An einen Felsen geklammert oder vom Winde verweht kann
man die umbrischen Berge einmal anders erleben. Bergfreaks
stehen gut 250 verschiedene Klettertouren zur Verfügung,
von denen die wichtigsten Kletterwände auch entsprechend
je nach Schwierigkeitsgrad und Bergstruktur ausgerüstet
sind. Kletterpartien können auf dem Monte Tezio (Perugia),
in Pale bei Foligno, auf dem Monte Vettore bei Norcia und
im Nera-Tal (Valnerina) zwischen Arrone, Montefranco und
Ferentillo unternommen werden. Wer hingegen das Klettern
erlernen möchte, kann dies in der Turnhalle der Freeclimbingschule
(scuola di arrampicata libera) von Ferentillo probieren,
die zu den am besten ausgerüsteten Europas zählt
und sechs nach Schwierigkeitsgrad und Typologie abgestuften
Sektoren anbietet, um so mit allen Klettertechniken vertraut
zu werden. Die Landschaft erscheint von oben in völlig
neuen Perspektiven, wenn man schwerelos vom Wind getragen
wird. Die Monti Sibillini und der Monte Cucco bieten spektakuläre
Szenarien beim freien Flug mit Deltaplan oder Paragleiter,
der vor allem in Castelluccio bei Norcia mit unvergesslichen
Emotionen verbunden ist, wo es spezielle Flugschulen gibt.
Das Massiv des Monte Cucco bietet sich aufgrund seiner besonderen
Wetter- und Windbedingungen besonders für das Drachenfliegen
an, wo sich Sigillo der modernsten Freifluguniversität
rühmen darf.
Man kann sich aber auch vom Monte Subasio oder vom Gipfel
der Monti Martani in das Abenteuer stürzen oder über
den sanften Hügeln des oberen Tibertales mit dem Deltaplan
dahingleiten. Über den üppig bewachsenen Hügeln
von Todi, an denen sich kleine befestigte Orte und entlegene
Landhäuser erheben, fliegen bunte Heißluftballons
hinweg. Heißluftballonsfans dürfen sich auf keinen
Fall das jährliche Stelldichein anlässlich des
Gran Premio italiano Mongolfieristico (italienischer Heißluftballon-Grand
Prix) von Todi im Juli entgehen lassen. Weniger für
Naturbewunderer geeignet ist wiederum das große Bungee-Jumping,
das jedoch ganz spezielle Highlights bietet. Es wird von
der Höhe des Ponte canale von Rosciano bei Arrone gesprungen,
wobei man sich vorher natürlich das Bungeeseil gut
am Knöchel befestigen muss.
Umbrien bietet sich besonders für all jene an, die
die Natur und ihre Elemente hautnah erleben und die damit
verbundenen Emotionen spüren und genießen wollen.
Ein einzigartiges Erlebnis ist sicherlich mit den Wildwasserfahrten
im Schlauchboot am Fuße der Cascata delle Marmore
verbunden, von denen es dann die Stromschnellen des Nera
hinunter geht: über 3 km im Wildwasser, das über
den Felsen zwischen herrlichen Grünufern herabstürzt.
Ideal für Rafting ist auch der Fluss Corno, der eine
schwindelerregende Schlucht in den Kalkfelsen gräbt;
dieses Tal ist eines der rauesten und schönsten der
Valnerina (Neratal), dessen schmale Engen, aus denen das
Wasser schäumend hervorquillt, wie in der furchterregenden
und doch so beeindruckenden Enge von Biselli, so bezeichnend
sind.
In Umbrien wird auch das Hard rafting praktiziert, aber
auch weniger Geschulte können den Nera zwischen Ferentillo
und Arrone sanft hinabgleiten, wo der Strom weniger turbulent
ist und man auch die Flusslandschaft in Ruhe genießen
kann. Nera und Corno werden auch gerne von Kanuliebhabern
besucht, die sich in den Stromschnellen im speziellen "Kanuslalom"
üben können; in Arrone werden auch Kajaks angeboten.
Entlang des Nera, zwischen Cerreto di Spoleto und Vallo
di Nera ist auch Sportfischen "no kill" möglich.
In einigen Orten der Valnerina wird der Tourismus für
Junge Leute und Wasser- sowie Bergsport durch spezifische
Beherbergungsstrukturen gefördert, die oft auch in
historischen Gebäuden untergebracht sind.
