CataniaCaltagirone.
Der Name Caltagirone kommt aus dem Arabischen qal'at
al-ganum und bedeutet Burg der Genien (Schutzgeister,
wahrscheinlich der umliegenden Grotten).
Die zahlreichen Nekropolen der Contrade Montagna und
degli Angeli, die bis auf das 2. Jhtsd. v. Chr. zurückgehen,
bezeugen zusammen mit vielen Fundstücken des
Neolithikums und der frühen Bronzezeit, daß
dieses Gebiet seit vorgeschichtlicher Zeit besiedelt
war. Man hat auch eine sikulische Siedlung auf dem
Monte San Mauro gefunden, südwestlich der heutigen
Stadt.
Die Araber erbauten hier ein Schloß, das 1030
von einer Gruppe Ligurer unter der Führung Giorgio
Maniaces, eines byzantinischen Hauptmanns, angegriffen
wurde.
Der lokale Dialekt bewahrt bis heute Spuren des Ligurischen.
Unter den Normannen und Schwaben erlebte die Stadt
eine lange Blütezeit, schon seit damals behauptete
sie sich als Zentrum der Keramikproduktion.
Das Erdbeben von 1693 zwang zum Wiederaufbau, an dem
namhafte Barockarchitekten wie Gagliardi, Marvuglia,
Bonajuto und andere arbeiteten.
Sehenswertes.
Kommt man von Südosten in die Stadt, die Via
Burgio und die Via Arcoleo durchlaufend, findet man
sich in der Via Roma wieder, wo das Gemeindehaus (Villa
Comunale) steht, das 1850 vom Architekten G. B. Filippo
Basile entworfen wurde. Weiterhin gibt es das malerische
Teatrino, ein sehr originelles Werk des Architekten
Natale Bonajuto aus dem 18. Jh. zu sehen, der die
Keramik in architektonischer Funktion eingesetzt hat.
Das Teatrino ist eigentlich ein Aussichtspunkt auf
die Stadt und dient dem Keramikmuseum als Eingang.
Das Museum wurde 1965 eröffnet: es versammelt
in seinen sieben Räumen die gesamte sizilianische
Produktion und im besonderen die von Palermo, Sciacca,
Burgio, Trapani, Collesano und natürlich Caltagirone.
Sehr interessant ist der Saal, wo die mittelalterliche
Produktion ausgestellt ist; oder auch der, in dem
zusammen mit der Produktion des l8. und 19. Jhs. die
sogenannten Figürchen gezeigt werden, die Szenen
und Gebräuche aus dem ländlichen Leben darstellen:
von einzigartigem Wert sind die der Bottega Bongiovanni-Vaccaro
aus dem 19. Jh.
Kopien der Gefäße aus dieser Bottega findet
man in der Villa Comunale, neben Keramikskulpturen
von Gianni Ballarò und Nicolò Barrano.
An der südwestlichen Seite der Villa Comunale
steht die Fontana della Flora von Camillo Camilliani
aus dem l7. Jh. Die Musiktribüne im maurischen
Stil mit Dekorationen aus Majolika ist ein modernes
Werk Nino Ragonas.
Fast alles in dieser Stadt spricht die Majolika-Sprache.
Ein bißchen weiter, immer noch in der Via Roma,
zeigt sich die Keramikterrasse des Hauses von Benedetto
Ventimiglia, eines Keramikmeisters aus dem l8. Jh.
Hat man links die Kirche San Francesco di Paola und
rechts San Francesco di Assisi (eine Barockkirche,
deren Sakristei gotisch ist) hinter sich gelassen,
gelangt man zur Kirche Sant'Agata und zum Städtischen
Museum, das sich im Gebäude des ehemaligen bourbonischen
Gefangnisses befindet. In seiner Ansicht ist es gleichzeitig
massiv und elegant, ein Werk Bonajutos von l782.
Das Museum vereint viele vorgeschichtliche und geschichtliche
Zeugnisse wie Münzen, Skulpturen und Gemälde,
einige von namhaften örtlichen Künstlern
wie den Gebrüdern Giuseppe und Francesco Vaccaro.
