PalermoSehenswertes.
Ein Besuch Palermos sollte auf jeden Fall im Herzen
der alten Stadt beginnen, nämlich dort, wo sich
einst die Paläopolis befand.
Hier haben die Normannen auf der Ruine eines ehemaligen
muselmanischen Palastes ihre Residenz errichtet.
Der Königspalast oder Normannenpalast liegt gegenüber
der heutigen Piazza della Vittoria, an der im Jahre
1905 die Villa Bonanno errichtet wurde.
Auf der Ostseite des Platzes kann man die Überreste
des Sclafani-Palastes sehen, der einer der mächtigsten
sizilianischen Familien des 14, Jhs. gehörte.
Der Königspalast, der die Form eines unregelmäßigen
Parallelflaches hat, ist mit vier Ecktürmen ausgestattet:
Pisana (ist als einziger heute noch erhalten), Joaria,
Greca und Chirimbi. In der Mitte des 16. Jhs. begannen
die Restaurierungsarbeiten, die das Gebäude ziemlich
veränderten und ihm sein heutiges Aussehen verliehen.
Bei vor nicht allzu langer Zeit vorgenommenen Ausgrabungsarbeiten
sind die Überreste der alten punisch-römischen
Stadtmauer zum Vorschein gekommen.
Beim Betreten der Anlage kommt man in einen großen,
mit Loggien versehenen Innenhof (Hof des Vizekönigs
Maqueda, 1600), dem durch die geordnete Aufeinanderfolge
der Bögen ein harmonisches und elegantes Aussehen
verliehen wird.
Von dem letzten Balkon des Maqueda-Innenhofes kommt
man in den Herkules-Saal, der auf den Brunnenhof geht
und heute Sitz der sizilianischen Regionalversammlung
ist. Auf den den Herkules-Saal schmückenden Fresken,
die Giuseppe Velasquez im Jahre 1799 anfertigte, sind
die Szenen der Mühen des Herkules zu sehen.
Nachdem man den Saal der Vizekönige durchquert
hat, kommt man in einen Raum, der ursprünglich
wahrscheinlich zu dem alten Joaria-Turm gehört
hat und anschließend in den Roger-Saal, der
wegen der herrlichen, wahrscheinlich aus der Zeit
der Herrschaft Rogers stammenden Wandmosaiken besonders
schön ist.
Es sind Jagdszenen, Tiere und Pflanzen zu sehen, die
an die darstellende Kunst und die Mosaiken des moslemischen
Orientes erinnern.
Zwischen dem Fontana-Hof und dem Maqueda-Hof erhebt
sich die Cappella Palatina. Der Besuchereingang zur
Kapelle liegt an der Piazza Indipendenza.
Die auf Wunsch Rogers II. erbaute Kapelle fällt
wegen der geometrischen Reinheit ihrer Formen auf.
Sie wurde jedoch in den Palast eingegliedert.
Das geschlossene und würdevolle Innere besteht
aus drei vom Mittelteil der Kirche ausgehenden Schiffen,
deren Raum durch vier große, gegenüberliegende
Spitzbögen unterteilt wird.
Die Farbwirkung der Wandmosaiken byzantinischer Tradition
ist außerordentlich. Sie stellen gleichzeitig
ein wunderbares Beispiel christlicher Baukunst und
Gottesverehrung dar .
In der Kuppel beherrscht der Christus Pantokrator
zwischen Engeln die ganze Kirche. Im Querschiff sind
Geschichten aus dem Leben Christi dargestellt, im
Hauptschiff Geschichten aus dem Alten Testament. In
der Wölbung der Apsis ist wieder der Christus
Pantokrator.
Die Seitenschiffe sind den Geschichten von Petrus
und Paulus gewidmet.
Die Holzdecke des Mittelschiffes besticht durch das
für christliche Gotteshäuser sehr seltene
Stalaktitgewölbe mit zahllosen Motiven kirchlicher
und weltlicher Themen. Sie ist ein außergewöhnliches
Werk von den Meistem muselmanischer Kunst, die auch
im normannischen Sizilien besonders beliebt sind.
Wenn der Besucher den Königspalast verlassen
und die Piazza Vittoria überquert hat, kommt
er zu der Porta Nuova, dem Stadttor aus dem 16. Jh.,
das wegen seiner majestätischen Pracht, der Majolika-Spitze
und den riesigen Büsten der vier gefangenen Mohren
mit abgeschlagenen Armen unvergeßlich bleiben
wird.
Wenn der Besucher auf die andere Seite der Porta Nuova
geht, kann er von hier aus den Besuchereingang der
Cappella Palatina und die San Giovanni degli Eremiti-Kirche
(siehe unten) erreichen.
Vor der Porta Nuova befindet sich das alte San Giacomo-Viertel,
das zwischen dem 16. und 17. Jh. von den Spaniern
erbaut wurde.
Danach kommt man zum Gebäude des alten Seminars
(1583-1591), einem Werk von Giorgio di Faccio, an
dessen Vorderseite zwei wunderschöne Balkone
angebracht sind (der rechte ist ein Original-Werk
von Vincenzo Gagini).
In der Nähe liegt auch der von Erzbischof Simone
di Bologna im Jahre 1460 erbaute Erzbischöfliche
Palast. Seine gotisch-katalanische Triphore ist besonders
interessant.
Im Inneren des Palastes ist das Diözesan-Museum
untergebracht (derzeitig im Umbau), in dem zahlreiche
Ausstellungsstücke geistlicher Kunst von hohem
Wert bewundert werden können.
Im ersten Stock ist außer dem Saal des Zoppo
di Gangi (ein der Lahme von Gangi genannter Künstler)
ein Raum, in dem sizilianische Kunst aus dem 18. Jh.,
vor allem Werke hiesiger Maler bewundert werden können.