Die traumhafte Landschaft der Monti Sibillini wird von
den Zuflüssen des Nera modelliert, die tiefe Schluchten
und Canyons in das Flussbett graben. Um dieses Naturschauspiel
der besonderen Art zu erleben, kann man mit einem erfahrenen
Bergführer in einem Toboggan eisige Bäche und
reißende Ströme hinabfahren. Diese Sportart,
die sich Wildwasserfahren oder Canyoning nennt, kann auch
in der sensationellen Schlucht des Rio Freddo unweit von
Scheggia, in der Schlucht von Pago delle Fosse bei Scheggino
und in den Klammen von Roccagelli nahe von Vallo di Nera,
einem der interessantesten Marktflecken der Valnerina, praktiziert
werden.
Eine Neuigkeit unter den Wassersportarten ist der Hydrospeed,
eine Art kleiner Plastikbob, an den man sich klammert, um
durch die Stromschnellen gezogen zu werden.
Die lieblichen umbrischen Seen im Herzen sanfter Hügellande,
die im zarten Glanz der Olivenhaine, wie der Trasimenische
See, oder dichter Steineichenwälder , wie der Piedilucosee,
erstrahlen, bieten entspannende Panoramen, um allen möglichen
Sportarten zu frönen. Der Trasimenische See gehört
zu den größten Touristengebieten der Region,
der ein beliebtes Reiseziel tausender italienischer und
internationaler Besucher ist, nicht zuletzt dank des großen
und qualifizierten Angebotes an Freizeit- und Sporteinrichtungen.
In diesem See, dessen Wasser laufend kontrolliert wird,
kann man schwimmen oder mit frischer Windbrise segeln und
surfen; auch Kanufahrten oder Wasserschifahren sind möglich,
wobei darauf geachtet werden muss, die dafür mit Bojen
gekennzeichneten Bereiche zu benützen, und davor eine
Erlaubnis von der Provinz einzuholen (Polizia laculale,
Tel. 075/8298804). Der See von Piediluco, an der Grenze
zum Latium, ist aufgrund seiner günstigen klimatischen
Bedingungen und des Fehlens von Strömungen ein bevorzugtes
Kanu- und Rudersport-Revier. Nicht umsonst ist hier des
Centro nazionale di Canottaggio (Nationales Rudersportzentrum)
beheimatet und kommen nationale und internationale Mannschaften
oft und gerne hier her trainieren. Nicht selten bietet sich
auch die Möglichkeit, von diesen Ufern aus bedeutenden
Ruderwettkämpfen, wie der jährlichen internationalen
Regatta "Memorial D'Aloja", beizuwohnen. Ebenso
können auch Ausflüge mit Ökobooten auf dem
See von Piediluco und entlang des Velino gemacht werden.
Im klaren Wasser dieser Seen sind zahlreiche Fischarten
beheimatet.
Das Sportfischen kann besonders für all jene von
Erfolg gekrönt sein, die es auf Flussbarsch, Blaufelchen,
Schleie, Hecht und Aal abgesehen haben, wobei natürlich
stets die Regionalbestimmungen zum Schutz der Fischfauna
berücksichtigt werden müssen. Der Corbarasee,
der durch den künstlichen Stau des Tibers geschaffen
wurde und flussaufwärts durch den Regionalen Flusspark
geschützt wird, ist reich an Ukeleien und bietet bei
Kanufahrten ein unvergessliches Panorama.
Die Kalkbeschaffenheit der umbrischen Berge ist verantwortlich
für die intensiven Karstphänomene, die oft spektakuläre
Formen annehmen. Das wahre Paradies der Höhlenforscher
ist der Monte Cucco, wo die unterirdische Welt besonders
weitläufig und ungewöhnlich tief ist. In Costacciaro
gibt es eine Speläologieschule und Speläologengruppen
organisieren Führungen (nur für Experten) in die
fantastischen Grotten des Monte Cucco, die über 990
m tief liegen. Die Erforschung der umbrischen Unterwelt,
die von zahlreichen Höhlen, Brunnen und Zisternen durchbohrt
wird, führt oft zu faszinierenden Entdeckungen auch
in Narni und Todi, am Felsen von Orvieto und Umgebung (Tane
del Diavolo, Grotten von Titignano), aber auch im Gebiet
von Amelia.
Naturparks in Umbrien.
Die Bewahrung und der Schutz des Umwelterbes sind Entwicklungskonzepte,
die dank des Naturparksystems verstärkt werden. Naturparks
müssen diese Prinzipien durchsetzen, nicht nur zum
Schutz des Territoriums, sondern auch zur Förderung
der natürlichen Ressourcen, um Besucher anzulocken.