Nun präsentiert sich ein Palast im klassizistischen
Stil aus dem Jahre 1783, den Bonajuto erbaut hat und
der heute Sitz der Banco di Sicilia ist. Hier in der
Nähe liegt der Dom San Giuliano, normannischen
Ursprungs mit einer Überraschenden Jugendstilfassade.
Entworfen wurde er vom Architekten Saverio Fragapane
zu Beginn des 20. Jhs.
Das Innere ist in Form eines lateinischen Kreuzes
angelegt und durch Pfeiler zwischen den drei Schiffen
aufgeteilt.
An den Seiten sind Bilder der Gebrüder Francesco
und Giuseppe Vaccaro zu sehen: rechts Sant'Eliogio,
Santa Febrona, San Giacomo, Der Streit im Tempel;
links San Gaetano da Thiene, Maddalena. Weiter gibt
es ein hölzernes Kruzifix aus dem 15. Jh. und
eine Madonna mit dem Kind von 1594 aus der Werkstatt
Gaginis sowie den Leichnam Christi, bemaltes Holz
von 1848, des Giuseppe Vaccaro zu besichtigen; der
barocke hölzerne Chorgehörte ursprünglich
zur Kirche San Bonaventura.
Andere Jugendstilbauten in Caltagirone sind Werke
Saverio Fragapanes, der ein Schüler Basiles war.
Er verwirklichte seit 1908 das Erneuerungsprogramm
Don Sturzos (Priester und Politiker), unter anderem
entwarf er die Gerade Via Roma - Via Arcoleo, die
Ölfabrik am Bahnhof sowie die kleinen Villen
Gravina und Favitta.
Auf der Via del Duomo weiterlaufend, gelangt man zur
Piazza del Municipio, wo das Rathaus (19. Jh.), der
Corte Capitaniale (Stadtpalast) von Antonuzzo und
Giandomenico Gagini (17. Jh.) und der Senatspalast
(15. Jh.) stehen.
Der Senatspalast war zeitweise ein Theater und beherbergt
heute die Galerie Sturzo. In der Nähe steht die
Kirche del Gesù (1570), die vom alten Jesuitenkolleg
flankiert ist. Es heißt heute Palazzo degli
Studi. In der Kirche, die aus einem einzigen Schiff
besteht, sind die Pietà von Filippo Paladini
( 1607) und die Geburt Christi (16. Jh.) von Polidoro
da Caravaggio sehenswert.
Ein Triptychon des Paladini, Madonna Hodegetria, die
Anbetung der Magier und der Heiligen Clara, Luzia
und Agathe, ist ein bißchen weiter in der Kirche
dei Cappuccini Nuovi zu sehen, wo in der Sakristei
auch ein wertvoller Kirchenschatz und eine reiche
Pinakothek bewahrt sind. Hier, fast an dieser Piazza,
beginnt die berühmte, lange und gerade Treppe
Santa Maria del Monte, die mit farbigen Majoliken
geschmückt ist. Am 24. und 25. Juli, dem Fest
des Schutzpatrons, wird sie von einem Lichtermeer
erleuchtet. 1608 wurde sie von dem Architekten Giuseppe
Giacolone nach einem Entwurf Giandomenico Gaginis
errichtet, um den oberen und unteren Teil der Stadt
zu vereinigen.
Man kann das Itinerar weiter verfolgen, indem man
die Treppe 142 Stufen hinaufsteigt, oder sie auch
mittels der Seitenstraßen umgeht, um sie dann
hinunterzusteigen.
Weitere Sehenswürdigkeiten: Santa Maria del Monte,
eine Kirche des 12. Jhs., das Kunstinstitut für
Keramik, die normannische Kirche San Giacomo, die
1694-1708 rekonstruiert wurde und das Stadtwappen
in einem Flachrelief der Mitteltür trägt,
diverse Skulpturen der Gagini aus dem 16. Jh., die
wunderbare Arkade des Altars etc.