Gegenüber dem Erzbischöflichen Palast erhebt
sich die Kathedrale in ihrer beeindruckenden Größe,
vor der an der auf den Corso Vittorio Emanuele gehenden
Seite ein großer, freier Platz liegt, der 1452
vom Erzbischof Simone di Bologna angelegt wurde.
Die Kathedrale hat eine lange und komplizierte Geschichte.
An ihrer Stelle stand ehemals eine byzantinische Kirche,
die von den Arabern in eine Moschee umgebaut wurde.
Erzbischof Gualtiero Offamilio, ein Minister Wilhelms
II., war von 1184 bis 1185 für die Erbauung der
Kathedrale verantwortlich. Im Laufe der Zeit wurde
die Kirche jedoch mehrere Male erheblich umgebaut
und verändert.
Zwischen dem 14. und 15. Jh. wurden die oberen Teile
der Ecktürme aufgestockt, das gotische Portal
der Südfassade ist ein Meisterwerk der katalanischen
Gotik und stammt aus dem Jahre 1453. Das wunderbar
geschnitzte Hauptportal von Antonio Gambera stammt
aus dem Jahre 1426.
Bei den zwischen 1781 und 1801 dem Architekten Ferdinando
Fuga übertragenen Arbeiten wurde der Kirche ihr
jetziges Inneres im klassizistischen Stil verliehen;
zur gleichen Zeit wurde zusammen von Attinelli und
Marvuglia die grandiose Kuppel fertiggestellt, die
alles beherrschend aus dem Körper des Gebäudes
hervorragt.
An die Schiffe grenzen der Chor und die Apsiden, die
den größten Raum der Kirche einnehmen.
An den Außenwänden der Apsiden ist eine
aus ineinander verflochteten Bögen, Scheiben,
Faszen und zweifarbigen, aus Lava- und Kalkstein bestehenden
Intarsien angefertigte, besonders erlesene und elegante
Verzierung angebracht.
Südlich des Haupteingangs befinden sich die Kaisergräber
mit den Sarkophagen von Friedrich II., Roger II.,
Heinrich IV. und Konstanze de Hauteville.
Was die Skulpturen betrifft, so sind die von Gagini
besonders sehenswert.Einige von ihnen gehören
zu dem großen Retablo des Hauptaltars, das während
der im 18. Jh. ausgeführten Arbeiten entfernt
wurde.
Die Sakramentskapelle befindet sich am Ende des linken
Seitenschiffes und ist mit wertvollen Steinen und
Lapislazuli geschmückt.
Am Ende des rechten Seitenschiffs hingegen ist die
Kapelle der Heiligen Rosalia. Sie ist mit einem Bronzegitter
verschlossen, und in ihr steht die silberne Urne der
ganz besonders verehrten Heiligen.
Sehenswert sind auch die zum Kirchenschatz der Kathedrale
gehörenden Gegenstände: Kelche, Hostienbehälter,
Paramente und die berühmte Krone von Konstanze,
die in ihrem Grab gefunden wurde.
Aus der Kathedrale kommend gelangt man zur Via Matteo
Bonello, wo sich die Loggia und die Krönungskapelle
befinden. Diese stammt aus der normannischen Zeit
und wurde an der Stelle errichtet, wo sich vormals
eine muselmanische Moschee befand, von der noch die
Reste eines Hypostilsaals aus aglabitischer Zeit (9.
Jh. n. Chr.) erhalten geblieben sind.
An der Außenseite der Kapelle befindet sich
die sogenannte Krönungsloggia aus dem 16.-17.
Jh.
Hier zeigten sich die Könige Siziliens nach ihrer
Krönung dem Volke.
Wenn der Besucher wieder zum Cassaro, dem heutigen
Corso Vittorio Emanuele zurückkehrt, trifft er
auf den Castrone Santa Ninfa-Palast aus dem 16. Jh.,
für den mächtige, plastische Formen und
elegante Verzierungen kennzeichnend sind.
Er kommt dann an dem ehemaligen Jesuitenkolleg vorbei,
das heute Sitz der sizilianischen Regionalbibliothek
ist.
Anschließend erreicht er die SS. Salvatore-Kirche,
an deren Stelle sich ehemals ein aus dem 11. Jh. stammendes
Kloster mit dazugehöriger Kirche von Basilianernonnen
befand.
Das heutige Gebäude mit seinen prächtigen,
prunkvollen Formen wurde im 17. Jh. ganz nach den
Regeln der damaligen Baukunst errichtet.
Die weiche, kurvige Innenausschmückung besteht
aus den warmen Farben des bunten Marmors und der klaren
Pracht der Stuckarbeiten.
Man kommt nun zur Piazza Bologni, die früher
ein freier Platz war, an den die heute noch bestehenden
Paläste grenzten (Ugo-Palast, Villairanca-Palast,
Belmonte-Riso-Palast).
Am Anfang der Piazza erhebt sich das Denkmal Karls
V., eine Bronzestatue von Scipione Li Volsi von 1631.
Man geht auf dem Corso weiter bis zur Kreuzung mit
der Via Maqueda: hier ist die Piazza Vigliena: die
Quattro Canti der Stadt, die mit ihren konkaven Strukturen
das Herz von Palermo um- schließen. Sie wurde
früher auch das Sonnentheater genannt.
Die Skulpturen wurden nach dem Entwurf des Architekten
Giulio Lasso zwischen 1608 und 1620 angefertigt und
zwar an der Stelle, wo der Cassaro im rechten Winkel
auf die neue Hauptstraße der Stadt, die Via
Maqueda, traf.
Die an allen vier Ecken befindlichen Statuen stellen
die spanischen Herrscher, die Jahreszeiten und die
Schutzheiligen der Stadt dar und wurden von berühmten,
fähigen Künstlern aus Palermo angefertigt
(D'Aprile, La Mattina, Tedeschi und andere).