Es gibt insgesamt sechs geschützte Regionalparks, ohne
dabei den Nationalpark der Monti Sibillini mitzuzählen,
der auch zur Region Marken gehört.
Im umbrischen Territorium vermischen sich die Spuren des
Menschen mit der Schönheit der Landschaft. So überschneiden
sich in jedem einzelnen Teilgebiet Geschichte, Kultur und
Natur. Der Park des Monte Subasio ist ein mystischer Ort
des Hl. Franziskus, wo wunderschöne Wälder den
Rahmen für religiöse Architekturjuwele und faszinierende
mittelalterliche Steindörfer bilden. Der Park des Monte
Cucco zwischen Gubbio und Gualdo Tadino, bewahrt naturbelassene
Buchenwälder, in denen sich Karsthöhlen mit tief
gelegenen unterirdischen Wasserläufen verbergen und
Wolf und Adler beheimatet sind.
Der Park von Colfiorito bietet viele bedeutende archäologische
Funde, außergewöhnliche Sumpfgebiete und eine
vielseitige Fauna. Im Park des Trasimenischen Sees, der
von vielen kunsthistorisch sehr interessanten Orten umgeben
ist, werden fortschrittliche Technologien angewendet, um
das Feuchtgebiet des Sees zu schützen. Zwei Flussparks
schützen das empfindliche Ökosystem der Flüsse
Tiber und Nera. Schließlich ist der Nationalpark der
Monti Sibillini einer der best erhaltenen Bergketten Europas.
Dank eines dichten Wegnetzes für Trekking und der Wasser-
und Bergsportorganisation der genannten Naturparks ist es
möglich, sich an diesen Umwelt- und Naturschätzen
zu erfreuen.
Thermen in Umbrien.
Die Quellen des Klitumnus (Fonti del Clitunno) sind der
ideale Ort, um die Verknüpfung zwischen Glauben und
Natur dank des Zaubers zu verstehen, der das klare kalte
Wasser belebt, das in römischen Zeiten dem Gott Klitumnus
geweiht war, der hier seine Orakeln aussprach . Das Quellwasser
entspringt in verschiedenen Quellen den Felsspalten, der
Sand wallt am Boden des kleinen Sees auf, in dem viele kleine
Inseln verstreut sind und der von grünen Ufern mit
schattenspendenden Trauerweiden und Pappeln gesäumt
ist. Da diese Quellen von Plinius dem Jüngeren gerühmt
waren, wurden sie ein Ort der Lebensfreude und Genüsse,
was zu einer sehr frühen Entwicklung des Fremdenverkehrs
führte. Wo heute Ruhe und Frieden herrschen, erhoben
sich einst Patriziervillen, öffentliche Therme und
sogar ein Hotel.
Auch die wohltuende und heilende Wirkung der umbrischen
Mineralquellen sind seit Jahrtausenden berühmt und
werden heute sowohl für Trinkkuren in den Thermalzentren
verwendet, als auch in Flaschen abgefüllt. Zu den bedeutendsten
Heilwassern zählt das Wasser von San Gemini, das besonders
geeignet für Kleinkinder ist, während die Fabia-Quelle
einen durchschnittlich hohen Mineralgehalt aufweist.
In der Nähe von Città di Castello befinden sich
die Terme di Fontecchio , die schwefeliges Wasser mit durchschnittlich
hohem Mineralgehalt haben, das auch für Moorbäder
und Inhalationen eingesetzt wird. Die Terme del Cacciatore,
nahe Nocera Umbra, nützen das Wasser einer Quelle mit
geringem Mineralgehalt, während in den Terme di San
Faustino in Massa Martana natürliches Mineralwasser
verwendet wird, das einer schön gelegenen Quelle rechts
des Flusses Naia entspringt. Das Thermalzentrum von Acquasparta
nützt seine natürliche Quelle mit geringem Mineralgehalt
im sanften und entspannenden Hügelland von Amelia.
Assisi ist der außergewöhnlich schöne Rahmen
der Terme oligominerali di Santo Raggio. In einem schroffen
Graben der Berge von Gualdo Tadino entspringt die Rocchetta-Quelle,
die im nahen Werk abgefüllt wird. Unweit davon öffnet
sich das Fonno-Tal, eine der faszinierendsten Flussfurchen
des umbrischen Apennins. In der Gemeinde von Sellano, im
Oberen Neratal, liegt die Tullia-Quelle, die nahe eines
bezaubernden Benediktinerklosters entspringt.