TurinIvrea.
Um einige bedeutungsvolle Beispiele moderner Architektur
zu sehen, genügt es, nach Ivrea zu fahren,
der Stadt im Canavese-Gebiet, die in der Mitte eines
weiten Moränenkessels liegt und die vom Profil
des "Wehrs von Ivrea", der höchsten
Mauer Europas, umgeben ist. Ivrea, das römische
Eporedia, hatte aufgrund der Ansiedlung des Industrieunternehmens
Olivetti, das bis vor wenigen Jahren ein Leitfaden
für die lokale und nationale Wirtschaft war,
eine bemerkenswerte internationale Resonanz. Nachdem
diese lange Industrieerfahrung zu Ende gegangen
war, ging das historische Industrie-Erbe jedoch
nicht verloren; es wurde im Gegenteil mit der Errichtung
des M.A.M., des Museums für Moderne Architektur
noch aufgewertet. Das Museum entfaltet sich unter
freiem Himmel entlang einer ungefähr zwei Kilometer
langen Wegstrecke, die an den repräsentativsten
Gebäuden der Olivetti-Kultur vorbeiführt.
Ivrea ist aber auch reich an historisch-künstlerischen
Kulturgütern: das reicht vom Dom, dem von vier
beeindruckenden runden Wachtürmen umgebenen
Schloss über die Kirche San Bernardino bis
hin zum römischen Amphitheater. Ivrea ist darüber
hinaus noch die Stadt eines Karnevals, der einzigartig
auf der Welt ist: Er folgt einer präzisen Handlung
und seine Protagonisten sind keine Masken, sondern
ideelle Figuren, die Symbole freiheitlicher Werte
darstellen und die Interpreten weit zurückliegender
Ereignisse sind. Die Faszination dieses Karnevals
und ihr spektakulärster Moment besteht in der
Apfelsinenschlacht. Es gibt stets eine große
Teilnahme seitens der Stadtbewohner, da jeder an
der Schlacht teilnehmen kann, sofern er sich in
die Listen einer der Mannschaften einschreibt. Wie
lebendig diese einzigartige Tradition ist, wird
noch durch die Tatsache bezeugt, dass es sehr viele
"Fremde" gibt, die während der Tage
der Schlacht zu Wahlbürgern von Ivrea werden.