Perugia.
In Perugia können die Besucher zwischen engen Gassen, mittelalterlichen Ortschaften, erhabenen Palästen und alten Schlössern in die Vergangenheit eintauchen. Und wer einmal dort war, wird den Wunsch verspüren, wieder zurückzukehren.
Reisewege zwischen Kunst und Religion
Die heutige Stadt Perugia befindet sich in einem Gebiet, in dem zahlreiche archäologische Funde von einer antiken Siedlung zeugen. Sie wurde höchstwahrscheinlich im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Etruskern gegründet. Im 1. Jahrhundert v. Chr. erhielt sie von Octavian den Namen „Augusta Perusia“ und wurde zu neuem Glanz geführt: die Straßen wurden mit Mosaikplatten belegt; aus dieser Zeit stammen auch das Forum, die Zisternen - und außerhalb der Stadtmauern - das Amphitheater und ein angebliches Mausoleum unter dem Kirchturm von San Pietro.
Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte die Stadt ihre Blütezeit: viele der damals erbauten Kunstwerke, wie die Fontana Maggiore (1275-77), die von den Wässern des Monte Paciano gespeist wird, können heute noch bewundert werden. Zu dieser Zeit (zwischen 13. und 15. Jahrhundert) regierten die Prioren mit Sitz im Palazzo dei Priori. Obwohl Perugia von der schwarzen Pest heimgesucht wurde, gelang es ihr um 1352 und 1358 Bettona, Siena und Cortona (Sieg von Torrita) zu unterwerfen. Um 1370 kam es nach der Niederlage gegen Urban V wieder unter die direkte Kontrolle der Kirche. Aus dieser Zeit stammt auch die Festung Rocca Paolina. Unter Braccio Fortebracci da Montone wurden wichtige öffentliche Bauten erschaffen, wie z.B. die Residenz von Braccio, von der heute nur noch die Loggia erhalten ist.
Auch das Hinterland besticht mit seinen traumhaften Abschnitten. Man hat fast den Eindruck, als befinde man sich vor einer Phantasielandschaft, die von erhabener Künstlerhand erschaffen wurde, soll Plinius der Jüngere über Città di Castello geschrieben haben. Viele Besucher begeben sich auf die Spuren des Hl. Franz von Assisi und der Hl. Klara und besuchen die Wallfahrtsorte und Klöster im Lande. So sind vor allem Assisi und Gubbio seit Jahrhunderten beliebtes Touristen- und Pilgerziel. Assisi erhebt sich terrassenartig am Berghang von Subasio, mit langen und steilen Gassen, die zum San Rufino Dom, Piazza Santa Chiara und Piazza del Comune führen. Sehenswert ist die gotische Basilika des Hl. Franz, in der sich u.a. die Fresken von Cimabue und Giotto befinden. Sie ist durch eine Treppe mit der Basilika Inferiore und der Basilika S. Chiara verbunden. Nicht weit von Assisi entfernt, liegt Spello, eine wunderschöne, uralte Stadt mit prächtigen Bauten und Kunstwerken.
Auch Gubbio erscheint mit seinen Prachtbauten am Fuße des Irgino ganz im mittelalterlichen Flair. Unbedingt besichtigen sollte man die Franziskanerkirche und das Kloster, die mittelalterliche Kirche Santa Maria della Vittoria und das ehemalige Kapuzinerkloster San Girolamo.
Wenn man von Gubbio Richtung Südwesten fährt, kommt man an Castiglione del Lago vorbei, eine der ersten Ortschaften, die in die Rangliste der schönsten Plätze Italiens aufgenommen wurde. Der Ort verfügt über tolle Strände, ein öffentliches Schwimmbad, Tennisplätze und der dortige Meerabschnitt eignet sich hervorragend zum Surfen, Segeln und Wasserski fahren.