An die südliche Ecke schließt sich die
aus dem Jahre 1612 stammende San Giuseppe dei Teatini-Kirche
an, die von Giacomo Besio entsprechend des durch Pracht
und Pomp gekennzeichneten barocken Geschmackes errichtet
wurde, um die Macht des Theatiner-Ordens, dem der
Baumeister selbst angehörte, stahdesgemäß
zum Ausdruck zu bringen
Das Innere der Kirche besteht aus drei Schiffen mit
großzügiger, weiter Raumaufteilung und
einer Ausschmückung aus buntem Marmor und Stuckarbeiten
mit intensiv chromatischer Wirkung.
Von hier aus geht der Besucher ein paar Schritte durch
die Via Maqueda und kommt zur Piazza Pretoria, wo
der Senatoren-Palast, das heutige Rathaus, die barocke
Santa Catarina-Kirche und der wunderschöne Brunnen
des toskanischen Bildhauers Francesco Camilliani,
unter Mithilfe von Michelangelo Nacherino erbaut,
stehen.
Der Brunnen wurde 1574 von Camillo Camilliani, Sohn
des Francesco, erneuert.
Der Senatorenpalast stammt aus der zweiten Hälfte
des 15. Jhs., er wurde allerdings im 16. und 17. Jh.,
anschließend im Jahre 1823 wegen der durch ein
Erdbeben entstandenen Schäden und endlich 1875
nach dem Entwurf von Giuseppe Damiani Almeyda erheblich
verändert.
Die aus dem 15. Jh. stammende und anschließend
verschiedene Male umgebaute Santa Caterina-Kirche
hat eine aus zwei Ebenen bestehende Fassade, die von
Lisenen unterbrochen und durch ein wunderschönes
Portal Gaginis geschmückt wird.
Die Raumaufteilung des Inneren wurde nach einem für
den Barock typischen Konzept vorgenommen: mit einer
Aula, die den Raum des Querschiffes, des Presbyteriums
und der großen Kuppel aufnimmt. Die Kirche gehört
zu den am reichsten geschmückten und prachtvollsten
der damaligen Zeit.
An der angrenzenden Piazza Bellini liegt die Santa
Maria dell'Ammiraglio-Kirche, die auch von dem neben
ihr liegenden Konvent den Namen Martorana-Kirche trägt.
Das Kloster wurde 1194 von Elvira Martorana gegründet
und besteht heute nicht mehr.
Die Kirche wird von einer konkaven Barockfassade verborgen,
die zusammen mit anderen seit 1588 vorgenommenen baulichen
Maßnahmen das Gebäude völlig veränderten.
Die ursprüngliche Kirche wurde im Jahre 1140
auf den Wunsch von Giorgio di Antiochia, dem großen
Admiral von Roger II., errichtet.
An der Vorderseite befindet sich der Kampanile, der
vorher wahrscheinlich ein Eingangsturm gewesen ist.
Von hier aus kommt man ins Innere des kurzen Raumes
der Kirchenschiffe, an die sich der Altarraum mit
rundem Grundriß und dreifacher Apsis anschließt.
Besonders schön sind die runden byzantinischen
Mosaike, obwohl sie neben den barocken Marmorverzierungen
und Fresken bestehen müssen. Wegen ihres politischen
Symbolwertes sind die zwei Mosaiken in den Seitenschiffen
besonders interessant, da auf ihnen Christus, der
Roger II. krönt und der Admiral Giorgio von Antiochia
zu Füßen der Heiligen Jungfrau dargestellt
sind.
Neben der Martorana-Kirche steht die San Cataldo-Kirche,
die in der zweiten Hälfte des 12. Jhs. von Maione
di Bari, einem Minister von Wilhelm I. errichtet und
von Giuseppe Patricolo am Ende des 19. Jhs. restauriert
wurde.
Das Äußere der Kirche ist ein stereo-metrischer
Kubus, dessen Strenge durch die feinen Vertiefungen
an den Wänden um die Fenster herum etwas gemildert
wird.
Die Kirche hat drei rote, ausgesprochen orientalische
Kuppeln. Das strenge, würdevolle Innere der Kirche
besteht aus drei Schiffen und hat einen kleinen Altarraum
und eine Apsis.
Wenn der Besucher wieder zum Cassaro zurückkehrt,
trifft er etwas hinter den Quattro Canti links auf
die zweite San Matteo-Kirche von Palermo, mit deren
durch Almosen finanzierten Bau im Jahre 1633 begonnen
wurde.
Die Fassade ist das Werk von Gaspare Guercio und Carlo
Aprile. Sie ist reich verziert und prächtig geschmückt,
besteht aus drei Ebenen mit zahlreichen plastischen
Elementen und wunderbaren Hell-Dunkel-Effekten.
Das Innere in Form eines lateinischen Kreuzes mit
einem Tonnengewölbe ist in drei Schiffe mit einfachen
und eleganten Säulen unterteilt.
Bemerkenswert ist die aus weißgoldenem Stuck
bestehende Ausschmückung der Kirche, die zum
Teil von Giacomo Serpotta vorgenommen wurde (18. Jh.).
Die äußerst wertvollen Fresken sind von
Vito d'Anna.
Von dem vor dem Königspalast gelegenen Platz
hätte man sich auch statt in Richtung Kathedrale
direkt zu der zauberhaften San Giovanni degli Eremiti-Kirche
begeben können.
Von unserem jetzigen Standpunkt aus müssen wir
umkehren, durch die Porta Nuova, über die Piazza
Indipendenza (wo sich der bereits erwähnte Besuchereingang
der Cappella Palatina befindet), an der Piazza della
Pinta vorbei in die Via Benedittini gehen, wo wir
schließlich zur San Giovanni degli Eremiti-Kirche
kommen. Sie wurde im Jahre 1132 auf Wunsch Rogers
II. auf einem vorher angelegten, islamischen Gebäude
errichtet.
