Traditionelle Sportarten.
Piemont ist eine Gegend kleiner Städte und
Dörfer mit einer seit langem währenden
landwirtschaftlichen Tradition. Bis in die fünfziger
Jahre, bis zum Aufkommen des Fernsehens war der
Dorfplatz der Ort, der nach getaner Feldarbeit in
den Orten von den Mittelgebirgen der Langa bis zur
Ebene von Vercelli und Novara als Freizeittreffpunkt
fungierte. Bei einem Glas Wein und einer Scheibe
Wurst wurde diskutiert, Karten gespielt und es wurden
Wetten abgeschlossen. Traditionelle Spiele, mit
bis heute weiter Verbreitung in Piemont sind der
Balon, der Tamburello und das Boccia-Spiel. Es handelt
sich um Sportarten, bei denen der Ball die Hauptfigur
abgibt und die bei den jeweiligen Gegenspielern
Wetteifer und Kampfgeist, ähnlich wie sie das
breite Publikum bei einem Fußballspiel empfindet,
hervorruft.
Der Balon oder Faustball wird hauptsächlich
in der Provinz Cuneo praktiziert. Man spielt in
Vierermannschaften, die einen 190 g schweren Gummiball
hin- und herwerfen, wobei eine seitliche Wand Unterstützung
bietet. Es gewinnt, wer den Ball über das Spielfeld
hinaus wirft.
Der Tamburello dagegen ist der direkte Nachfahre
von Renaissance-Spielen wie der Seilball oder der
Brettball. Er wird hauptsächlich im unteren
Piemont praktiziert und erinnert an ein Tennisspiel
ohne Netz, das von zwei Fünfermannschaften
gespielt wird, die sich einen kleinen Ball, der
auf bis zu 250 Stundenkilometer beschleunigt werden
kann, zuspielen.
Der erste Boccia-Verein wird 1873 ins Leben gerufen
mit dem kuriosen Namen “Die Bande der Boccia-Liebhaber”.
Heute wird dieser Sport, der in Piemont von den
römischen Legionären eingeführt worden
ist und der im Laufe der Geschichte Liebhaber von
Kaiser Augustus bis zum Admiral der englischen Flotte
Sir Francis Drake verbuchen kann, in hunderten von
Boccia-Klubs weiterhin praktiziert.