Ragusa.
Der Name der Stadt leitet sich von dem antiken Hybla
Heraia her, einem sikulischen Ort, der im
6. Jh. v.Chr. hellenisiert wurde und mit dem heutigen
Hybla oder dem "unteren Ragusa"
gleichzusetzen ist. Dies ist der alte Kern, welcher
zusammen mit dem "oberen Ragusa", von dem
es durch die Steinbrüche getrennt ist, die moderne
Stadt bildet. Von Heraia kam dann auch der Name: Hereum,
Heresium, Reusa, Raccusa oder Ragus, und schließlich
Ragusa.
Die verschiedenen Nekropolen der Umgebung beweisen,
daß der Ort bereits seit dem dritten Jahrtausend
v.Chr. bewohnt war, besonders im 9. und 8. Jh., wie
aus den Ofengräbern in den Steinbrüchen
hervorgeht. Die Ankunft der Griechen brachte den Fortschritt,
dessen Wahrzeichen der im 6. Jh. v.Chr. angelegte
Hafen von Camarina (siehe) war.
In der Folge wurde die Stadt erst von den Karthagern
erobert und dann, ohne Widerstand zu leisten, von
den Römern, die sie dafür
mit Steuerprivilegien ("decumana"-Stadt)
auszeichneten.
Vom 4. Jh. n.Chr. an herrschten hier die Byzantiner,
und zwar 500 Jahre lang, bis die Stadt im Jahre 868
schließlich definitiv an die Araber
fiel, die bereits mehrmals versucht hatten, sie zu
nehmen.
Unter normannischer Herrschaft wurde
sie im Jahre 1091 von dem Grafen Roger an seinen Sohn
Gottfried weitergegeben, der hier Kalabreser aus Cosenza
ansiedelte (man sieht, aus wie vielen unterschiedlichen,
nahen und fernen Regionen die heutigen Sizilianer
kommen!).
Die Familie Chiaromonte veränderte
vom 14. bis zum 16. Jh. das Aussehen der Stadt; hier
wie auch anderswo entstanden außerdem die Bauten
der aufkommenden religiösen Orden.
Unter den Staufern, dem Haus Anjou,
den Aragonesern (die sie zur Grafschaft
erhoben und ihre Verwaltung Giovanni Prefolio übertrugen,
dem hiesigen Haupt der antifranzösischen Vesper-Aufstände),
und mehr noch unter der Familie Cabrera
und durch die Erbpacht-Konzessionen von 1452 entwickelte
sich die Stadt stetig weiter und der Wohlstand wuchs.
Das Erdbeben von 1693 traf auch Ragusa und brachte
die neue Bauernkaste dazu, sofort eine neue Stadt
jenseits der Steinbrüche, auf dem nächsten,
"Patro" genannten Hügel, zu bauen,
während der alte Feudaladel erst 1730 den Wiederaufbau
des zerstörten Hybla in Angriff nahm, wo jedoch
immer noch die Verwaltungsmacht ihren Sitz hatte.
1838 entdeckte man die Asphaltvorkommen, die heute
noch ausgebeutet werden. 1865 wurden die beiden Stadtteile
zu autonomen Gemeinden, die jedoch 1926 wieder zusammengelegt
wurden und 1927 gemeinsam die Provinzhauptstadt bildeten.