Das von Patricolo restaurierte Äußere hat
rein geometrische Formen, die von den kleinen, aus
regelmäßigen Quadern bestehenden Paramenten
noch unterstrichen wird.
Oben am Kampanile sind Fenster angebracht, die durch
feine Vertiefungen betont werden.
Das Innere ist kahl und streng, es hat die Form eines
Andreas-Kreuzes; der stark modulierte Raum wird oben
von fünf typisch muselmanischen Kuppeln abgeschlossen.
Außen an der Kirche befindet sich der viereckige
Kreuzgang mit durch regelmäßig angeordnete
Säulen gestützten, kleinen Bögen.
Er ist besonders sehenswert, weil er sich in einem
wunderschön blühenden Garten mit viel Grünpflanzen
und Zitrusfrüchten befindet.
Wenn man über die Via dei Biscottari und die
Via G. Mario Puglia geht, kommt man zur Piazzetta
Speciale und durch die steil ansteigende Salita Raffadali
zu der Piazza Casa Professa.
Hier liegen die Gesù-Kirche und die Casa Professa.
Die erste Kirche der Jesuiten wurde zwischen 1564
und 1578 errichtet; in den darauffolgenden Jahren
bis 1633 entschloß sich der Orden, sie durch
die Kapellen zu erweitern und das Querschiff umzubauen.
Die jetzige Kirche ist erheblich restauriert worden,
nachdem sie im Krieg stark beschädigt worden
war.
Der Grundriß in Form eines lateinischen Kreuzes
hat drei Schiffe und mit ihnen verbundene Seitenkapellen.
Das Querschiff hat apsidiale Flügel, das Presbyterium
hat eine tiefe Apsis, und an der Kreuzung der Arme
des Querschiffes erhebt sich die weite, beherrschende
Kuppel.
Die Ausschmückung des Kircheninneren, an der
vor allem bekannte sizilianische Künstler beteiligt
waren, weist eine große Zahl von Skulpturen,
Fresken, Gemälden, buntem Marmor und Stuckarbeiten
auf, die jede Ecke der Kirche ausfüllen, wodurch
der Besucher eine klare Vorstellung von der für
die barocken Jesuitenkirchen typischen Pracht bekommt.
Zu der Kirche gehört auch das Jesuitenhaus, die
sogenannte Casa Professa, in der heute die Städtische
Bibliothek untergebracht ist.
Nicht weit entfernt ist die Piazza Ballarò
aus dem 15. Jh., eine der schönsten der palermitanischen
Altstadt, wo auch ein malerischer Markt stattfindet.
Dessen Stände stehen auch in der Via Ballarò
bis zu dem großen Platz mit der 1626-1667 nach
den Plänen des Architekten Mariano Smiriglio
erbauten Carmine-Kirche.
Die Fassade wurde zwar 1814 restauriert, weist aber
auch heute noch in ihrer prunkvollen Verzierung die
für den barocken Geschmack typischen Elemente
auf. An der schönen Kuppel stehen große
Telamone zwischen den Säulen der Kuppeltrommel.
Das Innere der Kirche hat drei Schiffe und ein Querschiff
sowie eine tiefe zentrale Apsis.
Diese gekonnte Raumaufteilung stellt ein perfektes
Gleichgewicht her. Von der Piazza Carmine kommt der
Besucher durch die Via del Bosco (Fortsetzung der
Via Alberghiera) zur Via Maqueda.
In der Via del Bosco stehen verschiedene Herrschaftshäuser,
Zugang von der Via Maqueda hat man zu dem aus dem
18. Jh. stammenden Palazzo Comitini, dem heutigen
Sitz des Provinzrates und der Verwaltung.
An ihn schließt sich die Sant'Orsola-Kirche
aus dem 17. Jh. an, die der Compagnia Nera (Schwarzen
Gesellschaft) gehörte, die die Aufgabe hatte,
zur Rettung der Verstorbenen Messen abzuhalten.
Am Äußeren der Kirche kann man tragische
Gestalten von Büßern, Sündern und
Skeletten sowie im Fegefeuer schmorende Seelen bewundern,
die genau dem Geschmack der damaligen Zeit entsprachen.
Die am Ende des 18. Jhs. ausgeführte Ausschmückung
des Kircheninneren ist von großer Pracht.
Etwas hinter der Kirche liegt die Piazza dei Santi
Quaranta Martiri und der Marchesi-Palast, ein bemerkenswertes
Beispiel für die katalanische Gotik.
Zum zwischen der Via Maqueda und der Via Divisi (Fortsetzung
der Via del Bosco) gelegenen Santa Croce-Sant'Elia-Palast
muß man ein paar Schritte zurücklaufen.
Der Palast ist eines der schönsten palermitanischen
Herrschaftshäuser aus dem 18. Jh. Er ist wunderschön
geschmückt, und an dem oberen Stockwerk ist auch
eine Reihe fein gearbeiteter Balkone angebracht.
In der Via Maqueda kommt nach der Assunta-Kirche aus
dem 17. Jh. der Cutò-Palast, das aus dem 17.
Jh. stammende Herrschaftshaus der gleichnamigen Fürstenfamilie.
Wenn man von hier aus die Via Roma, eine lange, fast
parallel zur Via Maqueda verlaufende Hauptstraße
entlanggeht, kommt man zu dem alten, dicht bewohnten
Lattarini-Viertel, was in Arabisch Drogistenmarkt
bedeutet.
Der hier befindliche viereckige Sparkassenplatz wird
völlig von dem Bankgebäude beherrscht, dessen
Baupläne von Ernesto Basile am Anfang des 20.
