Der Thermalschlamm ist eine besondere Mischung aus tonhaltiger
Erde, einem flüssigen Bestandteil (Thermalwasser verschiedener
Zusammensetzung) und einem organischen Bestandteil, der
sich während der Reifung bildet. Vor den 30er Jahren
wurde Ton als eine amorphe und kolloidale Substanz betrachtet.
Die modernen mineralogischen Methoden haben seine wichtigsten
Bestandteile, nämlich die tonhältigen Minerale,
entdeckt.
Die Entdeckung dieser Minerale hat zweifellos auch zum
besseren Verständnis des „Reifungsprozesses“
des Thermalschlammes geführt. Der Vorgang dauert 1-2
Jahre und während dieser Zeit wird der Schlamm mit
pflanzlichen und tierischen Mikroorganismen angereichert
und gleichzeitig vermischen sich die verschiedenen Bestandteile
immer enger. Die besondere Zusammensetzung des Fango bedingt
seine Heilwirkung durch bestimmte Komponenten: Wärme,
mechanische, und chemische Reize. Was den Wärmefaktor
betrifft, hat keine andere Substanz vergleichbare physikalische
und che misch-physikalische Eigenschaften, die es ihr erlauben
würden, so viel Wärme bereit zu stellen und sie
langsam und ohne unangenehme Temperaturschwankungen an den
mit Schlamm bedeckten Körperteil abzugeben.
In der Fangotherapie kann natürlicher Schlamm verwendet
werden (wie er in der Natur vorkommt, ohne verändert
oder angereichert zu werden), oder aber es können künstlich
mit speziellen Prozeduren Mischungen mit besonderer chemischer
Zusammensetzung und besonderen Eigenschaften hergestellt
werden.
Schlammpackungen, die aus einer Kombination zwischen tonhältigen
und flüssigen Bestandteilen aus der benutzten Thermalquelle
hergestellt werden, sind besonders für die Behandlung
von Hautkrankheiten, von Artrose und rheumatischen Beschwerden
(Knochenartrose), bei Bewegungsproblemen und für die
Behandlung von Gicht geeignet. Außerdem eignet sich
die spezielle Methode der Fangoapplikationen direkt in der
Beckengegend („Fangohöschen“) für
die Behandlung von gynäkologischen Leiden.
Die fe sten und flüssigen Bestandteile, ihre chemische
Zusammensetzung und ihre organischen und anorganischen Merkmale,
die sich je nach verwendetem Fango unterscheiden, erlauben
eine breite Fächerung der Anwendungsmöglichkeiten.
Bei Schlamm kann der flüssige Bestandteil zum Teil
auch aus Meerwasser bestehen, während die feste Komponente
hauptsächlich aus Mineralen besteht, die normalerweise
aus dem Bodensatz von Seen oder Lagunen oder aus dem Geschiebe
von Flussbetten stammen.
Im Torf (der ebenfalls hauptsächlich aus Seen oder
Sümpfen stammt) ist aufgrund des langsamen Transformationsprozesses
der pflanzlichen Organismen, aus denen er entsteht, die
organische Komponente vorherrschend.
Schimmel (der in den Thermen von Vinadio und Valdieri angewendet
wird) ist das Ergebnis einer Kombination aus normalerweise
schwefelhältigem Wasser und einem festen Bestandteil
von Algen oder anderen Meeresorganismen.
Fangotherapie wird in zahlreichen italienischen Thermen
praktiziert und hat eine besondere Tradition in den Colli
Euganei (Abano und Montegrotto), wo die Schlammpackungen
mit darauf folgenden Bädern, Schwitzbädern und
Massagen ergänzt werden: Vier aufeinander folgende
Phasen, die jede auf ihre Weise zum allgemeinen Wohlbefinden
als Ergebnis der Thermalbehandlung beitragen. In Recoaro
wird eine besondere Fangotherapie angeboten, die den so
genannten Ockerfango benutzt. Es handelt sich dabei um die
Anwendung von natürlichen Ablagerungen eisenhältigen
Wassers in den Becken mit dem typischen ockergelben Farbton.
Besonders geeignet für die Behandlung von degenerativen
Gelenksleiden sowie für Behandlungen nach einem Trauma
und Knochenbrüchen.