo international vertreten. Die Assicurazioni Generali ist eine der größten Versicherungsgesellschaften der Welt.
Die italienische Wirtschaft ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 2 Billionen US-Dollar (IWF 2010) achtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Land liegt im weltweiten Vergleich des BIP je Einwohner auf dem 23. Platz, in der EU nimmt Italien hierzu den 13. Rang ein.
Große Bedeutung besitzt die Tourismusbranche. Italien, das in den 1970er Jahren noch das meistbesuchte Land der Welt war, befindet sich heute mit seinen 43,7 Millionen Touristen (2005) an 5. Stelle (hinter Frankreich, Spanien, USA und China).
Seit 2002 ist der Euro in Italien gesetzliches Zahlungsmittel und löste die italienische Lira ab.
Italien
hat eine der stärksten Schattenwirtschaften Europas.
In den letzten Jahren haben die Italiener allerdings immer
mehr zu verstehen gegeben, dass sie Korruption und organisiertes
Verbrechen nicht länger hinnehmen werden.
Handel
und Gewerbe.
Der traditionelle italienische Arbeitstag dauert von Montag
bis Freitag jeweils von 8.00 oder 9.00 bis 13.00 Uhr, und
dann von 15.00 bis 18.00 oder 19.00 Uhr. Vor etwa 20 Jahren
begann jedoch der Norden, den Arbeitsrhythmus zu ändern.
Dort sind mittlerweile Arbeitszeiten von 9.00 bis 17.00
Uhr üblich, wobei die Berufstätigen normalerweise
eine Stunde Mittagspause machen. Dieser Tagesablauf findet
auch in anderen Gebieten immer mehr Verbreitung. Staatliche
Behörden schließen bereits um 14.00 Uhr. Die
meisten Geschäfte sind vormittags von 8.30 oder 9.00
Uhr bis 13.00 oder 13.30 Uhr und nachmittags von 15.30 oder
16.00 Uhr bis 19.00 oder 20.00 Uhr geöffnet. Immer
mehr Geschäfte bleiben jedoch auch während der
Mittagspause offen. Viele Läden, insbesondere im Lebensmittelsektor,
schließen an einem Nachmittag in der Woche.
Verkehr
und Kommunikation. Italien
verfügt über ein gutes nationales und internationales
Verkehrssystem. Fähren verbinden das Festland mit
den Inseln, und ein weit verzweigtes Eisenbahnnetz sorgt
normalerweise für schnelle Verbindungen zwischen
den Städten. Auch das Straßennetz ist gut ausgebaut,
aber zumindest im Norden sind verstopfte Straßen
ein alltägliches Bild. Dies gilt besonders für
die Strecke zwischen Florenz und Bologna und für
die Zufahrtsstraßen anderer großer Städte
wie z. B. Mailand. In den Städten stellen in erster
Linie Busse, Straßenbahnen und Taxis den öffentlichen
Nahverkehr sicher, mit dem sich die Italiener ebenfalls
schnell fortbewegen können. In Rom und Mailand gibt
es U-Bahnen, und Venedig ergänzt sein Verkehrssystem
durch die Nutzung der Wasserstraßen.
Die Post ist allerdings weniger verlässlich, und viele
Unternehmen weichen auf private Kurierdienste oder Faxgeräte
aus. Zahlreiche Radio- und Fernsehsender informieren die
Bürger über das aktuelle Geschehen. In den meisten
Städten und Orten können die Italiener aus einer
Vielzahl von Zeitungen wählen.
Bildungswesen.
Die Schulpflicht besteht in Italien
für eine Dauer von acht Jahren. Alle Kinder besuchen
zunächst fünf Jahre lang eine Grundschule. Etwa
vier Prozent erhalten ihren Unterricht in Privatschulen,
von denen die meisten in kirchlicher Hand sind. Auf die
Grundschule folgen drei Jahre an der Mittelschule. Am
Ende der Mittelschule kann man eine Prüfung ablegen,
deren Bestehen zum Besuch einer der vielen Oberschulen
berechtigt. Nach fünf Jahren auf der Oberschule legen
die Schüler eine Prüfung mit der Bezeichnung
Maturità ab, die ihnen den Zugang zu einer Universität
ermöglicht. Wenn die Schüler eine Berufsausbildung
beginnen möchten, müssen sie an anderen Prüfungen
teilnehmen.
In Italien
gibt es etwa 50 Universitäten. Bis zur Erlangung
eines Abschlusses, der als Laurea bezeichnet wird, vergehen
normalerweise mindestens fünf Jahre. Die Universität
Bologna besteht schon seit über 900 Jahren und ist
damit die älteste der Welt. Weitere sehr alte Universitäten
befinden sich in Genua, Macerata, Neapel, Padua und Perugia.
Die Studenten können auch an einigen privaten Universitäten
studieren. Zu ihnen gehören die hochangesehene Luigi
Bocconi-Universität und die Università Cattolica
(beide in Mailand) sowie die Scuola Normale in Pisa.
Gesundheitswesen.
1978 ersetzte der Staat das bestehende Krankenversicherungssystem
durch ein System, das die kostenlose medizinische Versorgung
aller Bürger sicherstellte. Viele Italiener lassen
sich allerdings privat behandeln, um Wartezeiten zu vermeiden.
Alle großen Städte Italiens
verfügen über moderne medizinische Zentren,
die mit der neuesten Technik ausgestattet sind.