Jhs. entworfen wurden.
Von hier aus kommt man durch die Via Lattarini zur
Piazza Sant'Anna, an der auch die gleichnamige Kirche
aus dem 17. Jh. steht. Die nach dem Entwurf von Giovanni
Amico angefertigte, wunderschön szenographische
Fassade ist wegen ihrer elegant geschwungenen Formen
und Verzierungen eine der schönsten des palermitanischen
Barock.
Das dreischiffige Innere mit einem breiten Querschiff
ist sehr großzügig angelegt. Die aus dem
18. Jh. stammende Ausschmückung ist von großer
Pracht und zum größten Teil restauriert.
Von hier aus kommt man zu der Piazza Croce dei Vespri,
an der sich der Ganci-Palast aus dem 18. Jh. befindet.
Links biegt man in die Via Garibaldi und stößt
auf den Aiutamicristo-Palast, der Ende des 15. Jhs.
von Matteo Carnalivari für den Baron Matteo Aiutamicristo
erbaut wurde.
Von den ursprünglich Formen im gotischen Stil
ist leider kaum etwas übrig geblieben.
Obwohl das Innere des Palastes in sehr schlechtem
Zustand ist, kann man noch den weiträumigen,
viereckigen Innenhof mit doppelter Loggia bewundern,
der den Eindruck von der ursprünglichen Eleganz
des Gebäudes vermittelt.
Die Via Garibaldi führt weiter zur Friedensmauer,
an der sich das gleichnamige Oratorium befindet.
Von der Via Mura della Pace gelangt man zu der Piazza
Magione, an der die Kirche della Trinità liegt.
Sie ist eine der letzten aus der Zeit der Normannen.
Sie wurde 1191 von Matteo d'Aiello, einem Reichskanzler,
erbaut.
Obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte erheblich umgebaut
und verändert wurde, ist ihre urspüngliche
Form auch heute noch gut zu erkennen.
Das Äußere weist eine komplexe Raumaufteilung
auf und ist mit den verschiedensten Motiven reich
verziert.
Die Hauptfassade hat drei tiefe Portale. Bemerkenswert
ist auch die äußere Form der Apsis, an
der ineinander verflochtete Blindbögen angebracht
sind.
Im Inneren verbindet sich das Längsschiff der
Kirche mit dem runden Grundriß des Altarraums.
An der linken Seite der Kirche sind noch die Überreste
des alten Kreuzganges zu sehen.
Wenn man durch die Via Garibaldi zurückgeht und
in die Via Patemostro einbiegt, kommt man zur Piazza
San Francesco, die von der von den Franziskanermönchen
1255 errichteten gleichnamigen Kirche beherrscht wird.
Die Fassade wurde im letzten Jahrhundert von dem Architekten
Patricolo restauriert, wobei die Rosette besonders
gut gelungen ist. Das wunderschöne Portal stammt
aus dem Jahre 1302.
An das dreischiffige Innere wurden vom 14. Jh. an
verschiedene Kapellen angebaut.
Besonders sehenswert ist die Mastrantonio-Kapelle,
in der sich Skulpturen von Francesco Laurana aus dem
15. Jh. befinden.
Ein erlesener Chor aus dem 16. Jh. und grazile Frauengestalten
aus dem Jahre 1723 von Giacomo Serpotta kann der Besucher
ebenfalls in der Kirche bewundern.
In der Nähe liegt das im 16. Jh. erbaute San
Lorenzo-Oratorium, das auf herrlichste Weise von Giacomo
Serpotta mit Stuckarbeiten, die Geschichten von den
Heiligen Lorenz und Franziskus erzählen, ausgeschmückt
wurde.
Von hier aus kommt man wieder zum Cassaro. Gegenüber
dem auf den Cassaro gehenden klassizistischen Palazzo
delle Finanze steht der Garraffo-Brunnen, ein wunderschönes
Werk der Architekten G. Vitaliano und P. Amato aus
dem Jahre 1698 mit verschiedenen Meereswesen. Anschließend
gelangt man zur Piazza Marina, einem großzügig
angelegten Platz, wo sich auch der nach 1860 angelegte
Garibaldi-Park befindet.
In der Nähe liegt die Santa Maria Porto Salvo-Kirche
aus dem 16. Jh., die in den folgenden Jahrhunderten
mehrere Male restauriert wurde.
An der Seite der Piazza Marina steht der herrliche
Chiaromonte oder auch Steri-Palast (aus dem Lateinischen:
hosteriurn bedeutet befestigt), mit dessen Bau Manfredi
I. Chiaromonte begann.
Seine Nachfolger beendeten das Werk, und im 17. Jh.
wurde der Palast Sitz des Inquisitionsgerichts, was
er auch bis 1782 blieb. Das Gebäude hat einen
viereckigen Grundriß mit einfachen Wänden,
an denen sich wunderschöne, mit bichromen Intarsien
und für die Chiaromonte-Ära mit typischen
plastischen Verzierungen geschmückte Triphoren
und Biphoren befinden.
Im ersten Stock ist die Sala Magna, deren Decke ein
Meisterwerk der Schreinerkunst und Malerei ist.
Es handelt sich um Werke hiesiger Künstler (Cecco
von Naro, Simone von Corleone und Dareno von Palermo),
durch die klar zum Ausdruck kommt, wie lebendig die
an die östliche Welt gebundenen Traditionen damals
noch waren.
Die Szenen der Gemälde stellen verschiedene geistliche
oder weltliche Themen dar, die für die Familie
Chiaromonte von Bedeutung waren.
Wenn man aus dem Palast heraustritt, stößt
man an der Ecke zum Cassaro auf die aus dem 16. Jh.
stammende San Giovanni dei Napolitani-Kirche, die
schlanke und strenge Formen aufweist.