Deruta hingegen ist berühmt für seine kunstvollen Majoliken. Inmitten einer malerischen Landschaft liegt Todi. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt zählen der Tempel Santa Maria della Consolazione, der vielleicht von Bramante erbaut wurde, das Monument in Jacopone da Todi und die imposante Fassade des Tempels San Fortunato.
Einen Besuch wert ist auch das Städtchen Spoleto, das nicht nur durch seine Monumente, sondern auch durch seine enge Verbindung mit der Natur zu verzaubern weiß. Zu den Hauptsehenswürdigkeiten zählen die Rocca (Festung), il Ponte delle Torri (Brücke der Türme), der Dom und die Kirche Sant’Eufemia. Das angrenzende Monteluco, ein beliebtes Ausflugsziel der Touristen, ist von einem dichtem Steineichenwald umgeben, der seit der Antike geschützt wird.
Der am Fluss Corno gelegene berühmte Wallfahrtsort Cascia wird vor allem von Pilgern, die die Hl. Rita verehren, besucht. Die kleine Stadt beherbergt viele kostbare Beispiele mittelalterlicher Architektur: die gotische Kirche des Hl. Franz, die Kirche des Hl. Antonius Abate und die Kirche des Hl. Augustinus, sowie den Carli Palast, ein Stück Bürgerarchitektur. Bekannt für seine gastronomischen Köstlichkeiten und ausgezeichneten Weine ist Norcia, in der sich aber auch die sehenswerte gotische Kirche zum Hl. Benedikt befindet.
Die Küche und Weine
Die Küche von Perugia ist einfach und wird von Naturprodukten wie dem Olivenöl verfeinert. Der schwarze Trüffel, typisch für ganz Umbrien, wird für viele Gerichte verwendet und kommt auch in der sogenannten Osterpizza (Pizza di Pasqua), einem gesalzenen Panettone mit Schafskäse vor.
Für die Hauptspeisen wird hauptsächlich Schweine-, Wildschwein- und Lammfleisch verwendet. Hervorragend schmeckt auch der Fisch aus dem Trasimenosee.
Typische Fischspezialitäten sind der ‘Tegamaccio’, eine Fischsuppe, sowie Forellen, Karpfen und Hecht.
Eine andere lokale Spezialität ist die ‘Parmigiana di gobbi’, ein altes Gericht mit Karden, Fleischsoße, Mozzarella und Parmesankäse.
Bekannte Süßspeisen aus der Provinz sind die Pinoccate, Plätzchen mit Pinienkernen, der Torciglione, ein Kuchen mit Rosinen, Nüssen und Trockenfeigen, und der Torcolo mit Rosinen und kandierten Früchten. Bekannt ist Perugia natürlich vor allen Dingen für seine leckere Schokolade.
Ausgezeichnete Weine sind der Montefalco, der Torgiano und die Colli Perugini.
Feste und Veranstaltungen
Weltweit bekannt ist das Festival „Umbria Jazz“, das jedes Jahr berühmte Künstler nach Perugia bringt. Auch die internationale Schokoladenmesse Eurochocolate zieht jährlich viele Besucher an. Das Festival dei Due Mondi (Festival der zwei Welten) in Spoleto bietet jedes Jahr zwischen Juni und Juli einen faszinierenden Querschnitt von der Musik bis zum Theater. Im Mai findet in Assisi der Calendimaggio statt, ein Festival, das die Sitten und Bräuche des Mittelalters wieder zum Leben erweckt. Seit dem 13. Jahrhundert wird in Gubbio zu Karfreitag die eindrucksvolle Christusprozession abgehalten. Am 15. Mai hingegen findet die Festa dei Ceri (Fest zu Ehren des Stadtpatrons) statt, die für die älteste Folkloreveranstaltung Italiens gehalten wird. Im selben Monat wird zudem der Palio della Balestra abgehalten, ein Armbrustwettebewerb mit Ursprüngen im 12. Jahrhundert. Nicht verpassen sollte man die Sagra del Tartufo, ein dem schwarzen Trüffel gewidmetes Fest in Norcia.