TrapaniMarsala.
Marsala hat sehr alte Ursprünge. Im 8. Jh. v.
Chr. gründeten die Phönizier im nahegelegenen
Flachwassergebiet vor der Küste die Stadt Mozia.
Es waren dann die Flüchtlinge aus Mozia, der
Invasion und den Zerstörungen des Dionysios I.
von Syrakus entkommen, die Marsala gründeten.
Diese wurde, wahrscheinlich schon mit dem Namen Lilibeo,
eine wichtige karthagische Militärbasis, verteidigt
von einem gewaltigen Mauergürtel, von dem noch
heute sichtbare Spuren übrig sind.
Unter römische Herrschaft gefallen (wahrscheinlich
hieß sie erst seit damals Lilybeum), war Marsala
der Ausgangspunkt für den Feldzug gegen Karthago,
der von Scipio geführt wurde.
Er erhielt aus diesem Grund später den Beinamen
Africanus. Den Römern folgten die Vandalen unter
Geiserich nach, dann kamen die Byzantiner. Als die
Stadt unter arabische Herrschaft kam, wurde sie Marsa-Allah,
d.h. Hafen des Allah, genannt. Das ganze Mittelalter
hindurch hatte sie außerordentliches Glück,
insofern daß sie weiterhin wichtiges Handelsund
Verkehrszentrum blieb.
Die Normannen eroberten Marsala 1072, bauten das Schloß
wieder auf und konstruierten Kirchen und Konvikte.
Um die Mitte des 16. Jh. begann die Zeit des wirtschaftlichen
Verfalls, aber die Stadt, die noch durch einen starken
Mauergürtel befestigt war, blieb weiterhin Sitz
einer militärischen Garnison und behauptete ihre
wichtige strategische Rolle. Im 18. Jh. errichteten
unternehmerische Engländer die erste Weinproduktionsstätte
des Marsala, der in der Folge eine gewichtige Rolle
in den wirtschaftlichen Wechselfällen der Stadt
spielen sollte.
Sehenswertes. BESICHTIGUNG DER STADT: es gibt mindestens
vier Hauptgründe für eine Besichtigung Marsalas:
die punischen Überreste, der griechisch-römische
archäologische Park, der Dom (der Thomas von
Canterbury geweiht ist) und das Regionalmuseum.
Der Dom San Tommaso di Canterbury befindet sich in
der Altstadt.
Er wurde in normannischer Zeit errichtet und in den
folgenden Jahrhunderten weitläufig umgestaltet.
Seine Fassade, die die Piazza Repubblica (wie sie
heute heißt, einst hatte sie den Namen Piano
della Loggia) beherrscht, zeigt unten noch die originale
architektonische Ordnung, sowie Elemente aus dem 18.
Jh. wie das Portal und die Laibung der Fenster.
Das Innere, das aus drei Schiffen besteht, ist reich
an sehr interessanten Kunstwerken: in der Kapelle
links des Chorraums gibt es eine Ikone aus Marmor
zu sehen. Sie wurde von Bartolomeo Berrettaro begonnen
und von Antonello und Gian Domenico Gagini beendet.
Von Antonello stammt auch die Statue des Heiligen
Thomas, in deren Sockel die Ungläubigkeit des
Heiligen eingemeißelt ist. Die schönen
Weihwasserbecken sind von 1474 und 1573.
Ebenfalls auf der Piazza Repubblica, die das Zentrum
des städtischen Lebens ist, erhebt sich der Palazzo
della Loggia (18. Jh.), der einst Sitz der Stadtverwaltung
war.
Hinter dem Dom, in der Via Garraffa 57, ist das Gobelin-Museum
eingerichtet worden, wo man acht prächtige flämische
Wandteppiche des 16. Jhs. bewundern kann, die Episoden
aus dem Krieg des Titus gegen die Juden darstellen.
Die Kirche und das Konvikt San Pietro liegen nur wenige
Schritte entfernt, in der Via XI Maggio, die dicht
an der Piazza verläuft.
Die Kirche ist von 1659, geschmückt mit einer
schönen Rosette und im Innern prächtig ausgestattet.
Läuft man auf der Via XI Maggio weiter, erreicht
man das Gebäude des Jesuitenkollegs, das heute
Sitz der Städtischen Pinakothek für zeitgenössischen
Kunst ist.
Sie ist dazu bestimmt, in das Museum del baglio Anselmi
umzuziehen.
