Apuanische Alpen.
Die Apuanischen Alpen sind Schauspiel, ehrfürchtiges
Schaudern, unauslöschlicher Stempel der Zeit.
Ein Besuch dieser Berge bedeutet einen Aufstieg zum
absoluten Weiß, zwischen wahren Kathedralen
aus Felsen, die parallel zum Meer entlang der tyrrhenischen
Küste verlaufen.
Bei der Betrachtung aus der Ferne scheinen ihre Gipfel
von ewigem Schnee bedeckt, eine strahlende Illusion,
ausgelöst durch die Splitter jenes weißen
Marmors, mit dem seit Michelangelo unzählige
Bildhauer und Baumeister Monumente und Gebäude
verkleidet haben. Dem staunenden Betrachter scheinen
diese Berge in einen Mantel ewiger Stille gehüllt,
doch auch dies ist eine Illusion, denn zwischen diese
Felsen erbeben vom Widerhall der mutigen Tätigkeit
der Steinbrucharbeiter.
Vor dem blendenden Weiß des Marmors sind die
Brüche schlicht atemberaubend.
Mit überraschender Präzision zerteilt der
Diamantdraht den Marmor in Blöcke und verleiht
dem Herzen des Bergs ein stufenförmig zerklüftetes
Antlitz.
Ebenso eindrucksvoll ist der Gedanke an die jahrtausendealte
Geschichte der Marmorbrüche - seit der Gründung
Lunis durch die Römer - mit ihrer endlosen Abfolge
an menschlichen Schicksalen, unpassierbaren Wegen,
tödlichen Abhängen und harter, kräftezehrender
Arbeit.
Die Apuanischen Alpen sind jedoch auch Abstieg; Abfluss
des Wassers an den Hängen des Monte Sumbra, wo
seit der letzten Eiszeit enorme Becken entstanden,
die Riesentöpfe.
Ein Abstieg in das Paradies der Speläologen,
die Corchia-Höhle, die sich Kilometer weit in
die Tiefe, in das Innere der Erde erstreckt.
Die Erforschung ist hierbei noch nicht abgeschlossen
und bringt stets neue Abzweigungen, Verbindungen,
riesige Hallen und Stalaktitengalerien hervor.
Die Apuanischen Alpen als Herzstück eines Naturparks
bilden einen unvergesslichen Mikrokosmos, eine unerwartete
und einzigartige Erfahrung im Zeichen starker Gefühlsregungen.