Das Innere aus dem 18. Jh. ist prachtvoll verziert.
Gegenüber rechts zwischen dem Cassaro und dem
antiken Hafen Cala befindet sich ein außergewöhnliches
Baudenkmal und zwar die Santa Maria della Catena-Kirche.
Das Gebäude entstand im 15. Jh. an einer Stelle,
wo sich bereits vorher ein Bauwerk befunden hatte.
Die Pläne stammen wahrscheinlich von dem großen
Architekten Matteo Carnalivari. Im hochgotischen Stil
zeigen sich bereits Elemente der Renaissance. Der
horizontal entwickelte Fassade wird von zwei seitlichen
hohen Parasten eine schlanke Linie verliehen, oben
wird sie von einem spitzenförmig gearbeiteten
Gesims gekrönt. Unten befinden sich drei große,
harmonische Portale.
Das von den aus dem 18. Jh. stammenden Stuckarbeiten
befreite Innere weist ein herrliches Gleichgewicht
und wunderbare Harmonie auf. Der Raum ist in drei
Schiffe unterteilt, in denen sich hohe Säulen
befinden; das Hauptschiff ist kreuzförmig gedeckt,
die Seitenschiffe haben Tonnengewölbe.
Am Ende des Cassaro steht die mächtige, mit Statuen
ungesicherten Namens restaurierte Porta Felice aus
dem 16. Jh., durch die man zum Foro Italico, der ehemaligen
Strada Colonna, kommt.
Daneben liegt das ehemalige, ebenfalls restaurierte
Spital San Bartolomeo (1608).
An der Piazzetta Santo Spirito befindet sich die berühmte
Seepferdchenstatue von Ignazio Marabitti aus dem 18.
Jh.
Hinter dem Foro Italico erstreckt sich das alte und
dichtbevölkerte Kalsa-Viertel, wo im Jahre 937
die Fatimiten die befestigte Halish-Zitadelle ( die
Auserwählte), den Sitz des Emirs und seiner Streitkräfte,
errichtet hatten.
Die Piazza Kalsa wird von der Santa Teresa-Kirche
beherrscht. Sie wurde nach den Plänen von Giacomo
Amato zwischen 1686 und 1706 errichtet und kann als
eines der Meisterwerke des palermitanischen Barock
angesehen werden.
Die Fassade ist stark plastisch und die vorspringenden
und tieferliegenden plastischen Verzierungen betonen
die Hell-Dunkel-Wirkung des Gesamtbildes.
Im Inneren sind wertvolle Gemälde und Stuckarbeiten
aus dem 18. Jh.
Hinter der Via Santa Teresa liegt das Oratorio dei
Bianchi mit dazugehörigem Haus am gleichnamigen
Platz.
Wenn man um die Ecke biegt, kommt man zur Piazza dello
Spasimo mit der im 16. Jh. gegründeten, gleichnamigen
Kirche, heute ein Ort kultureller Veranstaltungen.
Einst barg sie das berühmte Gemälde von
Raffael, La Madonna dello Spasimo in sich, das dann
dem spanischen König Philipp IV. geschenkt wurde.
Wenn man sich nun in die Via Alloro begibt, trifft
man auf die Gancia-Kirche oder auch Santa Maria degli
Angeli-Kirche. Sie wurde Ende des 15. Jhs. zusammen
mit einem Hospiz von den Franziskanern in strengen,
geometrischen Formen errichtet.
An der Fassade ist ein einfaches Portal mit einem
oben angebrachten Basrelief der Madonna.
Obwohl das Innere stark verändert wurde, kann
man doch noch einige Reste der ursprünglichen
Anlage erkennen.
Es besteht aus einem einzigen Schiff mit mehreren
Seitenkapellen.
Bemerkenswert sind die Statuen von Antonello Gagini
und die Stuckarbeiten von Giacomo Serpotta in der
Madonna della Guadalupe-Kapelle.
Am Äußeren der Kirche kann man in Verbindung
mit dem Querschiff das Rettungsloch sehen, durch das
zwei Patrioten während des Aufstandes im Jahre
1860 fliehen konnten.
In der Via Alloro befindet sich weiterhin der Patella
Abatellis-Palast, der von dem Architekten Matteo Carnalivari
im 15. Jh. erbaut wurde.
Der Bau ist mächtig und kompakt. Ihm wird durch
die linearen Simse Form verliehen, die durch das herrliche
Portal hervorgehoben wird, um das sich das Motiv eines
geschlungenen Seils windet. Oben sind drei Rhomben
und in deren Mitte das Wappen der Patella.
In dem Palast ist die Regionalgalerie Siziliens mit
erlesenen Kunstwerken vom Mittelalter bis zum 18.
Jh. untergebracht.
Im Erdgeschoß befindet sich das berühmte
Monumentalgemälde Triumph des Todes, einer imposanten,
aus dem Sclafani-Palast stammenden Darstellung des
Todes, das wegen seiner Ausdruckskraft der Gestalten
und der dramatischen Komposition besonders beeindruckend
wirkt.
Weiterhin sind hier Skulpturen aus dem 15. und 16.
Jh. ausgestellt, unter anderem die wunderschöne
Büste der Eleonora d'Aragona, ein Werk von Francesco
Laurana.
In den ersten beiden Räumen des ersten Stockwerks
befinden sich Gemälde aus dem 13. und 14. Jh.
Bemerkenswert ist die Madonna von Turino Vanni und
die Madonna dell'Umiltà von Bartolomeo da Camogli.
Es folgt der Saal, in dem die Annunziata von Antonello
di Messina, ein herrliches Werk von außerordentlicher
Feinheit und psychologischer Intensität, aus
dem 15. Jh. ausgestellt ist.
Die Sammlung wird von flämischen Gemälden
und Werken aus dem 17. und 18. Jh. vervollständigt.
