Familienstruktur.
Viele Paare sind jahrelang verlobt, weil die Italiener mit
einer Heirat oft warten, bis sie eine Ausbildung abgeschlossen
und eine Arbeit gefunden haben. Eine Scheidung ist gesetzlich
erst dann möglich, wenn die Ehepartner bereits mindestens
drei Jahre getrennt gelebt haben.
Im Norden des Landes gibt es in den meisten Familien nur
ein oder zwei Kinder. Größere Familien sind
im Süden üblich, wo häufig mehrere Generationen
unter einem Dach wohnen. Der Norden und der Süden
Italiens
unterscheiden sich auch darin, dass die Frauen im Norden
größere gesellschaftliche Freiheiten genießen
und im Beruf bessere Chancen haben.
Essen
und Trinken.
Die Italiener nehmen morgens ein leichtes Frühstück
zu sich, das oft aus einer Tasse Kaffee für Erwachsene
und warmer Milch für die Kinder sowie Biscotti (Keksen),
Croissants, Brot oder Brötchen besteht. Die beliebteste
Hauptspeise sind Teigwaren (Pasta), die es in einer unüberschaubaren
Zahl verschiedener Formen gibt. Die wohl berühmteste
Nudelsorte sind die Spaghetti. Hinter dem Begriff Ravioli
verbergen sich beispielsweise kleine Teigtaschen mit einer
Füllung aus Fleisch, Käse oder Gemüse,
während es sich bei Fettuccine um breite Bandnudeln
handelt. Die Pasta wird mit vielen verschiedenen Soßen
und Beilagen serviert. Hierzu gehört die Bolognese,
die aus Tomaten und magerem gehackten Fleisch vom Rind,
Schwein oder Kalb besteht. Gerne essen Italiener ihre
Teigwaren auch mit Lachs oder Pilzen. Fisch stellt ebenso
wie verschiedene Fleischsorten und -produkte, wie z. B.
Kalbsfleisch, Schinken und Salami, einen wichtigen Bestandteil
des Speiseplans dar. Auch Käse wird in zahlreichen
Sorten und Varianten angeboten und sehr gern gegessen.
Die weltberühmte Pizza hat ihre Heimat im Süden
des Landes. Eine typische Alltagsmahlzeit setzt sich aus
drei Gängen zusammen. Wenn die Italiener allerdings
ein Fest feiern oder im Restaurant essen, besteht das
Mahl normalerweise aus einer Vorspeise, einem Nudelgericht,
einem Hauptgericht mit Fleisch oder Fisch, einem Nachtisch
und Käse. Der Salat wird oft nach der Hauptspeise
serviert. Die Weinherstellung ist ein wichtiger Wirtschaftszweig
Italiens,
und zu einer Mahlzeit trinken die Italiener traditionellerweise
Wein, heute aber auch gerne Bier.
Gutes Essen hat in Italien
einen sehr hohen Stellenwert, und man nimmt sich dafür
viel Zeit. Früher war das Mittagessen die wichtigste
Mahlzeit des Tages. Die Familienmitglieder nahmen es immer
gemeinsam ein. Da aber mittlerweile auch immer mehr Frauen
einem Beruf nachgehen, stirbt diese Tradition allmählich
aus. Wenn in einer Firma mehr als 20 Personen beschäftigt
sind, so muss die Firma über eine Cafeteria verfügen.
Das Mittagessen findet normalerweise zwischen 13.30 und
14.00 Uhr statt. Das Abendessen nehmen die Italiener im
Norden bereits ab 19.30 Uhr ein, auf Sizilien und in anderen
südlichen Regionen dagegen teilweise erst um 22.30
Uhr.
Umgangsformen.
Eine formlose Begrüßung unter Freunden ist Ciao
(“Hallo” oder “Tschüs”). Bei
etwas offizielleren Anlässen hört man eher Buon
giorno (“Guten Tag”) oder Buona sera (“Guten
Abend”). Oft gehen Italiener gleichen Geschlechts
Arm in Arm. Titel haben nach wie vor große Bedeutung.
Mittlerweile ist auch die Anrede mit dem Vornamen sehr verbreitet.
Cafés sind überall in Italien
wichtige Treffpunkte. Hier kann man – meist im Stehen
– frühstücken, zwischendurch schnell einen
Kaffee trinken oder einen Imbiss einnehmen. Zum Essen
geht man in ein Restaurant.
