SiracusaSehenswertes.
Es empfiehlt sich, mit dem Besuch Syrakus' bei der
Insel Ortygia, dem Kern der antiken Stadt, zu beginnen.
Wenn man über die Brücke kommt, die Ortygia
mit dem Festland verbindet, sieht man zuerst den Apollon
geweihten Tempel, was durch eine auf einer Treppenstufe
angebrachte Inschrift bewiesen wird.
Von dem 1930 bis 1940 ausgegrabenen Tempel sind zwei
auf der Südseite befindliche Säulen mit
einem Teil des Epistyls (Hauptbalken) und Stücke
der östlichen Säulen erhalten; ursprünglich
hatte er wie auch die anderen archaischen Tempel sechs
Säulen auf der kurzen und siebzehn auf der langen
Seite, die Cella war durch Säulen in Schiffe
unterteilt, es gab kein Opisthodomos (Raum hinter
der Cella), und die Wände waren mit polychromen
Mosaikverzierungen überzogen, von denen einige
Bruckstücke im archäologischen Museum zu
sehen sind. In der byzantinischen Zeit war der Apollon-
Tempel eine christliche Kirche, unter der Herrschaft
der Araber eine Moschee.
Wenn man weiter in Richtung Süden geht, kommt
man an der San Paolo-Kirche aus dem 18. Jh. vorbei
und stößt auf den heutigen Corso Matteotti.
Wenn man diesen entlanggeht, läuft man an dem
Cireco-Palast, dem Sitz des Nationalen Instituts für
das Antike Drama und der aus dem 14. Th. stammenden,
im 18. Th. wieder aufgebauten San Cristororo-Kirche
vorbei, bis der Corso Matteotti in den im 19.Jh. angelegten
Archimedes-Platz mündet, an dem die zwei Hauptstraßen
der Stadt (Via Maestranza und Via Roma) zusanunentreffen
und der das Zentrum von Ortygia ist. An dem Platz,
in dessen Mitte sich der Artemis- Brunnen befindet,
stehen künstlerisch wertvolle Gebäude, wie
der Uhrenpalast, der Sitz der Banca d'ltalia, der
aus dem 16. Jh. stammende Lanza Buccheri-Palast und
der 1928 erbaute, an der Nordseite des Platzes befindliche
Bau der Banco di Sicilia.
Von dem Platz erreicht man über die Via Montalto
den Mergulese-Montalto-Palast, dessen schöne
und breite Fassade mit einem Spitzbogenportal und
einer Ädikula, an der sich eine lateinische Inschrift
mit dem Baujahr, 1397, befindet, vollständig
erhalten ist.
Wenn man weiter durch die Via Roma geht, kommt man
zur Concezione-Kirche, die im 17. Jh. auf einem vorher
bestehenden Bauwerk aus dem 14. Jh. errichtet wurde.
Im Inneren der Kirche sollte man sich den Holzchor
aus dem 18.Jh., die Fresken des Gewölbes, die
die Herrlichkeit Marias darstellen und drei interessante
Gemälde von Onofrio Gabrielli, die Gottesmutter
des Briefes, das Blutbad der Unschuldigen und das
Martyrium der Heiligen Luzia, unbedingt angesehen
haben. Zu der Kirche gehört das im 14. Jh. errichtete
Benediktinerkloster, das seit Ende des letzten Jahrhunderts
Sitz der Präfektur ist. Anschließend kommt
man zu der Piazza Duomo. Hier sind zu Anfang des Jahrhunderts
und 1963 durchgeführten
Ausgrabungsarbeiten Funde aus vorgriechischer und
frühgriechischer Zeit gemacht worden, außerdem
hat man die Überreste eines großen antiken
ionischen Tempels vom 6. Th. v. Chr. gefunden.
Im 5.Jh. v. Chr. wurde der große Athene-Tempel
errichtet. Es handelt sich hierbei um ein dorisches
Gebäude, an dessen kurzer Seite 6 und an dessen
langer Seite 14 Säulen stehen; er ruht auf einer
hohen Basis mit drei Stufen. Vor der Cella befand
sich ein Pronaos, hinter ihr ein Opisthodomos, beide
in antis.