Wenn man die Via Alloro weiter entlang geht, kommt
man zur Pietà-Kirche, einem Werk von Giacomo
Amato aus dem 17. Jh. Sie ist ein wunderbares Beispiel
für den palermitanischen Barock.
Die auf die Via Torremuzza gehende Fassade ist stark
plastisch mit verschiedenen Verzierungen.
Das Innere der Kirche entspricht mit seiner prachtvollen
und eleganten Stuckverzierung ihrem Äußeren.
Von der Via della Cala erreicht man das Loggia- Viertel,
das von der Via Roma und dem Cassaro begrenzt wird.
Wenn man über die Via dei Chiavettieri und die
Via dei Cassari hinausgeht, kommt man zu der Piazza
Garraffello, wo sich ein schöner Brunnen aus
dem 16. Jh. befindet.
Man läuft weiter die Via Argenteria entlang,
die an der Piazza Caracciolo, dem Mittelpunkt der
Vucciria, einem lebhaften alten Stadtmarkt, endet.
In dessen Nähe liegt rechts an dem gleichnamigen
Platz die San Domenico-Kirche von 1640, eines der
schönsten Bauwerke des palermitanischen Barock.
Die Fassade ist stark bewegt und plastisch, sie wurde
1724 mit zahlreichen Statuen geschmückt und fertiggestellt.
Das Innere wirkt ziemlich streng, von Säulen
getragene Bögen unterteilen es in drei Schiffe.
Hier befinden sich die Gräber von mehreren berühmten
Sizilianern und zahlreiche Skulpturen und Gemälde.
Neben der Kirche, wo sich einst das alte Dominikanerkloster
befand, ist heute der Sitz der Sizilianischen Gesellschaft
für Heimatkunde und Geschichte.
Der restaurierte Kreuzgang des Klosters dient heute
als Kulturtreff.
Hinter der Kirche, in der Via Bambinai, ist das schöne
Oratorium des Rosario di San Domenico. Es wurde im
16. Jh. erbaut und im 18. Jh. mit Stuckarbeiten von
Serpotta ausgeschmückt.
An der in der Nähe gelegenen Piazza Valverde
befindet sich die Santa Maria di Valverde-Kirche,
die wegen der im 17. und 18. Jh. ausgeführten
Marmorverzierung sehenswert ist. Heute finden hier
keine Gottesdienste mehr statt.
Zwischen der Via Valverde und der Via Squarcialupo
ist die Santa Cita-Kirche aus dem 17. Jh. Sie ist
dreischiffig und enthält mehrere Werke von Antonello
Gagini.
Das zu ihr gehörige Oratorium aus dem 17. Jh.
ist mit wundervollen Stuckarbeiten von Giacomo Serpotta
geschmückt, die äußerst lebendig und
überschwenglich wirken.
Am Ende der Via Squarcialupo steht die San Giorgio
dei Genovesi-Kirche aus dem 16. Jh. Sie ist geschlossen,
man kann jedoch manchmal Kunst- oder Dokumentarausstellungen
in ihr besuchen.
Der Besucher sollte nun zur Piazza San Domenico zurückkehren,
von der aus er die Via Roma überqueren kann und
zur Via Bandiera gelangt.
An dieser malerischen Straße stehen mehrere
Herrschaftshäuser wie das der Familie Termine-Pietratagliata
aus dem 16. Jh. oder der Oneto-Palast aus dem 18.
Jh.
An der nahegelegenen Piazza Olivella erhebt sich die
monumentale Sant'Ignazio-Kirche, an deren Bau von
1593 an bis ins 18. Jh. hinein gearbeitet wurde.
Nachdem sie zum größten Teil bei den Bombardierungen
im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, hat man
sie mittlerweile fast vollständig restauriert.
Das Innere ist weitläufig und majestätisch,
mit drei großartigen Schiffen und tiefen Seitenkapellen.
An der Kreuzung der beiden Arme des Querschiffes erhebt
sich die riesige Kuppel. Die Kirche ist mit buntem
Marmor, Stuck und Fresken geschmückt, durch die
jeder Winkel in einem wogenden und lebhaft polychromen
Rhythmus gefüllt ist.
An der rechten Seite der Kirche ist das Kleine Oratorium,
ein typisch klassizistisches Werk von Venanzio Marvuglia
aus dem 18. Jh.
An der Piazza Olivella liegt außerdem das Archäologische
Regionalmuseum, in dem Funde von außerordentlichem
Wert ausgestellt sind.
Im Erdgeschoß befinden sich außer dem
Saal für ägyptische und punische Kunst und
den entlang dem Kreuzgang stehenden römischen
Statuen, die aus dem Tempel des Zeus Meilichios von
Selinunt (6.- 4. Jh. v. Chr.) stammenden Gebetsstelen.
Hier befinden sich auch griechische Epigraphen, die
Löwenköpfe aus Himera, die Skulpturen aus
Selinunt und die etruskische Casuccini-Sammlung.
Im ersten Stock sind punische und griechische Grabstelen
und andere Gegenstände ausgestellt. Besonders
interessant sind die sizilianischen Terrakotten und
die kleinen Bronzestatuen.
Im angrenzenden Saal sind zwei außergewöhnliche
Gruppen von Bronzestatuen zu sehen: der Widder aus
dem 3. Jh. v. Chr. und der Herakles im Kampf mit dem
Hirsch aus römischer Zeit.
In der südlichen Galerie sind die aus dem Tempel
der Demeter Malaphoros in Selinunt stammenden, Figuren
darstellenden Terrakotten. Im zweiten Stock kann man
die bemerkenswerte Sammlung von Krügen mit schwarz-roten
Gestalten bewundern, die in chronologischer Reihenfolge
aufgestellt sind.
