Seit den Zeiten von Kaiser Friedrich Barbarossa
bis zu Napoleon ist die Geschichte von Alessandria
mit Episoden verknüpft, die mit Kriegsführung
zu tun haben. Das spiegelt sich wieder in der Strenge
seiner Einwohner und der städtebaulichen Entwicklung
der Stadt, die zwischen den beiden sie begrenzenden
Flüssen "eingeschlossen" ist. Historiker,
Bleisoldatensammler und an Militärgeschichte
interessierte können die Atmosphäre der
Schlacht von Marengo nachempfinden bei den Historienspielen,
die jedes Jahr aufgeführt werden und zwar in
einer alten Villa der Stadt, in der auch Waffen
und Dokumente aus dieser Zeit ausgestellt sind.
Sankt Baudolin, dem Schutzpatron
der Stadt Alessandria, widmet ein berühmter
Bürger dieser Stadt, nämlich Umberto Eco,
Semiologe und Schriftsteller von internationalem
Ruf (Der Name der Rose, Das Pendel von Foucault)
seinen gleichnamigen Roman Baudolin und erzählt
darin die Schelmenstreiche eines jugendlichen Spitzbuben,
der ziellos in Piemont auf dem Land in der Nähe
der Kleinstadt Marengo herumlungert.
Baudolin ist auch die alljährlich in Alessandria
stattfindende Messe gewidmet, die jeweils in der
zweiten Novemberwoche hochwertige Erzeugnisse der
Gegend vorstellt. Die Veranstaltung findet mitten
in der Altstadt statt und umfasst auch ein kulturelles
Programm mit Straßentheater und unterstreicht
mit der Ausstellung “Tischsilber” eine
wichtige Berufung der Stadt, nämlich die handwerkliche
Verarbeitung von Silbergegenständen, die der
Hauptstadt dieser Gegend den Beinamen “Silberstadt”
verschafft hat.
Alessandria liegt in der Poebene zwischen den Flüssen
Tanaro und Bormida am Fuße der Mittelgebirge
des Unteren Montferrats und verdankt seinen Namen
dem Papst Alexander dem Dritten. Die Stadt wurde
1168 gegründet durch den Zusammenschluss der
vier Ortschaften Rovereto, Borgoglio, Marengo und
Gamodio und hat aufgrund ihrer strategischen Lage
immer die militärisch wichtige Rolle des “Tors”
zur Poebene gespielt. Zeugnis dieser kriegerischen
Vergangenheit gibt uns die von 1725 bis 1728 auf
Veranlassung von König Viktor Amadeus dem Zweiten
erbaute und von Giuseppe Ignazio Bertola entworfene
Festung, die zu den herausragendensten Beispielen
militärischer Architektur gezählt wird.
Auf einer Länge von 3 Kilometern sind die Schutzmauern
in Sechseckform und mit befestigten Stirnseiten
ausgeführt. Zu ihrer Erbauung wurden die Ortschaft
Borgoglio und ein Großteil der mittelalterlichen
Gebäude dem Erdboden gleich gemacht, während
die Altstadt von den Straßenzügen, die
dem Verlauf der historischen Stadtmauern folgen,
eingegrenzt wird.
Von großem kunsthistorischen Interesse ist
die 1810 anstelle der alten gotischen Kathedrale
erbauten Sankt-Peters-Kathedrale auf dem Platz Sankt
Johannes der XXIII, der aus dem achtzehnten Jahrhunderte
stammende Ghilini-Palast sowie der Palast der Stadtverwaltung
mit seiner eigenwilligen Uhr mit drei Zifferblättern.
Unter den Museen raten wir unbedingt zu einem Besuch
des in den Räumen der Hutfabrik Borsalino eingerichteten
ungewöhnlichen Hutmuseums, in dem über
4000 Kopfbedeckungen unterschiedlichster Art ausgestellt
sind und das den erfolgreichen Aufstieg von Giuseppe
Borsalino, einem der ersten Vertreter des italienischen
Kapitalismus bezeugt. Wenige Kilometer von Alessandria
entfernt, in der Ortschaft Spinetta Marengo, befindet
sich das Museum der Schlacht von Marengo, in dem
napoleonische Erinnerungsstücke und eine große
Nachbildung des Verlaufs der Schlacht vom 14. Juni
1800 zwischen Napoleon und den Österreichern
zu sehen sind.