Bereits im 7. Jh. n. Chr. wurde der Athene- Tempel
(seine Säulen kann man von der Via Minerva aus
sehen) in eine christliche Kirche verwandelt, die
dann von dem Bischof Zosimos zur Kathedrale Madonna
del Pilière erhoben wurde. Zur Zeit der Normannenherrschaft
wurde das Mittelschiff aufgestockt und die Apsiden
mit Mosaiken verziert.
Die von dem Architekten Andrea Palma 1725 bis 1753
völlig restaurierte Fassade hat zwei übereinander
angeordnete Reihen von korinthischen Säulen.
Die Heiligenstatuen sind von Ignazio Marabitti. Am
Eingang des dreischiffigen Inneren -die Decke des
Mittelschiffes hat ein hölzernes Gebälk
-sind zwei Weihwasserbecken aus dem 19. Th. und an
der gegenüberliegenden Seite zwei 1926 in romanischem
Stil angefertigte Ambonen (erhöhtes Lesepult).
Am Eingang und in den Schiffen sieht man noch die
Säulen des Athene-Tempels.
Im rechten Seitenschiff sind drei Kapellen: in der
ersten ist ein wertvolles Taufbecken aus Marmor aus
dem 12./13. Jh., es ist mit bronzenen Löwen verziert;
in der Santa Lucia-Kapelle aus dem 18. Jh. steht eine
wertvolle Silberstatue der Heiligen aus dem 16. Jh;
auf einer mit herrlichen Basreliefs verzierten Truhe.
Die dritte und letzte Kapelle, die Sakramentskapelle,
ist mit Kalkstein ausgekleidet und in ihrem Gewölbe
sind Fresken, auf denen Szenen aus dem Alten Testament
dargestellt sind. Über dem Marmoraltar mit der
Darstellung des Letzten Abendmahls ein Baldachin von
Luigi Vanvitelli. Am Ende des Schiffes ist ein kleiner
Raum, in dem wertvolle Gemälde von Giuseppe Crestadoro
zu sehen sind. An der Stelle, wo sich einst die rechte
Apsis befand, wurde im 18. Jh. die Gekreuzigten- Kapelle
errichtet.
Die Ausstattung dieser Kapelle gehört heute zum
Kirchenschatz. An sie schließt sich das Presbyterium
an, das 1659 erheblich verändet wurde, als man
den Barockaltar errichtete, weitere tiefgreifende
Veränderungen wurden nach dem Erdbeben von 1693
vorgenommen, als man den Chor vervollständigte
und die große Kuppel fertigstellte.
In der verbliebenen Apsis steht eine Statue der Madonna
della Neve aus dem Jahre 1512 von Antonello Gagini.
Entlang dieses Schiffes stehen mehrere Heiligenstatuen
von den Gagini selbst und aus ihrer Schule.
Der sich an die Südseite des Domes anschließende
Erzbischöfliche Palast wurde am Anfang des 17.
Jhs. in graziler und großzügiger Form errichtet.
Sein heutiges Aussehen haben wir jedoch den im 18.
Jh. vorgenommenen Restaurierungsarbeiten und den Anbauten
aus dem letzten Jahrhundert zu verdanken.
Hier ist die wichtige Alagoniana-Bibliothek untergebracht,
die am Ende des 18. Jhs. gegründet wurde.
Am Anfang der Via Minerva steht der Vernlexio-Palast,
in dem heute das Rathaus seinen Sitz hat.
Der Palast hat bei dem Erdbeben von 1693 keine bemerkenswerten
Beschädigungen erlitten, so daß er im unteren
Teil in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben
ist. Hier hat man dann auch die Uberreste eines ionischen
Tempels aus dem 5. Th. v. Chr. entdeckt. Im ErdgeschoB
wurde ein Saal angelegt, in dem die Geschichte des
Ortes und die Phasen , und Ergebnisse der Ausgrabungsarbeiten
erläutert werden.
An dem Platz stehen außerdem der Interlandi-Palast
und der teilweise in der s Via Landolina befindliche
Francica Nava-Palast, von dessen ursprünglicher,
aus dem 16. Jh. stammender Form, einige Elemente erhalten
geblieben sind.
In der Nähe erhebt sich der mächtige Beneventano
del Bosco-Palast mit einem schönen mittelalterlichen
Innenhof, r der leider zwischen 1779 und 1788 ziemlich
verändert worden ist.
An der Südseite des Platzes steht die Santa Lucia
alla Badia-Kirche, die nach , 1693 als elegante Barockkirche
wieder aufgebaut worden ist.