Wenn man aus dem Museum herauskommt und die Via Bara
all'Olivella überquert, gelangt man wieder in
die Via Maqueda. Auf dieser Höhe liegt die Piazza
Verdi mit dem Teatro Massimo. Es ist eines der größten
Theater Europas und wurde am Ende des letzten Jahrhunderts
nach dem Entwurf von Giovan Battista Filippo Ernesto
Basile erbaut und von dessen Sohn fertiggestellt.
Vom Massimo aus kommt man über die Via delle
Stimmate und die Via Maestri d'Acqua zur am Ende des
13. Jhs. erbauten Sant'Agostino-Kirche.
Von ihr ist noch das ursprüngliche Portal mit
seiner wertvollen Verzierung und der darüberliegenden
durchbrochenen Rosette vorhanden. Bemerkenswert ist
die prachtvolle Innenausschmückung von Giacomo
Serpotta.
Vom Massimo aus erreicht man durch ein Gewirr von
kleinen Straßen und Gäßchen das Viertel
Capo, wo sich ein lebhafter Markt befindet.
Von dort gelangt man über die Via Porta Carini
zur Concezione-Kirche aus dem 17. Jh., deren äußere
Formen keineswegs schwülstig wirken. Ihr Inneres
ist hingegen so reichhaltig mit prächtigen Werken
geschmückt, daß jeder Winkel ausgefüllt
ist. Besonders wertvoll sind die am Gewölbe angebrachten
Fresken von Olivio Sozzi aus dem 18. Jh.
Von der Piazza Concezione erreicht man die Piazza
del Noviziato, an der die gleichnamige Kirche liegt.
Sie ist wegen ihrer reichhaltigen Verzierung eine
der interessantesten Kirchen des palermitanischen
Barock.
Man geht nun zum Massimo-Theater zurück, läuft
die Via Ruggero Settimo entlang und kommt zur Piazza
Castelnuovo.
Hier steht ein weiteres großes Theater der Stadt:
das Politeama Garibaldi Theater. Es wurde im klassizistischen
Stil im Jahre 1874 unter Leitung des Architekten G.
Damiani Almeyda errichtet.
An der Spitze des den Eingang bildenden Triumphbogens
steht eine herrliche aus vier Reitern bestehende Bronzegruppe
von Mario Rutelli.
In einem anderen Teil der Stadt, dem westlichen, erhebt
sich der von Wilhelm I. erbaute und dessen Sohn Wilhelm
II. fertiggestellte Zisa-Palast.
Sein Äußeres weist klare, rechteckige Formen
auf, die von länglichen Monophoren-Fenstern unterbrochen
werden. Im Inneren ist der mittlere Saal mit seinen
herrlichen Mosaiken besonders sehenswert. Früher
gab es hier auch einen Brunnen, dessen Wasser bis
nach draußen floß.
Ein weiterer, dem Zisa-Palast ähnelnder, herrlicher
Königspalast aus der normannischen Zeit ist der
im Corso Calatafimi gelegene Cuba-Palast.
Im östlichen Teil der Stadt sind noch mehr interessante
Gebäude aus der Zeit der Normannenherrschaft.
Bemerkenswert ist die San Giovanni dei Lebbrosi-Kirche
in der Via Cappello und die an der in deren Nähe
gelegenen Piazza della Scaffa befindliche Ammiraglio-Brücke,
die diesen Namen von ihrem Erbauer, dem Admiral Giorgio
Von Antiochia, erhielt.
Die San Giovanni dei Lebbrosi-Kirche ist die älteste
Normannenkirche von Palermo. Den damaligen Gebräuchen
entsprechend wurde sie um 1072 erbaut, als Robert
Guiscard und sein Bruder, der Herzog Roger, Palermo
belagerten. Von den ursprünglichen Strukturen
sind der rückwärtige Teil und der Schiffskörper
übrig geblieben.
Der Kampanile ist aus dem Jahre 1930. Der Grundriß
hat die Form eines Andreas-Kreuzes mit Querschiff.
Zwei Säulenreihen teilen das Innere in drei Schiffe.
Die Admiral-Brücke mit sieben großen und
weiteren kleinen Bögen ist ein Zeugnis für
das hohe wissenschaftliche und kulturelle Niveau des
normannischen Sizilien. Heute ist sie zum Teil unter
der Erde, während der Rußlauf des ursprünglich
unter ihr fließenden Oreto umgeleitet worden
ist.
Im nord-westlichen Teil der Stadt liegt hinter der
Piazza Leoni der weitläufige Favorita-Park, der
1799 von Ferdinand III. von Bourbon angelegt wurde.
Am anderen Ende liegt die Palazzina Cinese, ein Bauwerk
orientalischen Einschlags von Venanzio Marvuglia.
In der Dependance der Palazzina ist das Giuseppe Pitrè
Museum für Völkerkunde untergebracht.
Hier sind Dokumente und Zeugnisse des täglichen
Lebens, der Kunst und der Traditionen des sizilianischen
Volkes ausgestellt: Gläser, Becher, Besteck,
Instrumente, Pfeifen, Krippen, Schäfer, Ex Voto,
Drucke, Puppen, Karren und unzählige andere Gegenstände.
Von besonderem landschaftlichem Interesse ist der
Palermo beherrschende Monte Pellegrino. Je weiter
man hochfährt, desto schöner wird die Aussicht.
Auf dem Gipfel befindet sich die Wallfahrtskirche
der Heiligen Rosalia, der Schutzheiligen der Stadt.
Sie ist um eine alte Grotte herum errichtet worden.
Im Inneren der Kirche liegt in einem großen
Glaskasten die Marmorstatue der Heiligen Rosalia,
die von einer wertvollen Goldschicht bedeckt ist.
Das Werk stammt aus dem 17. Jh. und ist von Gregorio
Tedeschi.