Valli
Argentina und ArmeaBaiardo.
Für Italo Calvino war dieses Dorf im oberen
Nerviatal in der Nähe des Melognopasses, einem
Kreuzungspunkt alter Maultierpfade, ein bevorzugter
Aufenthaltsort. Wenn das Dorf aus dem Nebel ragt,
der manchmal den Talgrund bedeckt, dann fühlt
man sich wie inmitten einer Erzählung, denn
das Dorf auf dem Felsen besitzt wirklich eine märchenhafte
Faszination. Am Versöhnungstanz während
des traditionellen Bootsfestes singen die Leute
zum Beispiel eine überlieferte Ballade von
der tragischen Geschichte der Tochter des Conte
von Baiardo, die nach einer Flucht aus Liebe zum
Tode verurteilt wurde. Oder man steigt bis zur "alten
Kirche" hinauf, die im Jahre 1887 bei einem
Erdbeben zerstört wurde, bei dem damals ein
Viertel der Bevölkerung ums Leben kam.
Bevor der Ort ein Lehen der Grafen von Ventimiglia
wurde (und danach im Jahre 1259 an die Genueser
ging), war Baiardo eine römische Niederlassung,
ein sogenanntes "Castrum". Der "Portaro
del Piano" war der mittelalterliche Zugang
zum Dorf, dessen Struktur im Grundriß der
Gebäudeanordnung trotz des Erdbebens und des
nachfolgenden Wiederaufbaus immer noch erkennbar
ist. Ein Symbol der Renaissance ist die neue Pfarrkirche
von San Nicolò, die 1893 eingeweiht wurde
und in der sich ein Triptychon von Francesco da
Verzate aus dem Jahre 1465 befindet; ein weiteres
Triptychon von Emanuele Macario aus dem Jahre 1552
wird im Oratorium von San Salvatore aufbewahrt und
zur Zeit restauriert. Im Gemeindehaus kann man ein
hölzernes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert
bewundern und in der Pinakothek befinden sich Kunstwerke
zeitgenössischer Maler wie von Antonio Rubino,
der in Baiardo geboren wurde.
Vom 900 m hoch gelegenen Dorf erreicht man schnell
den 1300 hohen Bignone und den 1400 m hohen Ceppo.
Entlang des Bondatals kommt man nach Castelvittorio
und wieder zur Straße zum Weiler Berzi mit
dem bedeutenden Gebäudekomplex der barocken
Wallfahrtskirche von Santa Maria Assunta.
Die lokale Küche bietet Spezialitäten
wie "Ciousoun", eine Pastete mit wilden
Kräutern oder "Crustolo", eine Süßspeise
mit Hefeteig und kandierten Früchten.