Das einschiffige Innere ist mit Stuck, Fresken und
Marmorverzierungen vollständig überzogen.
Wenn man die Piazza Duomo durch die Via Picherali
verläßt, kommt man zu der kleinen Piazzetta
San Rocco, deren Aussehen durch den aus dem 15. Jh.
I stammenden Migliaccio-Palast mit seinen wunderschönen
Lavasteinintarsien bestimmt wird.
An diesem Platz ist ein terrassenartiger Aussichtspunkt,
von dem man das herrliche Panorama bewundern kann.
Hier ist auch die berühmte von Papyrusstauden
umgebene Aretusa-Quelle, von der einiges berichtet
wird: die Nymphe Arethusa soll von Artemis in eine
Quelle verwandelt worden sein, weil sie Alpheios nicht
habe heiraten wollen, doch der habe sich ebenfalls
in einen Fluß verwandelt und sein Wasser mit
dem ihrigen vereint.
Von der Arethusa-Quelle kommt man über die Promenade
und die ansteigende Via del Collegio zu der Kirche
des Collegio dei Gesuiti. Sie ist majestätisch
und reich geschmückt, ganz wie es dem Geschmack
der barocken Bauweise entspricht. Bemerkenswert sind
die Kantorien ihres Chores und die Marmorverkleidung
des Hauptaltars mit einer Frontverkleidung aus Silber.
Von hier aus überquert man die Via Cavour und
sofort hinter der Via Santa Maria dei Miracoli steht
die gleichnamige Kirche aus dem 13. Jh.
Hinter der am Meer entlangfuhrenden Promenade liegt
der Große Hafen, der bereits in der Antike außerordentlich
wichtig für den Handel der Stadt war.
An der Spitze der Ortygia-Insel steht das Maniace-Kastell,
ein herrliches Beispiel für die Architektur Kaiser
Friedrichs. Das Bauwerk wirkt solide und kräftig,
es hat einen viereckigen Grundriß und vier runde
Ecktürme. Das Eingangsportal ist wunderschön,
es hat einen Spitzbogen und ist mit buntem Marmor
geschmückt. Auf der Spitze des Bogens ist das
spanische Wappen angebracht. Die ursprüngliche
Struktur des Inneren ist teilweise erhalten geblieben.
Von hier aus geht man die Strandpromenade von Ortygia
entlang bis zu der im 18. Jh. errichteten Kirche dello
Spirito Santo.
Man verläßt die Promenade und geht durch
die Via Capodieci bis zur San Benedetto-Kirche, die
im 16. Jh. erbaut und deren Inneres nach dem Erdbeben
von 1693 völlig umgestaltet wurde. Interessant
ist das beim Hauptaltar befindliche Gemälde des
syrakusanischen Malers Mario Minniti, auf dem der
Tod des Heiligen Benedikt dargestellt ist.
Im ehemaligen Benediktinerkloster ist heute die Regionalgalerie
untergebracht. Der gesamte Komplex besteht aus dem
Parisio-Palast aus dem 14. Jh. und dem etwas größeren
Bellomo-Palast aus dem 13. Jh., von dem die Galerie
ihren Namen erhalten hat.
In den Sälen des Erdgeschosses sind die Skulpturen
ausgestellt. Sehenswert sind die im Saal 3 befindliche
Wandnische von Francesco Laurana, die Gottesmutter
mit Kind und die Madonna del Cardillo von Domenico
Gagini. In Saal 4 sind zwei Reisewagen aus dem 18.
Jh. Im ersten Stock, wo verschiedene Gemälde
ausgestellt sind, kann man auch die Verkündigung
von Antonello da Messina und das Begräbnis der
Heiligen Luzia von Caravaggio bewundem. Es gibt außerdem
heilige Paramente, Silber (unter anderem ein herrliches
Reliquiar der Heiligen Ursula aus dem 18. Jh.), Krippen,
sizilianische und muselmanische Keramik.
Wenn man den Bellomo-Palast wieder verläßt,
geht man die Via Roma bis zur Kreuzung Via Maestranza
entlang: etwa auf der Hälfte steht die San Francesco-Kirche,
die eine besondere konvexe Fassade hat.
Die Kirche stammt aus dem 14. Jh., aus dieser Zeit
ist jedoch lediglich das Portal erhalten geblieben.
