Verbania.
Das “Meer” Piemonts ist der Lago Maggiore,
eines der beliebtesten Ziele des internationalen
Tourismus; ein See, der bereits im 19. Jahrhundert
von den Herrschern halb Europas frequentiert und
von Schriftstellern und Dichtern wie Stendhal, Dickens,
Flaubert oder Hemingway verherrlicht wurde. Der
Lago Maggiore oder Lago Verbano (er gehört
zu Piemont, zur Lombardei und zur Schweiz) liegt
auf italienischer Seite in der Provinz Verbano Cusio
und Ossola, einer kleinen, aber faszinierenden,
farbenreichen Provinz. Die Landschaft hat ihr Grün
dem milden Klima zu verdanken, das das Wachstum
vieler Pflanzen begünstigt, die den Rahmen
von herrlichen historischen Wohnsitzen wie Villa
Taranto oder Villa Pallavicino abgeben. Um diese
Gegend des Piemont zu entdecken, kann man in Cannobio,
eine Art kleines Portofino am See, auf ein Linienboot
steigen, das einen nach Cannero und nach Ghiffa
bringt. Letztgenannter Ort ist berühmt wegen
der dort ansässigen Hutfabrik Panizza, die
in einem Jahrhundert verschiedene Generationen von
Hutmachermeistern hervorgebracht hat, und wegen
des Heiligen Berges der Dreifaltigkeit, des Sacro
Monte della Trinità. Vom Boot aus kann man
Verbania, Baveno und Stresa mit seinen legendären
Hotels sehen, die am Seeufer direkt gegenüber
den bezaubernden Borromeo-Inseln liegen. Die Inseln
Isola Bella, Isola dei Pescatori und Isola Madre,
wahrhafte Perlen, die sich einfügen zwischen
Luxuspalästen und bühnenbildnerischen
italienischen Ziergärten (der Botanische Garten
auf der Isola Madre wurde von der Royal Horticultural
Society als einer der schönsten auf der ganzen
Welt eingestuft), gehören seit dem 16. Jahrhundert
der Mailänder Adelsfamilie Borromeo. Die Provinz
Verbania ist auch durch zahlreiche Täler gekennzeichnet:
das Vigezzo-Tal, das zum einen wegen der hohen Zahl
von ehemals dort ansässigen Porträt- und
Landschaftsmalern als “Tal der Maler”
bekannt ist (im 19. Jahrhundert gab es hier sieben
verschiedene Malerschulen), zum anderen wegen der
Schönheit seiner Landschaft und der Ortschaften;
das Anzasca-Tal, das vom Profil des Monte Rosa überragt
wird, hat in Macugnaga ein Fremdenverkehrszentrum
von großer Bedeutung; das Formazza-Tal, das
man wegen des Wasserfalls des Flusses Toce, der
mit seinen 143 Metern einer der höchsten Europas
ist, besuchen sollte: Es war außerdem das
Ausflugsziel so berühmter Persönlichkeiten
wie Margherita, Königin von Italien, Richard
Wagner und Gabriele d’Annunzio; oder der Nationalpark
des Val Grande, der von der Weltorganisation Wilderness
definiert wird als “die einzige Gegend in
Europa, die ihre ursprünglichen Umweltcharakteristiken
erhalten hat.”