Vercelli.
“Land des Wassers. Land der Gefühle.”
Mit diesen wenigen Worten könnte die Provinz
Vercelli umschrieben werden, ein Gebiet, das den
ganzen Flusslauf des Sesia vom Monte Rosa bis zum
Po einschließt und das eine außerordentliche
Vielfalt nicht nur an Naturschönheiten, sondern
auch an historisch-künstlerischen Elementen
von großem Interesse umfasst. Die Ebene um
Vercelli ist über viele Kilometer hinweg durch
den Reisanbau gekennzeichnet, was diese Gegend zu
allen Jahreszeiten noch faszinierender und eindrucksvoller
macht. Im Winter herrschen die Brauntöne vor;
der Frühling ist die Zeit des Wiedererwachs
und das langsam die Reisfelder bedeckende Wasser
verwandelt sich in einen Spiegel, in dem sich die
ganze umliegende Landschaft spiegelt. Die vorherrschende
Farbe des Sommers ist das Grün der wachsenden
Reispflanzen; im Herbst ist der Reis zum Ernten
reif und hat sich einen goldfarbenen Mantel übergeworfen.
Die Arbeit in den Reisfeldern ist heutzutage vollständig
mechanisiert, aber die Bedeutung und die Erinnerung
an die Handarbeit ist noch spürbar, so wie
sie in dem unvergesslichen Film Riso Amaro (Bitterer
Reis) von Giuseppe de Sanctis von 1949 geschildert
wird, in dem eine Gruppe von Reiserntearbeiterinnen,
darunter auch die faszinierende Silvana Mangano,
im Mittelpunkt der Handlung steht – der Film
wurde übrigens fast vollständig in den
Reisfeldern von Vercelli gedreht und besonders auf
dem Bauernhof Veneria von Lignana. Von der Ebene
Vercellis geht es hinauf in die Hügel, wo bedeutende
Weine wie der Gattinara oder der Bramaterra hergestellt
werden, und dann, wer will, weiter in das Sesia-Tal,
wo sich jedes Jahr Tausende von Kanu- und Kajakfans
auf dem Fluss ihrer Leidenschaft hingeben. Das Sesia-Tal,
das als das “grünste Tal Italiens”
bezeichnet wird, gibt mit seiner einzigartigen Umgebung
den Hintergrund ab für unvergessliche Wanderungen
und Trekking-Touren, während man im Winter
am Fuße des Monte Rosa Ski fahren kann. Für
die Liebhaber von Kunst und Kultur gibt es im Sesia-Tal
einiges zu sehen, was man sich nicht entgehen lassen
sollte: Hier ist an erster Stelle der Heilige Berg
von Varallo zu nennen, der älteste Norditaliens,
auf dem sich ungefähr fünfzig Kapellen
befinden, die die Leidensgeschichte und den Tod
Christi durch Gemälde und Statuen in Lebensgröße
durchlaufen, Kunstwerke, die von bedeutenden Künstlern
wie beispielsweise Gaudenzio Ferrari und Tanzio
von Varallo geschaffen wurden. Des Weiteren ist
noch das Walser-Museum in Alagna Valsesia zu erwähnen,
wo die Geschichte und Kultur der Walser dargestellt
wird, ein Volksstamm germanischen Ursprungs, der
zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert den Alpenbogen
und auch dieses Tal besiedelte.