Weinreben und Olivenbäume verleihen dem Hügelland
eine ganz besondere Note.
Die tausendjährige landwirtschaftliche Erfahrung und
Anbautechniken gingen immer Hand in Hand mit dem Sinn für
Ästhetik, um Zweckmäßigkeit und harmonische
Verteilung der Wein- oder Baumreihen zu vereinen, was den
Reiz der umbrischen Landschaft ausmacht.
Jede einzelne Anbauart dieser fruchttragenden Pflanzen hat
eine bestimmte Bedeutung und entspricht einer bestimmten
Zeitepoche.
Heutzutage sind die meisten Olivenhaine und Weinberge spezialisiert.
Die modernen Anbausysteme sind auf Qualitätssteigerung
ausgerichtet, die auch durch die Selektion traditioneller
Sorten erzielt wird.
Das erklärt, wie es möglich ist, dass in einer
kleinen Region wie Umbrien gut elf Weine das DOC Prädikat
(mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung) und zwei das DOCG
(mit kontrollierter und garantierter Ursprungsbezeichnung)
besitzen, sich die regionalen Produkte immer wieder auf
dem italienischen und internationalen Markt behaupten können,
fast alle erzeugten Olivenöle extra nativ sind und
sich der geschützten Herkunftsbezeichnung "Umbrien"
rühmen dürfen, ein Prädikat, das das gesamte
Regionalterritorium umfasst.
Wein in Umbrien.
Umbrien ist, angesichts der feuchten tonhältigen Kalkböden,
die das weite, sonnige Hügelland zu bieten hat, das
Weinbaugebiet par excellence. Die große Weinvielfalt
ist das Resultat geschickter Nutzung verschiedener Umweltfaktoren,
aber auch unterschiedlicher Klimabedingungen, die eine ebenso
vielseitige Produktion an Geschmack- und Weinsorten ermöglichen.
Es gibt sehr viele bodenständige weiße und rote
Rebsorten. Typisch für Todi ist der Grechetto, der
bereits in der Antike beliebt war und angenehm fruchtige
Weißweine ergibt. In der gesamten Region ist der Trebbiano
verbreitet, der im Gebiet um Orvieto mit dem sogenannten
Procanico vertreten ist. Im Gebiet um Amelia hat sich die
delikate und duftige Malvasiatraube durchgesetzt. Unter
den lokalen Rebsorten für Rotweine steht an erster
Stelle der Sagrantino, der im Mittelalter in Montefalco
wahrscheinlich von einem Franziskanermönch gesetzt
wurde, der diese Traube von der Iberischen Halbinsel importiert
haben soll. Der Name soll von der Gewohnheit herrühren,
diesen süßen Nektar bei Messfeiern zu verwenden.
Eine andere, in der gesamten Region verbreitete Rebe ist
der Sangiovese, der rein in den Colli Martani verarbeitet
wird.
Wenn man genau das Anbauland beobachtet, können noch
die Spuren uralter Systeme, die an die alten Etrusker und
Umbrer anknüpfen, entdeckt werden. Damals und bis vor
nicht allzu langer Zeit war der Weinanbau eine Mischkultur,
da der Weinstock mit einem Baum "verheiratet"
(also gestützt) wurde, meist mit Ahorn, aber auch Pappel
und Ulme, die den Vorteil hatte, auch Blätter als Futter
zu geben. In den alten Baumreihen sind also noch etruskische
Techniken zu erkennen. Nahe Montefalco stößt
man auf Weinbauland, das seit über tausend Jahren bestellt
wird; hier wächst der berühmte Sagrantino und
hier wuchs zur Römerzeit die Rebe "triola",
die von Plinius dem Älteren gerühmt wurde. Virgil
berichtet, dass im Gebiet um Amelia hingegen Weiden als
Stützbäume verwendet wurden.
Oliven in Umbrien.
Seit Jahrtausenden bedeckt das Silber der Olivenbäume
das umbrische Hügelland. Wie der Weinstock war auch
der Olivenbaum ein Reichtum des etruskischen Volkes und
unter den Römern wurde die Olive eines der bedeutendsten
und ertragreichsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse der
Region, das vor allem über den Flusshafen von Otricoli
vermarktet wurde. Um die materiellen und symbolischen Aspekte
dieser Produktion kennen zu lernen, sollten das Museum der
Olivenkultur in Trevi und das Museum des Olivenbaumes und
des Olivenöls in Torgiano besucht werden, während
es genügt, die typischen Hügellandschaften des
Umbra-Tales, des Tibertales oder um Amelia und Orvieto zu
beobachten, um die jahrhundertelange Bodenbearbeitung zu
verstehen, durch die steile Hänge und Terrassen erschlossen
wurden. Der Olivenbaum braucht durchlässige, sonnige
Böden und die Oliven müssen bei beginnender Reife
geerntet werden, um ein fruchtiges Olivenöl mit geringem
Säuregrad zu erhalten. Das umbrische Olivenöl
erfreut sich auf dem italienischen und internationalen Markt
besonders großer Wertschätzung, fast alle Olivenöle
der Region sind extra nativ, was im allgemeinen nur selten
der Fall ist. Daher kann sich das umbrische Olivenöl
der geschützten Ursprungsbezeichnung "Umbrien"
rühmen, das fünf Gebiete umfasst: Colli di Assisi,
Spoleto, Colli Martani, Colli Amerini, Colli del Trasimeno
und Colli Orvietani.
Die Kunst des "Norcino".
Das Schwein ist der König der umbrischen Küche.
Im Holzofen mit Kräutern, Knoblauch, Pfeffer und wildem
Fenchel oder am Spieß mit Lorbeer gebraten, ist dieses
Tier der Protagonist bei Tisch an allgemeinen Festtagen
oder anlässlich verschiedener Volksfeste, denn die
"porchetta" ist ein traditionelles Gericht, das,
so sagen manche, in Umbrien seinen Ursprung haben soll.
Das Gebiet von Norcia ist auserkoren für die Verarbeitung
des Schweinefleisches, aus dem schmackhafte und unverfälschte
typische Wurstwaren aller Art hergestellt werden; Mazzafegato
(Leberwurst), Corallina, Mortadella, frische und gelagerte
Hartwürste, Capocollo (Schweinsnackenwurst) und der
renommierte Rohschinken aus Norcia mit geschützter
Herkunftsbezeichnung, sind traditionelle Spezialitäten,
die nach wie vor mit handwerklichen Techniken erzeugt werden.
Dazu sind im Laufe der Zeit auch Wildschein- und Hirschwurstwaren
gekommen.