Das Thermalwasser besitzt Eigenschaften und Wirkungen,
die die Balneotherapie, d.h. das Baden des ganzen Körpers
oder von Körperteilen in Thermalwasser, zu einer der
wichtigsten Therapiemethoden macht. Dank seiner besonderen
Zusammensetzung stimuliert das Thermalwasser in der Balneotherapie
die Heilwirkung auf unterschiedliche Art und Weise: durch
Wärme, mechanische Anregung, physikalisch-chemische
und chemische Prozesse.
Was die Wärme betrifft, darf man nicht vergessen,
dass das Wasser bei der höchsten spezifischen Wärme
einen niedrigen Leitfähigkeitskoeffizienten hat, zudem
die Möglichkeit bietet, in großen Mengen benutzt
zu werden, und deswegen die Wärme sehr gut speichert.
Körper mit hoher Wärmespeicherung sind in der
therapeutischen Praxis sehr nützlich, da sie ihrerseits
die Wärme auf die beste Art und Weise weitergeben können:
gleichmäßig ohne plötzliche Wärmesprünge,
sodass es zu keinen plötzlichen und unerwarteten Wärmestößen
in den Geweben, mit denen sie in Berührung geraten,
kommt.
Vom praktischen Gesichtspunkt aus gesehen gibt es im Wesentlichen
3 Arten von Bädern: Bäder mit niedriger Mineralisierung
oder hypotonische Bäder; - Bäder mit mittlerer
Mineralisierung; Bäder mit hoher Mineralisierung oder
hypertonische Bäder.
Diese Unterteilung hängt von der Temperatur und der
Salzkonzentration des benutzten Mineralwassers ab. Drei
Wirkungen können grundsätzlich mit der Salzkonzentration
im Wasser verbunden werden: die erste betrifft die Erhöhung
der Temperatur durch das direkte Verhältnis zwischen
spezifischem Gewicht und Wärmekapazität und Wärmespeicherung;
die zweite verstärkt die hydromechanischen Aktivitäten,
während die dritte auf die Haut ausgeübt wird,
besonders bei hypertonischen Bädern, die mit Stimulation
der Nerven, Veränderung der osmotischen Ströme
u.s.w. besonders die inneren Organe wirken.
Thermalbehandlungen sind in vielen Gebieten der Gefäßpathologie,
vor allem bei Venenleiden, unverzichtbar geworden. Thermalbäder
vo n 32 – 36 Grad Celsius in kohlenstoffhältigem
oder doppelkohlensauer alkalihältigem Thermalwasser,
aber auch in sulfat-, schwefel- , salz-brom-iodhältigem
Wasser sind die wichtigste Behandlungsmethode dabei. Die
hydrostatische aber vor allem die besondere physikalisch-chemische
Wirkung der Mineralwasser führen dabei zu eindeutig
besseren Ergebnissen als Bäder in normalem Fließwasser.
Die Balneotherapie wird noch zusätzlich durch Sauerstofftherapie,
Unterwassermassage, Gefäßgymnastik und Drainagen
sowie durch Hygiene- und Diätbehandlung integriert.
Die Anwendungen entsprechen der Auffassung von einer ganzheitlichen
Thermalbehandlung bei Venenleiden.
Die Balneotherapie kann in Wannen einzeln oder in Gruppen
durchgeführt werden, außerdem in Thermalschwimmbecken
oder in Spezialwannen zur Anwendung von physiotherapeutischen
und rehabilitativen Behandlungen.
Zu unterstreichen wäre noch, dass das Baden in Thermalwasser
mit Massagebehandlungen verbunden werden kann, wobei Wasserstrahlen
mit unt erschiedlichem Druck auf den im Wasser befindlichen
Körper wirken, um die Blutzirkulation zu stimulieren.
In vielen Thermalanlagen wird zusätzlich ein Spaziergang
verschrieben, um auch Herz und Kreislauf in Schwung zu bringen.
Die Balneotherapie wird auch in Thermalanlagen am Meer
durchgeführt, wo zusätzlich Sandbäder verabreicht
werden können. In diesen Anlagen wird natürlich
Meerwasser benutzt und das Bad kann in einem Schwimmbecken
mit bis zu maximal 38 Grad Celsius erwärmtem Wasser
oder direkt im Meer (Kaltbad) genommen werden. Im Allgemeinen
wird der Verbleib im Wasser mit Bewegungstherapie gekoppelt.
Diese kann autonom und direkt (z.B. Schwimmen) erfolgen
oder als Kinesiotherapie, bei der der Patient selbst sich
passiv verhält, angewendet werden.
Ein Bad im Meer bietet zusätzlich den durch die Wellenbewegung
verursachten Massageeffekt, der den Organismus insgesamt
stark und wohltuend stimuliert.
Eine besondere Ausformung der Balneotherapie finden wir
in den Tälern des Trentino und Südtirols in Form
der Heubäder.
Nach einer tief verwurzelten Tradition pflegten die Bauern
nach den harten Mühen des Tages, im für die Kühe
geschnittenen Heu zu schlafen.Kühe, die mit diesem
Heu gefüttert werden, produzieren eine fettreiche Milch,
die zu ausgezeichneter Butter verarbeitet wird. Das Heu
bekämpft die Müdigkeit, gibt Kraft und stärkt
den Körper.
Aber nur in einigen Gebieten des Trentino und Südtirols
erwarben die 'gärenden Heubäder' eine große
therapeutische Bedeutung dank der besonderen Beschaffenheit
der hiesigen Wiesen. Im Trentino blühen diese Wiesen
auf den Viote des Monte Bondone, in der Nähe des Oclini-Passes,
zwischen Weißhorn und Schwarzhorn und in Völs,
am südlichen Rand der Seiseralm.
Das mit vielen Heilkräutern, wie Thymian, Arnika,
Fingerkraut und Enzian, durchsetzte Gras wird früh
am Morgen oder spät am Abend gemäht.Es muss bald
in die Thermen gebracht werden, damit es nicht zu trocknen
beginnt und wird dann in großen Becken gelagert, wo
es einige Tage zur Gärung verbleibt.
Das Gras wird in Bettgestelle gepresst, wo sich die Patienten
hineinlegen.Sie werden mit einer Schicht Gras und Kräutern
bedeckt und müssen anfangs 15 Minuten und dann stufenweise
bis zu 30 Minuten in dieser Packung liegen bleiben. Diese
Heubetten sind 50-60 cm hoch und erreichen Temperaturen
von 40 Grad Celsius in den oberen Schichten und in den tieferen
bis zu 70, wobei sich eine starke Schweißabsonderung
einstellt, die auch in den auf die eigentliche Behandlung
folgenden Stunden anhält.