Vom 15. bis 18. Jh. wurde sie verschiedene Male umgebaut
und verändert. Die Stuckverzierung des Inneren
und die Deckenfresken sind aus dem späten 18.
Jh.
Wenn man die Via Maestranza entlanggeht, kommt man
an mehreren bemerkenswerten Palästen vorbei:
an dem Bufardeci-Palast, dem Zappata-Gargallo-Palast
(ursprünglich aus dem 15. Jh., dann den Kriterien
des Barock entsprechend verändert), dem Bonanno-
und Impellizzeri-Palast, deren Fassaden reich verziert
und geschmückt sind.
Man verläßt Ortygia, um auf die entgegengesetzte
Seite der Stadt zu gelangen, wo sich die modernen
Viertel, aber auch die bedeutensten Zeugnisse aus
der griechischen Epoche befinden.
An dieser Stelle sollte man aber vielleicht zuerst
einmal die Stadt von oben betrachten.
Wenn man die Hänge der Epipole, einem weitläufigen
Plateau, von dem aus man die ganze Stadt überblicken
kann, hochsteigt, kommt man zum Euryalus- Schloß,
das sich an der höchsten Stelle befindet. Es
wurde von Dionysios dem Älteren zwischen dem
Ende des 5. und zu Anfang des 4. Jhs. v. Chr. errichtet
und ist eines der interessantesten.
Beispiele für antike Verteidigungsanlagen; seine
ungeschützte Westseite ist von drei tiefen Gräben
umgeben; es gibt mehrere Geheimgänge und enge
Stollen, durch die sich die bewaffneten Krieger schnell
und heimlich bewegen und ihren Standort verändern
konnten, ohne vom Feind gesehen zu werden, um ihn
dann überraschend anzugreifen.
Vom Kastell aus kann man eine Weile entlang der Stadtmauern
laufen, die die Stadt umgaben, und kommt dann zu der
griechischen Treppe, dem sogenannten Hexpylon, dem
antiken Ortseingang.
Man steigt nun durch die Via Necropoli Grotticelli
von der Epipole herab und gelangt zur Viale Rizzo,
die am Neapolis-Park entlang verläuft, wo sich
die interessantesten Bauwerke des griechisch-romischen
Syrakus' befinden.
Hier kann man nun das römische Amphitheater,
ein grandioses Bauwerk aus dem 1. Jh. v. Chr. (verschiedene
Experten sind der Ansicht, es stamme aus dem 3./4.
Jh. n. Chr.) besichtigen. Es hat einen elliptischen
Grundriß mit einem äußeren Portikus.
Das Theater kann durch den Süd- und den Nordeingang
betreten werden. Die Arena ist von einem hohen Podium
umgeben, dahinter befindet sich ein überdachter
Korridor. Von dem aus gehen die für die Zuschauer
vorgesehenen Stufen ab. In der Mitte der Arena ist
ein großes unterirdisches Gewölbe, das
der Lagerraum des Amphitheaters war.
Anschließend kommt man zum Altar Hierons, einem
198 m langen Monumentalaltar, den Hieron II. errichten
ließ, um hier die öffentlichen Tieropferungen
durchzuführen. Gegenüber dem Hieron-Altar
befinden sich das griechische Theater und die Latomien.
Das Theater ist eines der schönsten seiner Art,
es spielte für das kulturelle Leben der Stadt
eine bedeutsame Rolle. Verschiedene Quellen geben
an, daß es in Syrakus seit der Mitte des 5.
Jhs. ein Theater gegeben haben soll.
Die Anlage, die wir heute sehen können, stammt
aus der Zeit der Herrschaft Hierons II., das heißt
aus dem 3./2. Jh.v. Chr. Der Zuschauerraum ist einer
der größten der griechischen Welt: 67 aus
Stufen bestehende Zuschauerreihen sind durch 8 Treppen
in neun Sektoren unterteilt. In der römischen
Epoche wurde das Theater erheblich umgebaut und dem
Idealtyp des für Spiele und Wettkämpfe vorgesehenen
römischen Theaters angeglichen.
Das Theater ist auch heute noch in Betrieb: alle zwei
Jahre finden hier Aufführungen klassischer Dramen
statt, zu denen immer zahlreiche Zuschauer kommen,
da die Umgebung und die besondere Atmosphäre
nicht aus der heutigen Zeit zu sein scheinen.
