Der Naturpark des Flusses Sile.
Dieser Park wurde 1991 gegründet und beherbergt
zahlreiche Quellen, kleine Seen, Sümpfe und
Wälder. Aber auch Villen, Mühlen und Brennöfen:
Zeugnisse der Anwesenheit und der Wasserbauwerke
der Republik Venedig.
Sein mal stilles mal unruhiges
transparentfarbenes Wasser durchquert die sanfte
Ebene Venetiens zwischen Treviso und Venedig. Es
ist der Sile, der längste Fluss Europas, der
aus den Grundwasserquellen oder "fontanassi",
wie sie im Dialekt von Treviso heißen, entspringt.
Er ist etwa 95 Kilometer lang und windet sich durch
ein über 3000 Hektar großes Gebiet, das
sich durch eine außergewöhnliche Vielfalt
von Landschaften mit unzähligen Geschichts-,
Kunst- und Kulturzeugnissen auszeichnet. Ein Fluss,
den es voll und ganz zu entdecken gilt! Zwischen
dem 15. und 18. Jahrhundert war er ein beliebter
Reiseort der venezianischen adligen Patrizier, die
hier zauberhafte Villen und Wohnsitze sowie Wasserbauwerke
erbauen ließen.
Ein Gebiet und eine Gegend, die die Region Venetien
1991 mit der Gründung des Ente Parco del Sile
unter Schutz stellte, um auch einige Flora- und
Faunaelemente wieder einzuführen, die infolge
der Eingriffe des Menschen eine neue Heimat suchen
mussten. Dies ist zum Beispiel der Fall der Röhrichte
und Kröten.
Der erste Flussabschnitt, vor der Stadt Treviso,
ist der naturwissenschaftlich interessanteste Teil,
da er vom Phänomen des Grundwasseraustritts
geprägt ist. Es ist ein ländliches Gebiet,
das in einer heiteren und nahezu melancholischen
Ruhe eingebettet ist. Die Flussufer sind niedrig
und das Wasser bildet ein delikates Geflecht von
Teichen und Sümpfen. Einst konnte man hier
unzählige Mühlen vorfinden, die die Bedeutung
der Müllerei des Sile vor allem in den Jahrhunderten
unter der Herrschaft Venedigs bekunden. Treviso
war nämlich die Kornkammer der Republik, da
aus diesen Ländereien der Großteil des
Korns kam, der für die Lagunenstadt bestimmt
war.
Der Fluss verändert seine Gestalt gleich hinter
Treviso und lässt der Natur weniger Raum. Die
niedrigen und sumpfigen Ufer weichen nun einem Treidelsystem,
das einst für das Ziehen der stromaufwärts
fahrenden, großen Boote vom Ufer aus genutzt
wurde. Nun schlängeln sich am Ufer Fuß-
und Fahrradwege, von denen man eine Naturlandschaft
von rarer und unbestreitbarer Schönheit erblickt.
Folgt man seinem Lauf in Richtung Meer, trifft man
auf ehemalige Gruben, die in Seen und renaturalisierte
Gebiete umgewandelt wurden und in denen man zahlreiche
Arten von Wasservögeln bewundern kann.
Die Reise des Flusses Sile nähert sich vor
Venedig seinem Ende. Sein Süßwasser beginnt
sich mit Brackwasser zu mischen, bis es sich in
Portegrandi endlich der ruhigen Umarmung der Lagune
hingibt.