Reggio Calabria. Sagen und Geheimnisse von der Stiefelspitze
Das vom Aspromonte-Massiv dominierte Küstengebiet Locride, liegt an der Meerenge, die den Stiefel von Sizilien trennt. Geheimnisvoll und faszinierend ist dieses, von intensiven Düften (Zitrusfrüchte, Bergamotten, Jasmin und Weinberge) durchzogene, Gebiet.
Mythen und Legenden
Schon D’Annunzio bezeichnete diese Küste als die schönste Italiens. Ein Paradies für die Sinne ist dieses Land: Klänge, Lichter, Farben und Düfte begleiten den Reisenden. Der an der Meerenge gelegene Küstenabschnitt erinnert an die Legende von Scilla und Cariddi, zwei furchtbare Strömungen, denen die antiken Völker die Gestalt von zwei Monstern gaben. Die Städte der Magna Graecia in Kalabrien suchten ihre Ursprünge folglich in der Mythologie. Noch heute zeugen die ionischen Küsten von der glorreichen Vergangenheit. Archäologische Schätze und mittelalterliche Ortschaften durchziehen das Land. Nicht weit von Locri entfernt, zwischen blühenden Anbauflächen und Olivenhainen, breiten sich die Ruinen der antiken, Ende des 8.Jh. v.Chr. gegründeten, griechischen Stadt Locri Epizefiri, aus. Die Ausgrabungen begannen 1889 unter der Leitung von Paolo Orsi und dauern bis heute an. 1971 wurde das Nationalmuseum Locri Epizefiri am Eingang zu den Ausgrabungsstätten gegründet.
Von Locri aus erreicht man Gerace, ein mittelalterlich geprägtes Städtchen, in wunderschöner Lage, an der ionischen Küste. Sehenswert ist die romanisch-französische Kathedrale von Gerace, die größte Kalabriens.
Reggio Calabria
Obwohl die Zone eine alte griechische Kolonie war, ist das heutige Stadtbild modern und elegant, da die Stadt nach dem Erdbeben von 1908 komplett neu aufgebaut wurde. Sie ist heute wichtigste und bevölkerungsreichste Stadt Kalabriens und ist Sitz des Regionalrates; die Stadt ist auch ein bedeutendes Küstenzentrum mit einem wichtigen Hafen und Industriezentrum.
Hinter dem, in romanisch-byzantinischem Stil gebauten Dom, erheben sich die Mauern des „Castello Aragonese“. Das archäologische Nationalmuseum besitzt eine der reichsten Sammlungen an Kunstwerken der Magna Graecia. Ebenso bewundern kann man im Museum auch moderne Kunst, unter anderem Gemälde von Antonello von Messina.
Berühmt ist Reggio Calabria für die Bronzen von Riace, ein außergewöhnlicher archäologischer Fund den man heute im Nationalmuseum bestaunen kann.
Zauberhafte Spaziergänge
Von der Strandpromenade aus bietet sich eine fantastische Aussicht auf die Meerenge und auf Messina. Eine beeindruckende Atmosphäre verbreitet sich während des Sonnenuntergangs. Nicht wenige Wandermöglichkeiten bietet die einerseits Berg-, andererseits Küstenlandschaft von Reggio, die sich von der Costa Viola auf tyrrhenischer Seite, über die Meerenge, bis zur Costa die Gelsomini, auf ionischer Seite, zieht.
Aspromonte und Umgebung: Wander- und Reiserouten
Der Aspromonte ist der südlichste Ausläufer des Apennins; der Name kommt vom griechischen aspros und bedeutet weiß. Dicht bepflanzte und duftende Zitrus- und Obstplantagen überziehen den Küstenstreifen; bis auf mittlerer Höhe des Aspromonte wechseln sich Weinberge mit Oliven- und Kastanienhainen ab. Auf den Hängen wachsen Eichen und Steineichen, in den Wäldern hingegen Kiefern, Buchen und Tannen. Das Klima ist typisch mediterran und in der Höhe ziemlich mild.