In der Nähe des Theaters sind die Latomien. Es
handelt sich hierbei um große Steinbrüche,
aus denen die Sklaven das Baumaterial für die
antiken Bauten herausbrachen. Sie gehören zu
den Sehenswürdigkeiten von Syrakus.
Thukydides ist der Ansicht, daß sie auch als
Gefängnisse dienten. Das wird von Cicero bestätigt,
der außerdem ihre Tiefe und Herrlichkeit hochpries.
Westlich des Theaters ist die größte Latomie,
die Latomia del Paradiso, die an einigen Stellen 45
m tief ist.
Die bekannteste Latomie ist allerdings das Ohr des
Dionysios mit einem spitzen Gewölbe.
Der Name wurde ihr von Caravaggio gegeben, der sie
im Jahre 1586 besichtigte und die Legende entstehen
ließ, daß der Tyrann Dionysios die hervorragende
Akustik ausnutzte und die Gespräche der Gefangenen
belauschte.
In der Nähe liegt die Cordari-Grotte, die Seiler-Grotte,
die diesen Namen trägt, weil hier lange Zeit
die Seiler ihre Seile drehten. Von hier aus kommt
man zu der Salnitro-Grotte und der Intagliatella-Latomie,
dann unter einem in den Felsen gehauenen Bogen hindurch
zu der Venus-Latomie, die kleiner als die vorher beschriebenen,
aber wegen der üppigen Vegation besonders schön
ist.
Interessant ist auch ein Besuch der nahegelegenen
Grotticelli-Nekropole mit griechischen, hellenistischen
und römischen Gräbern. Hier ist auch das
sogenannte Archimedes-Grab, das zu Unrecht für
die Grabstätte des großen syrakusanischen
Wissenschaftlers gehalten wurde.
Wenn man nun den Neapolis-Park verläßt,
die Viale Augusto und die Viale Teocrito überquert
hat, erreicht man die in der Normannenzeit errichtete
San Giovanni- Kirche, die bei dem Erdbeben von 1693
zerstört und anschließend teilweise wieder
aufgebaut wurde.
Über eine Treppe kommt man zu der San Marciano-Krypta.
Rechts von der Kirche sind die San Giovanni Katakomben
aus dem 4. Jh. n. Chr. mit den für sie typischen
verwinkelten und verschlungenen Tunneln und Stollen,
in denen sich Tausende von Gräbern und gelegentlich
Fresken und christliche Symbole befinden.
An der Viale Teocrito erstreckt sich auch der Park
der Villa Lanolina, in der das Archäologische
Museum untergebracht ist.
Es trägt den Namen Paolo Orsis, eines großen
Archäologen, der lange Jahre in Syrakus tätig
war. Die sternförmige Anlage erstreckt sich über
9000m2.
Die drei Sektoren A, B, und C bieten dem Besucher
drei verschiedene Rundgänge, dem Leuchtkarten,
Lehrmittel und Karten zur Verfügung stehen, so
daß er die ausgestellten Gegenstände auch
in ihrem historisch-kulturellen Zusammenhang betrachten
und verstehen und somit ihren Wert erfassen kann.
Der Sektor A ist der Vor- und Frühgeschichte
gewidmet. Zu den Funden aus der Bronzezeit gehören
die aus der mittleren Bronzezeit, 15. bis 13. Jh.
v. Chr., der Thapsos-Kultur, für die die gräulich
gefärbte Keramik mit eingeritzten Verzierungen
typisch ist. Zur späten Bronzezeit, 13. bis 11.
Jh. v. Chr., gehören die aus Caltagirone, Cassibile
und Pantalica stammenden Funde. Letztere war eine
der fortgeschrittensten Kulturen in der Zeit von 1270
und 650 v. Chr ., die handwerklichen Erzeugnisse sind
von erstaunlicher Machart wie zum Beispiel die rotglänzenden
Keramiken und die fein gearbeiteten Metallgegenstände,
Schmuck, Spiegel, Fibeln.
Der Sektor B ist der Zeit der griechischen Kolonisierung
gewidmet. Hier sind die Materialien aus Megara Hyblea
und Syrakus. Von den aus Megara stammenden Funden
ist eine Kourotrophos, eine Göttin, die ihre
Zwillinge säugt, ganz besonders sehenswert. Sie
stammt aus dem 6. Jh. v. Chr. und ist aus bemaltem
Kalkstein angefertigt. Schön ist auch ein Grabmal,
auf dem der Name des Verstorbenen eingraviert ist
(der Arzt Sambrotidas, Sohn des Mandrokles).
