Im Piemont sind gastronomische Genüsse Trumpf: die
geschmackliche Vielfalt eines Gebiets, das voller Stolz
auf eine jahrhundertealte kulinarische Tradition und ein
feines Gespür für die Qualität und Vorzüglichkeit
der typischen Erzeugnisse und Rohstoffe verweist, die hier
wie in keiner anderen Region Italiens geschützt und
geprüft sind, bevor sie gekonnt in weltberühmte
Spezialitäten verwandelt werden. Diese erlesene Genießerwelt
trifft in dieser Region auf eine große Kultur gepflegter
Gastlichkeit und wunderschöne Orte, um dem Besucher
nicht nur herausragende önologisch-gastronomische,
sondern auch touristische und kulturelle Attraktionen bieten
zu können.
Die Reise durch die kulinarischen Hochburgen des Piemonts beginnt unweigerlich bei den 52.000 Hektar Weinbergen,
für die die Region weltberühmt ist; ihnen entspringen
einzigartige Weine, die in 60% aller Fälle mit Herkunftsangabe
sind. Der önologische Reichtum dieser Region ist
in der Tat unübertroffen: 44 Weine mit geprüfter
Herkunftsangabe (d.o.c.) und zehn Weine mit geprüfter
und garantierter Herkunftsangabe (d.o.c.g.), der höchsten
nationalen Auszeichnung, mit der sich in ganz Italien nur 31 Weine schmücken dürfen. Die piemontesischen
Weine bedürfen daher kaum einer Vorstellung: Barolo
und Barbaresco sind die Könige eines prächtigen
Hofstaats aus Rot - und Weißweinen: Brachetto, Gavi,
Gattinara, Ghemme, Roero Nebbiolo und Arneis, Moscato
d'Asti und Asti Spumante, von dem jedes Jahr in der ganzen
Welt Millionen von Flaschen verkauft werden. Dies gilt
auch für den Vermouth, eine Erfindung des Turiner
Herstellers Carpano, die später durch die Marken
Martini und Cinzano zu Ruhm gelangte. Nach einer Kostprobe
eines dieser edlen Tropfen kann die Entdeckungsreise durch
die zahllosen Spezialitäten beginnen, die nur ein
herausragender Landstrich bieten und nur eine exzellente
Gastronomietradition unvergesslich machen kann. Angefangen
mit dem Fleisch. Das Fleisch der "piemontesischen
Rinderrasse" hat den niedrigsten Cholesterin-Gehalt
überhaupt und verfügt über ein Gütesiegel,
das seine Unbedenklichkeit verbürgt. Die piemontesischen
Kälber mit ihrem weißen Fell sind die Urheber
einiger "Vorzeigegerichte" der Region, vom berühmten
"Bollito misto" (Kochfleisch) bis zum Rohfleischgericht
mit Messerschnitt oder Zubereitung nach "Albeser"
Art.
Und dann wären da noch die Wurstspezialitäten
vom Schwein: gekochte und rohe Salami, die ihresgleichen
sucht. Doch Weideflächen bedeuten auch Käse. Die
piemontesische Käsetradition ist reich an vorzüglichen
Erzeugnissen, wie auch die 8 d.o.p.- Auszeichnungen belegen
(Denominazione di Origine Protetta = geschützte Herkunftsangabe).
Hierzu zählen würzige Leckerbissen wie der Gorgonzola
und der Taleggio, der nahrhafte Grana Padano und der Castelmagno,
die edelste aller Käsesorten mit altüberlieferter,
mürber Masse, die in äußerst geringen Mengen
von allerbester Qualität hergestellt wird. Außerdem
der Raschera, der Bra, der Murazzano, der Robiola von Roccaverano:
Dies sind nur einige Beispiele der enormen Vielfalt an Käse-Delikatessen,
die im Piemont auf jahrhundertealte Zubereitungsverfahren
zurückblicken und oft auf den Almen hoch oben in den
Bergen entstehen. Diese erlesenen Fleisch - und Käsesorten
eignen sich auch bestens als schlichte Beilage oder Füllung
der vorzüglichen Nudel- oder Reisspezialitäten,
für die das Piemont ebenfalls bekannt ist: die Tajarin,
hauchdünne Bandnudeln mit einer ebenso gelben Farbe
wie die zu ihrer Zubereitung verwendeten Eier; die Agnolotti
als die gefüllten Nudeln schlechthin, die im Piemont mit Bratensauce serviert werden; der Reis mit den Sorten
Carnaroli, Baldo und Sant'Andrea, denn schließlich
ist der Raum Vercelli das größte Reisanbaugebiet Italiens.
Die außergewöhnliche Vielfalt der Agrar - und
Nahrungsmittelproduktion der Region umfasst auch vorzügliche,
seltene Gemüsesorten, die in den fruchtbaren piemontesischen
Ebenen gedeihen: quadratische Paprika aus Motta bei Costigliole
d'Asti oder hornförmige Paprika aus Carmagnola, Porree
aus Cervere, Silberzwiebeln aus Ivrea, Spargel aus Santena
und krummer Distelkohl aus Nizza Monferrato sind nur einige
der Gemüsespezialitäten, die hier gern in die
Bagna Caôda getaucht werden, ein Saucengericht aus
Knoblauch, Sardinen und Öl, das - neben der Fisch-Frittüre
- als das typisch piemontesische Gericht par excellence
gilt. Und dann wäre da noch der eigentliche "König"
der Wein - und Gastronomiespezialitäten der Region:
der weiße Trüffel - die seltene, wertvolle Frucht
einer Gegend, deren Schätze sogar im Erdboden verborgen
sind. Die kleine "Knolle" ist kostbarer als Gold
und findet sich vor allem in der Umgebung von Alba, d. h.
im für seinen Wein weltberühmten Langhe-Gebiet,
ist jedoch generell im gesamten Hügelbereich der Region
anzutreffen. Hauchdünne Scheiben der weißen Kostbarkeit
über Tajarin-Bandnudeln oder simple Spiegeleier gehobelt,
entfalten ein unvergleichliches Aroma. Dulcis in fundo nicht
zu vergessen die Süßwaren. Vorzüglicher
Honig, die berühmte Haselnusssorte "Tonda Gentile
delle Langhe" und vor allem die Schokolade, die Ende
des 17. Jahrhunderts den Weg nach Turin fand und heute ein
echtes Vorzeigeprodukt der Regionshauptstadt ist - diese
Zutaten sind die Grundlage vieler piemontesischer Leckereien
wie des Nusskuchens, der Nuss-Leckerbissen Nocciolini aus
Chivasso, der Pralinen, der Dragees, der Gebäckspezialität
Baci di Dama, des Torrone und der berühmten Nougat-Pralinés
Gianduiotti, deren zartschmelzende Mischung aus Kakao und
gerösteten Nüssen dem Piemont zu Ruhm verhalf,
sowohl wegen der Hochschätzung der Kunstfertigkeit
der Turiner Konditormeister, als auch wegen des Triumphzugs
der Nuss-Nougat-Creme Nutella rund um die Welt.
Alle diese vorzüglichen Früchte der Erde wachsen
und gedeihen auf den Hügeln, Weinbergen, Feldern und
Weiden des Piemonts, doch nur geschickte Unternehmen und
Fachleute können sie zu wirklich einzigartigen Erzeugnissen
verarbeiten. Denn im Piemont ist der Genuss nicht Laster,
sondern Tugend.