Messina.
Der antike Name der Stadt ist Zankle,
griechisch für Sichel, und bezieht sich auf die
besondere sichelartige Form, die aus Messina seit
Urzeiten einen natürlichen, sicheren Landeplatz
machte. In vorgriechischer Zeit war die Stadt von
eingeborenen Völkerschaften bewohnt, vielleicht
Sikulern.
Im 8. Jh. v. Chr. gründeten Ionier
sowie Bewohner von Chalkis den ersten
Stadtkern zwischen der Halbinsel St. Raineri und dem
Hafengebiet. Die Stadt begann zu wachsen, begünstigt
durch Handel und Hafenverkehr. Seit dem 5. Jh., geschwächt
durch innere Kämpfe, erlebte sie wechselvolle
Ereignisse. Einwanderer aus Messenien geben ihr den
Namen Messina. Nach einer Zeit der
karthagischen Herrschaft (seit 426
v.Chr.) wurde die Stadt wieder frei und verbündete
sich mit Syrakus, um endgültig 396 v.Chr. durch
die Karthager (Himilko) zerstört
zu werden. Die neue Stadt wurde in hellenistischer
Zeit im Auftrag des Dionysios von Syrakus wieder aufgebaut,
sie fiel jedoch erneut unter karthagische Herrschaft,
von der sie erst Timoleon befreien konnte. Im Jahre
289 v. Chr. wurde Messina von einer Gruppe kampanischer
Söldner, die aus Syrakus verjagt worden waren,
eingenommen. Diese sogenannten Mamertiner
(lat.: Söhne des Mars) wurden wiederum von Syrakusern
und Karthagern unterdrückt, bis sie im Jahre
264 v.Chr. Rom um Hilfe angingen. Gleichzeitig (264
v.Chr.) brach der erste Punische Krieg aus. 263 v.Chr.
wurde Messina römische Bundesgenossin.
Bis zum Ende des Weströmischen Reiches (476 n.Chr.)
blieb sie eine reiche und lebendige Stadt.
Nach dem dunklen Zeitalter der barbarischen Invasionen
kehrte sie in der byzantinischen Ära
zu ihrem alten Glanz zurück, auch weil die an
den Hafen geknüpften Handelsgeschäfte sich
neu belebten. Im Jahre 843 fiel Messina unter der
arabischen Invasion und die Einwohner flüchteten
sich in Massen nach dem nahegelegenen Rometta, wo
sie versuchten, Widerstand zu leisten. Erst 965 kapitulierten
sie; in die Stadt zurückgekehrt begannen sie
die städtische Struktur, das soziale Leben und
die Wirtschaft wieder aufzubauen.
Unter normannischer Herrschaft wurde
Messina eines der größten Zentren auf Sizilien.
Es wurden der königliche Palast erbaut, das Arsenal
erweitert, sowie die Festung verstärkt mittels
Mauern, die sich an der ganzen Küste entlangzogen.
Die Bauleidenschaft hielt auch unter staufischer
Herrschaft an, mit einer neuen Stadtplanung
und Erweiterung in Richtung Norden. Nach der Herrschaft
des Hauses Anjou und der Sizilianischen
Vesper, unter der Messina erheblich gelitten
hatte, weil es unermüdlich gegen die Unterdrücker
kämpfte, wurde eine neue sozialwirtschaftliche
sowie städtische Ordnung unter Friedrich von
Aragon geschaffen. Während des 12. und 13. Jhs.
formierte sich eine neue bürgerliche Unternehmerklasse,
die sich vor allem dem Handel mit Seide, Häuten
und Wolle widmete. Im 13. und noch mehr im 14. Jh.
schloß sich an die bemerkenswerte Entwicklung
der Wirtschaft die Öffnung neuer Straßen
und Plätze an, sowie die Anordnung neuer Stadtteile
infolge der Ausdehnung.
Der Aufstand gegen die spanische
Herrschaft (1674-78), der brutal niedergeschlagen
wurde, löschte die Idee, aus Messina die Hauptstadt
des Vizekönigtums von Sizilien zu machen, für
immer aus. Die Unterdrückung des Aufstandes,
das Exil vieler Familien, das Gewicht neuer Steuern
sowie wiederholte Seuchen verursachten eine Verarmung
der Stadt. Das Erdbeben von 1783 besorgte den Rest.
Der Wiederaufbau erfolgte sehr langsam, auch aufgrund
der dauernden politischen Umstürze und Regierungswechsel.
Im 19. Jh. war Messina eine dem Verfall
preisgegebene Stadt. Die überraschend erfolgte
Einigung Italiens mit dem offensichtlichen
Nord-Süd- Gefälle erschwerte die Situation
zusätzlich. Das Zeichen einer Wiedergeburt, zumindest
des Hafenbetriebs, findet sich erst durch die Einrichtung
des Fährenverkehrs nach Kalabrien, der bis heute
anhält.
Am 28. Dezember 1908 zerstörte
ein gewaltiges Erdbeben Messina fast ganz und forderte
ca. 60.000 Opfer. Das lange und beschwerliche Programm
des Wiederaufbaus wollte das Stadtbild mittels eines
modernen schachbrettartigen Grundrisses gestalten,
wobei es die architektonischen und künstlerischen
Zeugnisse zu bewahren galt, die das Erd- beben überstanden
hatten. Zusätzlich mußte auf Erdbebensicherheit
der neuen Gebäude geachtet werden. In den 30er
und 50er Jahren wurden die Palazzi rund um den Hafen
errichtet. Sie unterbrachen etwas das bauliche Kontinuum.
das sich dort vorher befunden hatte, aber man sah
sie als individuelle Kerne und als Zeichen der lebendigen
künstlerischen und architektonischen Tendenzen
dieser Jahre an.
Die Ausdehnung der letzten Jahre, chaotisch und ohne
jede städtebauliche Logik, erstreckt sich vor
allem auf die nördlichen und südlichen Gebiete
und schuf weitläufige Randgebiete.