Im Raum, in dem die Funde aus Syrakus ausgestellt
sind, kann man als erstes die Statue der Venus Andyomene,
eine römische Kopie des hellenistischen Originals
aus dem 2. Jh. v. Chr ., bewundem.
Hier befinden sich auch aus Ortygia stammenden Materialien
prähistorischer Zeit.
Durch eine außergewöhnlich gelungene Anordnung
der Gefäße, bekommt man einen klaren Überblick
über die kontinuierliche Besiedelung des Ortes.
Die interessanteste Statue ist die aufrechte männliche
Figur, der drapierte Kouros aus dem 5. Jh.
Besonders interessant sind außerdem die beim
Demeter-Tempel gefundenen Ex voto; eine große,
schwarzlackierte Vase mit einer der Artemis gewidmeten
Inschrift; Grabbeigaben, die aus den großen
syrakusanischen Nekropolen stammen, die archaischen
kugelförmigen Ariballoi (altgriechische Vasen),
das berühmte stilisierte Bronzepferdchen aus
dem 8. Jh. v. Chr., zahlreiche korinthische und protokorinthische
Vasen.
Es folgen nun die den großen Tempeln gewidmeten
Räume: der für die Architekturfragmente
des Apollon- Tempels, des ionischen Tempels und des
Athenaion mit einigen Keramiken, die sein Äußeres
schmückten, Modelle dieses und zwei weiterer
Tempel.
Die aus den außerhalb der Stadt befindlichen
Heiligtümern stammenden Funde geben uns wichtige
Hinweise über das Verhältnis von Syrakus
zu seinem Umland.
Der Sektor C ist den Funden aus den zu Syrakus gehörenden
Kolonien (Akrai, Kasmenai und Kamarina) und aus Elorus
(siehe) sowie den anderen hellenisierten Orten Ostsiziliens
gewidmet.
Der letzte Teil des Sektors umfaßt die Materialien
aus Gela und Agrigent. Aus Kasmenai stammt unter anderem
ein aus Kalkstein angefertigtes Hochrelief, auf dem
eine Kore mit einer Taube dargestellt ist (570 bis
560 v. Chr.).
Aus Kamarina kommt ein großes tönernes
Tempel-Akroterion (Zierglied, 5. Th. v. Chr.).
Aus Gela stammen bemerkenswerte Terrakotten, die zur
Verkleidung der Tempel dienten, zahlreiche Keramiken
und eine interessante, von Polignoto gezeichnete Pelike
(Vorratsgefäß) aus den Jahren 440 bis 430
v. Chr.
Die Ausstellung endet mit interessanten Gegenständen
aus Agrigent, die Keramiken und kleinere Terrakottafiguren
umfassen.
In der Viale Teocrito, neben dem Archäologischen
Museum, befindet sich das Papyrus-Museum, 1989 eröffnet.
In den drei Sälen ist, mit wissenschaftlicher
Akribie angelegt, eine Dokumentation der Papyruspflanze
zu sehen: ihre Verarbeitung und wie sie? benutzt wurde,
seit den Zeiten des alten Ägypten bis zum antiken
Syrakus.
Wenn man das Museum verläßt und in die
Via Von Platen geht, kommt man an der Katakombe Vigna
Cassia und Santa Maria di Gesù vorbei, die
nicht für Besucher geöffnet ist.
Wenn man dann die Bassa Acradina hinuntergeht, stößt
man auf die Kapuzinerkirche aus dem 17. Jh., wo sich
ein dem neapolitanischen Maler Mattia Preti zugeschriebenes,
die Gottesmutter mit der Heiligen Agathe und der Heiligen
Luzia darstellendes Gemälde befindet.
Hier ist auch die Latomie der Kapuziner, mit ihrer
reichen und schönen Pflanzenpracht.
Wenn man nun fast bis ans Ende der Via Teocrito geht,
dann rechts in die Via Monte Grappa einbiegt, erreicht
man die Piazza Santa Lucia, wo sich die Santa Lucia-Kirche,
die Begräbniskapelle und die Katakomben befinden.