Weinstrasse der Etruskerküste.
Die Etruskerküste: unbefleckte Strände und
grüne Pinienwälder, Strandurlaub und Sonnenbräune,
Spaziergänge und Abende in der Diskothek.
Aber nicht nur das. Hervorragende Weine, dermaßen
exzellent, daß sie dieses Gebiet in den Chroniken
der Zeitschriften berühmt gemacht haben. La California
heißt eine Ortschaft, nur wenige Kilometer von
Bolgheri entfernt. Vielleicht war es vorbestimmt,
daß dieses Gebiet "La California"
Italiens werden sollte, oder, wie andere sagen, das
italienische Bordeaux. Es ist den beiden Schwestern
Della Gherardesca zu verdanken (erinnern Sie sich
an Dantes Grafen Ugolino?), von denen die Eine einen
Incisa della Rocchetta und die Andere einen Antinori
heiratete. Mario Incisa "erfindet" den Sassicaia,
der von einer bekannten Wochenzeitschrift "der
weltberühmteste italienische Wein" genannt
wird, und die Antinori bringen ihre Erfahrung und
ihr Ansehen als Jahrhunderte alte, weltbekannte Weinbauern
ein. Lodovico Antinori errichtet einen der eindrucksvollsten
Weinkeller Italiens und beginnt den "Ornellaia"
herzustellen, der 1995 eine Anerkennung der Zeitschrift
Decanter als bester italienischer Cabernet erhält.
Piero Antinori wandelt die Roséproduktion,
groß in Mode in den 70er Jahren, in einen wundervollen
Guado al Tasso um, der sich sofort an die Spitzenpositionen
der nationalen Weinerzeugung drängt. Aber damit
ist nicht genug: neben dem Sassicaia, dem Ornellaia,
dem Guado al Tasso findet ein Aufblühen junger
und enthusiastischer Erzeuger statt, die die Qualitätsspitzen
der großen Namen erreichen und bald einen verdienten
Ruf innehaben, nicht nur im Gebiet von Bolgheri, sondern
auch in den angrenzenden DOC-Anbaugebieten von Montescudaio,
Val di Cornia und Elba.
So entsteht die Weinstraße der Etruskerküste:
große Weine, junge und enthusiastische Erzeuger,
aber vor allem ein Gebiet, das in einem Landstrich
parallel zum Meer verläuft, und das mit all dem
ausgestattet ist, was sich der Besucher wünschen
kann: mittelalterliche Dörfer, in denen das Leben
noch mit menschlicher Geschwindigkeit vor sich geht,
mit Wald bedeckte Hügel, auf denen man oft Wildschweine,
Damhirsche und Rehe erblickt, Panoramen, die das Grün
der Vegetation mit dem intensiven Blau des Meeres
vereinen, eine fröhliche und gastfreundliche
Bevölkerung, naturbelassene und schmackhafte
Kost, die dazu einlädt, den Verlockungen der
Weinproben, Früchte dieses Bodens, nachzugeben.
Die Weinstraße führt über kulturelle,
ambientalistische und weingastronomische Routen, mit
einem perfekten Zusammenspiel von Geist und Materie.
Von den drei Gemeinden, im nördlichen Teil des
antiken Großgrundbesitzes der Della Gherardesca
gelegen, Montescudaio, Guardistallo und Casale können
wir, auch auf passenden Umwegen, Montecatini Val di
Cecina erreichen, Sitz antiker Bergbauaktivitäten,
gebunden an die Kupferförderung.
Die meisten Weinkeller befinden sich im Umkreis des
Dorfes, in der Nähe von Castellina Marittima
und in Montecatini. Zwischen Casale und Bolgheri durchquert
man das Gebiet von Bibbona, wo sich ein Naturpark
(La Macchia della Magona, 1.635 ha) befindet, der
vollständig von Wegen durchzogen ist, die, eingetaucht
im Grün des Nutzwaldes, sowohl zu Fuß als
auch per Fahrrad oder zu Pferd zurückgelegt werden
können. Im Zentrum des Gebietes bringt uns die
Straße Richtung Bolgheri mit seinem Adelsschloß
und den Erinnerungen an Carducci (nicht zu vergessen
sind der kleine Friedhof von Nonna Lucia und die Zypressenallee).
Die Via Bolgherese, die nach Castagneto führt,
ist eine der eindrucksvollsten "Baumreihen"
des Gebietes: an ihren Seiten befinden sich die Weinberge
des Sassicaia, die Weingüter des Ornellaia und
Le Macchiole. Einige Ölpressen, unweit der Straße,
bilden einen lehrreichen Pausenplatz, um etwas über
die Kaltpressung des extrareinen Olivenöls zu
erfahren. Castagneto Carducci, Landwirtschaftszentrum
mittelalterlichen Ursprungs, herrscht über eine
Landschaft, die reich ist an Olivenhainen, Weinbergen,
Wäldern und Macchie, die im Westen durch das
intensive Blau des Tyrrhenischen Meers begrenzt ist.
Von hier aus dringt die Straße in ein waldiges
Gebiet ein, übersät von den naturalistischen
Routen Sassettas, bis nach Suvereto, dem Zentrum des
Qualitätsweines (DOC) "Val di Cornia".
Neben dem Besuch der antiken, mittelalterlichen Orte
Suvereto und Campiglia sind auch die Parks von Montioni
und von Monte Calvi interessant, außerdem i
Lagoni Rossi (die großen roten Seen) und der
achäo-minerarische Park von Campiglia mit der
Festung von San Silvestro sowie den Überresten
der Minen und den etruskischen Gießereien. Der
Weintourist trifft hier auf ein Gebiet in vollster
Gärung, reich an jungen Betrieben mit viel Eifer,
es den großen Weinen Bolgheris gleichzutun:
große Cabernet, große Merlot, Seite an
Seite mit traditionelleren Weinen, die jedoch genauso
achtsam behandelt werden, wie es der moderne Markt
auferlegt. Piombino, für seine Stahlwerke bekannte
Industriestadt, ist das Eingangstor zur Insel Elba,
die schon von Plinius als "Insula vini ferax"
bezeichnet wurde, als eine Insel reich an Weinen.
Das Meer, das Klima, die ambientalistischen Attraktivitäten
beherrschen eine Landwirtschaft, die den Wein als
einen Qualifikationsfaktor für das Gebiet wiederentdeckt.
Der Weintourist kann sich als "Jäger"
versuchen, indem er auf die Suche nach einer seltenen
Flasche echten Aleatico geht, einem Wein mit intensivem
Duft nach Konfitüre und orientalischen Gewürzen.