Zurück auf der Piazza Repubblica, sich nach rechts
in die Via Garibaldi wendend, gelangt man zur Porta
del Mare, auch Porta Garibaldi genannt. Sie wurde
zur Erinnerung an die Landung der 1000 am 11. Mai
1860 erbaut. (So erklärt sich auch der Name der
oben genannten Straße). Hier ist das Rathaus
von Marsala, in einem Palazzo des 16. Jhs. von niedrigem
Umriß. Er war das Quartier der spanischen Garnison,
später das der Bourbonischen.
Wie jeder sehen kann, der sich in den Straßen
und auf den Plätzen der Stadt bewegt, gibt es
weitere Gebäude, die eine Betrachtung verdienen:
die Kirche dell'Addolorata, die in Richtung des Hafens
liegt. Ihre Fassade ist nach außen gewölbt
und elegant dekoriert; die Kirche del Carmine aus
dem 16. Jh. auf der gleichnamigen Piazza: sie hat
einen Säulengang, eine Fassade mit drei Bögen
und einen separat stehenden Kampanile sowie einen
mächtigen achteckigen Grundriß; die Kirche
San Francesco (18. Jh.) mit einem schönen Portal
aus dem 18. Jh.; die Kirche dell'Itriella, die im
16. Jh. erbaut wurde - sie ist von großer Würde
aufgrund der Erlesenheit ihrer Ausschmückung,
die zum Teil noch sichtbar ist, trotz des verfallenen
Äußeren.
Die Kirche Santa Maria della Grotta wurde in normannischer
Zeit aus Fels gehauen. Im 18. Jh. mußte sie
restauriert werden, nach einem Plan von Giovanni Biagio
Arnico.
Folgt man der Strandpromenade in Richtung Westen,
gelangt man zum baglio Anselmi, der das Archäologische
Museum beherbergt. (der baglio, der mit der Weinproduktion
in Zusammenhang steht, die typisch für das Gebiet
ist, ist ein architektonischer Komplex mit einer Typologie,
die vor allem für das 18. Jh. charakteristisch
ist).
Dem Museum, das nach neuen Erkenntnissen der Didaktik
konzipiert ist, ist ein Saal vorangestellt, der mit
seinen Ausstellungstafeln und hellen Bildern zu einer
aufmerksamen Besichtigung stimuliert und bei dem reichen
Ausstellungsmaterial als Führer dient. Er enthält
vorgeschichtliche Fundstücke, inklusive derer
von Mozia und den umliegenden Gebieten. Dann geht
es mit dem punischen Mozia und den Materialien, die
aus der Nekropolis von Lilibeo stammen, weiter - sie
sind chronologisch geordnet.
In einem großen Extra-Saal, der rechts vom Eingang
liegt, sind die Überreste eines punischen Schiffes
aufbewahrt, das man im Gewässer des Flachwassergebiets
vor der Küste in den 70er Jahren gefunden hat.
Es ist ein einzigartiges Beispiel für ein Schiff
diesen Typs. Zusammen mit dem Schiff sind zahlreiche
Stücke der Ladung, Ballaststeine und Schiffsausrüstungsteile
gefunden worden.
Unweit des Archäologischen Museums liegt rechts,
isoliert auf einer riesigen Piazza, die kleine Kirche
San Giovanni. Sie steht oberhalb einer Grotte, die
eventuell als frühchristliche Taufkapelle diente.
Die Grotte heißt Sibilla Lilibetana, der Legende
zufolge soll hier die Wahrsagerin ihren Wohnsitz und
ihre Begräbnisstätte gehabt haben.
In diesem Teil der Stadt sind die Reste der punischen
Stadtmauern gut zu erkennen. Zwei Gräbergruppen
aus dieser Zeit, die auch in römischer Zeit benutzt
wurden, kann man in Via Struppa und in Via del Fante
besichtigen.
Folgt man der Strandpromenade über das Archäologische
Museum hinaus, gelangt man zur westlichen Spitze der
Stadt, genannt Capo Boèo.
Hier ist der griechisch-römische archäologische
Park, eine insula der antiken Stadt aus dem 3.-4.
Jh. n.Chr., mit Überresten einer römischen
Siedlung, einem kleinen Thermalgebäude und einigen
mit vielfarbigen Mosaiken geschmückten Räumen,
die Motive des nahen Mosaikrepertoires von Nordafrika
wiederzuspiegeln scheinen. Ein Mosaik ist besonders
schön, die Medusa.Auf der Piazza Castello steht
das normannische Schoß, das bereits zu Anfang
erwähnt wurde. Heute ist es das Gefängnis
von Marsala. Im Itinerar wurde es nicht vorgeschlagen.