Freizeit.
Sowohl in kleinen Dörfern wie in den Großstädten
gehört ein Abend- oder Sonntagsspaziergang (“Corso”)
durch den Ort oder die Stadt zu den festen Gewohnheiten.
Die mit Abstand am weitesten verbreitete und beliebteste
Sportart ist Fußball. Radrennen haben in Italien
eine lange und immer noch lebendige Tradition. Viele der
besten Hersteller von Rennrädern und Zubehör
sind in Italien
beheimatet, und viele Italiener schwingen sich am Abend
oder an den Wochenenden für eine Tour aufs Rad. In
den Alpen und anderen Gebirgsregionen sind auch Wandern
in den Dolomiten,
Klettern, Skifahren in den Dolomiten
oder Familienausflüge mit dem Auto in die Berge sehr
beliebt. Im September packt viele Italiener die Jagdlust,
doch gerät diese Freizeitbeschäftigung aus Gründen
des Naturschutzes immer mehr in die Kritik.
Die Kunst, vor allem die Musik, nimmt noch immer einen
wichtigen Platz im Leben vieler Italiener ein. Die Oper
ist traditionell auch ein volkstümliches Vergnügen;
berühmt sind die Aufführungen in der Arena von
Verona. Weltberühmt und viel besucht sind die Kunstschätze
der Museen und Galerien in Florenz und Rom. Italien
gehört auch beim Film zu den wichtigsten Nationen.
Doch seit der Zeit, als italienische Regisseure wie beispielsweise
Federico Fellini auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs
standen, ist die Zahl der Kinobesucher zurückgegangen,
und die meisten der heute gezeigten Filme kommen hier
wie überall aus Amerika und wurden ins Italienische
synchronisiert. Auch in Italien
ist längst der Fernseher der Mittelpunkt vieler Familien.
Feiertage.
Staatlicher Feiertag ist der 6. Januar. An diesem Tag wird
Epiphanias, das Dreikönigsfest, gefeiert, an dem die
Weihnachtshexe Befana die Menschen besucht. Befana ist der
Überlieferung zufolge eine alte freundliche Hexe, die
die Heiligen Drei Könige nicht begleiten konnte, und
die seitdem nach dem Jesuskind sucht. In der Nacht vom 5.
auf den 6. Januar kommt sie auf ihrem Besen durch die Schornsteine
in die Häuser und bringt den braven Kindern Spielzeug
und Süßigkeiten. Unartige Kinder bekommen von
ihr ein Stück Kohle.
In vielen Teilen Italiens
wird an den Tagen, die der Fastenzeit unmittelbar vorausgehen,
mit Umzügen und Kostümfesten der Carnevale gefeiert.
Der Tag der Befreiung am 25. April erinnert an die Befreiung
Italiens im 2. Weltkrieg. Am 15. August begehen die Italiener
den Feiertag Mariä Himmelfahrt. An diesem Tag beginnt
auch Ferragosta, d. h. die Ferien, in denen alle großen
Unternehmen schließen. Um diese Zeit fahren die meisten
Italiener an die See oder ins Gebirge.
An Allerheiligen (1. November) gedenken die Italiener aller
katholischen Heiligen. Einen Tag später, am 2. November,
folgt der Allerseelentag (Il Giorno dei Morti). An diesem
Tag besuchen viele Italiener die Gräber ihrer Angehörigen,
die sie mit Blumen, vor allem mit Chrysanthemen, und Kerzen
schmücken. Abends spielt man in der Kirche ein Requiem
für die Toten, und zu ihren Ehren werden die Kirchenglocken
geläutet.
Am 6. Dezember feiern die Italiener das Fest des heiligen
Nikolaus (Festa di San Nicola). Im 11. Jahrhundert retteten
Seeleute aus Bari an diesem Tag seine Überreste aus
den Händen “Ungläubiger” in Kleinasien.
Der heilige Nikolaus ist u. a. der Schutzpatron der Schiffer
und Kinder. Auf ihn geht auch der von uns gefeierte Nikolaus
zurück, der in Italien
unter dem Namen Babbo Natale (Weihnachtsmann) bekannt
ist. Der 8. Dezember ist der Tag der unbefleckten Empfängnis,
an dem die Katholiken feiern, dass die Seele der Jungfrau
Maria vor der Erbsünde bewahrt wurde.