TrapaniLevanzo.
Diese Insel vor Favignana liegt einsam in ihrer Isoliertheit,
die ihr praktisch durch die geringe Aufnahmefähigkeit
aufgezwungen wird. Wer aber den Zustand der Ruhe und
die Stille liebt, hält diese Einsamkeit für
ein Privileg. Die Insel ist die Kleinste des Archipels
mit wenigen Häusern, die sich hauptsächlich
in Cala Dogana, einer Bucht, die den besten Anlegeplatz
bietet, befinden. Außerhalb dieser kleinen Ortschaft
liegt eine ausgedehnte bebaute Mulde, die von schroffen
Überhängen begrenzt wird.
Ein Saumpfad überquert die Insel von einer Seite
zur anderen mit einigen Abzweigungen, die es ermöglichen,
die einsamen Schutzhütten der Schäfer zu
erreichen.
Der Horizont ist hier weit und offen wie in Favignana
über dem mittelländischen Buschwald, über
den Kaktusfeigen, die sich an die von der Sonne abbröckelnden
Mauem klammern, über Agaven, deren Stiele sich
so hoch wie Standarten erheben.
Sehenswertes. Geologisch gesehen ist Levanzo die älteste
der drei Inseln des Archipels, da ihre Entstehung
auf die Trias-Zeit, also auf ca. 200 Millionen Jahre,
zurückgeht. Sie ist mit Grotten übersät,
von denen eine, die Grotte del Genovese, der Insel
internationalen Ruhm brachte.
Der Grund dafür ist bekannt: im Innern dieser
Höhle, die sich jetzt 30 m über dem i Meer
befindet, hinterließ der Urzeitmensch Felsverzierungen
mit Darstellungen von Szenen, die ein Zeugnis seines
Lebens und seiner Tätigkeiten sind.
Diese Grotte wurde 1949 durch Zufall entdeckt. Eine
Malerin, Francesca Minellono, die von einem Fischer
Hinweise erhalten hatte, sah diese Felszeichnungen
und fertigte einige Skizzen davon an, die sie dann
der richtigen Person zeigte und zwar dem Gelehrten
Paolo Graziosi vom Institut für Paläethnologie
in Florenz. Bei der folgenden Ortsbesichtigung wurden
die bereits entdeckten Sgraffitti anerkannt und weitere
entdeckt.
Heute bedeutet es ein vergnügliches Abenteuer,
die Grotte auf dem Seeweg mit einem Boot, oder indem
man einen Feldweg auf dem Rücken eines Maultiers
oder zu Fuß passiert, zu erreichen.
Man muß sich bücken, um in die Höhle
eintreten zu können und für einige Zeit
im Dunkeln verweilen, damit sich das Auge an das geringe
Licht gewöhnen kann.
Wenn man dann einmal vor der Wand steht, muß
man das einfallende Streiflicht ausnutzen, um somit
die Sgraffitti in bester Weise betrachten zu können.
Es handelt sich hierbei um 33 Figuren, von denen 29
Tiere und 4 Menschen sind. Man sieht Hirsche, Kühe,
Pferde und vielleicht auch eine Katze.
In der Stille und dem Halbdunkel der Grotte erwecken
diese Bilder, gezeichnet von einem Menschen, der vor
10.000 Jahren gelebt hat, eine starke Gemütsbewegung.
Ganz bestimmt hat der primitive Mensch in dieser Höhle
zwischen Himmel und Meer schwebend seine Riten vollführt.
Die menschlichen Figuren auf der Wand scheinen mit
einem Tanz der Einweihung, einer Art von magischem
Annäherunggsversuch an die Große Mutter
beschäftigt.