Die Küche ist der Schmelztiegel all der Traditionen,
die die verschiedenen Völker im Laufe der Jahrhunderte
auf Sizilien hinterlassen haben.
Dieses kulinarische Erbgut ist der beständigste Wesenszug
eines Volkes. Die Tafel gewährt uns einen Einblick
in die verschiedenen Kulturen, die sich auf Sizilien abgewechselt
haben.
Die Tafelfreude der Sizilianer reichen weit in die Vergangenheit
zurück, denn schon Platon kritisierte die Inselbewohner
bei seinem Besuch in Syrakus, weil “sie sich mehrmals
täglich zu Tisch setzen”.
Die sizilianische Küche? Es gibt ihrer drei:
die herrschaftliche Küche oder die der Barone, die
des Volkes, das die herrschaftliche phantasievoll nachkreierte,
und die Straßenküche der “Buffittieri”,
die nach dem französischen “Buffet” benannt
wurde.
Die Vielzahl der Speisen zeugt davon, dass jede Stadt,
jedes Dorf und jede Familie die Rezepte persönlich
interpretiert, denn das entspricht der sizilianischen Individualität.
In den herrschaftlichen Palästen zelebrierten die französischen
“Monsù” genannten Chefköche Zackenbarsch
und Seezungen, Kaninchen und Kapaune. Dem Volk stieg der
einladende Duft in die Nase, und man ließ sich von
der Dienerschaft die Köstlichkeiten beschreiben. Mit
viel Phantasie und Einfallsreichtum wurden diese Rezepte
dann mit oft sehr einfachen Zutaten nachgekocht.
Entgrätete Sardinen wurden zu “Seezungen”,
denn im Spanischen der Adeligen hieß die Seezunge
“Lenguado”. Die neu kreierten Sardinenfilets
nannte man nun “a linguata”. Und aufgerollt
wurden sie zu “Beccafichi”, so wie die zarten
Singvögelchen, die vom Monsù für die Tafel
der Aristokraten zubereitet wurden.
Auberginen wurden als “Wachteln” oder “Parmiciana”
verkleidet. “Parmiciana” heißt im Volksmund
“Fensterladen” und hat mit der Stadt Parma gar
nichts zu tun! Aber das herrlichste aller Auberginenrezepte
ist die süßsaure “Caponata”. Das
Gericht stammt ursprünglich vom persischen Königshof
aus vorislamischen Zeiten.