Schön sind auch Autoausflüge auf den vielen Sträßchen und Wegen, den Berg hinauf, an kleinen Schluchten vorbei, durch Zitrusanlagen durch, über Gebirgsausläufer drüber; immer wieder stößt man auf kleine Dörfchen in herrlicher Lage mit einzigartigem Ausblick auf die Stadt. Auf dem Gipfel des höchsten Berges des Aspromonte - des Montaldo oder Monte Cocuzza - steht eine Statue des Heilands.
1994 wurde in Gambarie der Nationalpark des Aspromonte eingerichtet; er vergrößert die Schutzzone des Nationalparks von Kalabrien und birgt viele Wanderwege und Schutzhütten.
Die Gelsomini-Küste
Die Gelsomini-Küste ist der Abschnitt zwischen dem Capo d’Armi und der Gemeinde Bianco an der ionischen Küste und verdankt ihren Namen den lieblichen Jasminfeldern, die die Landschaft schmücken. Selten schön ist die Landschaft hier: Weite Flächen von weißen, duftenden Blumen und Bergamotten-Kulturen umgeben sonnige Sandstrände. Weiter südlich erreicht man Melito di Porto Salvo, den südlichste Punkt der Halbinsel. Gleich zweimal, 1860 und 1862, ging Garibaldi hier an Land. Unter einem 5-zinnigen, malerischen Felsen ist die Ortschaft Pentedattilo eingebettet.
In Bianco ist der griechische Wein beheimatet; bekannt ist der Ort auch für die handgemachten Textilprodukte und für die Herstellung des ausgezeichneten Bergamottenöls.
Im Viertel der Palazzi di Bianco Vecchio kann man die Reste romanischer Villen mit ihren antiken Mosaiken bewundern.
Gioia Tauro und Scilla
Auf den Ruinen der antiken Stadt Metauros, die vom griechischen Volk der „Locresi“ im 7. Jh. v.Chr. gegründet wurde, erhebt sich heute Gioia Tauro. Die Gioia-Ebene ist, nach großangelegten Trockenlegungsarbeiten, eine der fruchtbarsten Zonen Kalabriens und führt zu vielen Zentren von künstlerischem und naturalistischem Interesse. Über Taurianova und Oppido Mamertino kommt man in den nördlichen Teil des Aspromonte-Gebirges. Im Meeresbusen zwischen Scilla und Palmi wird von März bis Juni, mit eigens dafür angefertigten Fischerbooten, Jagd auf Schwertfische gemacht.
Die malerische Stadt Scilla breitet sich zwischen zwei Buchten, um ein Kap mit daraufliegendem Schloss aus. Die Stadt liegt gegenüber von Cariddi (Sizilien) und ist bekannt wegen der Sirenen aus Homers Odyssee, die die Seefahrer mit ihrem Gesang bezauberten. Neben Scilla befinden sich die Quellen Paolo Re, deren Wasser Magen-Darm- und Stoffwechselerkrankungen heilen soll.
Handwerk und Feste
Das Bruyèreholz aus dem Aspromonte wird für die Herstellung hochwertiger Pfeifen verwendet. Weltweit sind diese Pfeifen für ihre Härte, Kompaktheit und die Besonderheit der Holzfasern bekannt. Pfeifen und Holz werden in die ganze Welt, besonders nach England, exportiert.
In S. Luca wird vom 24. August bis zum 22. September die Madonna von Polsi gefeiert. Das Fest geht auf einen Wallfahrtsort zurück, der im Aspromonte-Gebirge, um 1114 unter der Leitung von Ruggero il Normanno, gebaut wurde.
In Bagnara Calabra findet am ersten Sonntag des Monats die „sagra“ (Fest) des Schwertfisches statt. Ein Umzug mit Booten und Motorbooten leitet den Festakt ein; Hauptattraktion ist die Ausstellung eines alten „ontre“: das Boot, das einst bei der Schwertfisch-Jagd eingesetzt wurde. Ebenso findet eine Verkostung von leckeren Schwertfischgerichten statt.