Die marchigianische Küche ist fest verwurzelt in der
bäuerlichen Tradition und bisher immun gegen tiefgefrorene
bastoncini di pesce (Fischstäbchen). Hier regiert die
häusliche Küche über die professionelle,
und selbst die feinsten Restaurants legen Wert darauf, Gerichte
anzubieten alla nonna, auf Großmutterart.
Erstklassige, frische Zutaten und ein Minimum an dekorativem
Drumherum, das kennzeichnet die marchigianische Küche.
Da aber die Gerichte ganz nach Tradition und nur mit heimischen
Zutaten zubereitet werden, hat jede Gegend ihre jeweils
eigene Küche.
Ausgiebig wird Gebrauch gemacht von allem, was Feld, Wald
und Wiesen zu bieten haben; Pilze, Wild, Nüsse, Wildkräuter
und - der größte kulinarische Schatz der Gegend
- Trüffel.
Man versucht, möglichst alles zu verwerten. So sind
denn einige der bekanntesten Gerichte entstanden, indem
man etwa altes Brot aufbrauchen wollte, oder die weniger
attraktiven Teile eines geschlachteten Schweins nicht einfach
wegwerfen wollte. Daher ist es nicht verwunderlich, daß
man bei den Marchigiani privat oft besser ißt als
in den Restaurants. Seit jedoch Touristen auch in die kleineren
Orte vorgedrungen sind, hat sich das Niveau der örtlichen
Restaurants merklich verbessert und dazu geführt, daß
längst vergessene traditionelle Gerichte wieder neu
entdeckt wurden.
Die alten Bezeichnungen ristorante, trattoria und osteria
sind in den letzten Jahren fast austauschbar geworden. Viele
der feinsten und teuersten Restaurants nennen sich osterie
und legen ihren ganzen Stolz in die kreative Neuinterpretation
traditioneller Gerichte. Viele Restaurants sind dagegen
gleichzeitig Pizzerien; beachten Sie bitte, daß man
pizza gewöhnlich nur abends bekommt, wenn das Holzofenfeuer
brennt.
Ein ristorante hat im Allgemeinen eine geschriebene Speisekarte
und ein größeres Weinangebot. In trattorie, besonders
auf dem Land, kommt oft der Besitzer an den Tisch und rattert
in hohem Tempo die Speisekarte herunter. Wenn er dann Ihre
hilflosen Blicke sieht, wird oft von irgendwo hinten aus
der Küche ein Familienmitglied geholt, um Hilfe zu
leisten mit ein paar Brocken Englisch, Französisch
oder auch Deutsch. Manchmal war der Besitzer selbst früher
als Gastarbeiter in Deutschland oder in der Schweiz und
freut sich, Ihnen zu zeigen, daß er noch ein paar
Sätze behalten hat.
Oft ist man versucht, Gerichte zubestellen, die man vom
Namen her schon vom Italiener zu Hause kennt, und verpaßt
dadurch häufig die wirklich guten Dinge des Hauses.
Wenn Sie im Sommer oder im Frühherbst reisen, achten
Sie auf Plakate, die auf die lokale "sagra" hinweisen,
ein Fest rund um die kulinarische Spezialität eines
Ortes. Dort können Sie diese Besonderheit auf jede
erdenkliche Art zubereitet probieren. Einige der eigenartigsten
sagre finden Sie im Veranstaltungskalender von Marche Voyager.
Essen
- Worauf Sie achten sollten.
Die Marchigiani essen mehr Fleisch als andere Italiener.
In vielen ländlichen Gegenden heißt ins Restaurant
gehen nichts anderes als riesige Mengen von auf Holzkohle
gegrilltem Fleisch - grigliata mista di carne - zu verputzen.
Sie können aber jederzeit an die Adriaküste ausweichen,
wo man mit den besten Fisch von ganz Italien bekommt. Drucken
Sie sich unsere Übersetzung der Speisekarte aus, so
wird das Bestellen ganz einfach.
Als antipasto sind geräucherter Schinken und lonza
(rohes gesalzenes Schweinefilet) unübertroffen.Wenn
Sie irgendwo ciauscolo sehen (eine weiche geräucherte
Schweinesalami), probieren Sie sie unbedingt. Der klassische
primo ist ein gut gefüllter Teller tagliatelle mit
sugo, normalerweise eine Fleischsoße. Ein ganz spezielles
Pastagericht der Gegend ist vincisgrassi, eine üppige
Lasagne ohne die sonst üblichen Tomaten.
Urbino ist bekannt für seine passatelli, eine Art
Fadennudeln aus Brotkrumen, Parmesankäse und Ei, die
in Brühe gekocht werden.
Abgesehen von dem überall angebotenen Fleisch alla
brace, vom Holzkohlengrill, sind leckere gefüllte Tauben
(piccione ripieno) und gekochtes Kaninchen mit Fenchel (coniglio
in porchetta) eine marchigianische Spezialität. In
einigen Gegenden schleichen sich auch gedünstete Schnecken
auf die Speisekarte.
Wenn Sie an der Küste sind, zumal in der Nähe
von Ancona, müssen Sie unbedingt brodetto probieren,
eine Art Fischsuppe, die mit 13 verschiedenen Fischsorten
zubereitet wird, keine mehr, keine weniger.
Immer gut sind spaghetti vongole (dünne Spaghetti
mit Babymuscheln) oder spaghetti allo scoglio „on
the rocks", mit verschiedenen Meeresfrüchten.
In den Nordmarken ißt man gern piadina, ein flacher
Teigfladen ohne Hefe, gefüllt mit Salami, Schinken,
Käse, gekochtem Spinat etc. Halten Sie danach Ausschau
in den kleinen Snackbars an der Straße.
Der pecorino-Käse aus Schafsmilch schmeckt in den Marken hervorragend. Man ißt ihn am besten im Frühling
mit ganz jungen, rohen Saubohnen (fave). Fragen Sie auch
nach dem formaggio di fossa, einem würzigen Käse,
der in Kalksteinhöhlen eingemauert wird und dort heranreift.