Reggio Emilia.
Halb Hügellandschaft – halb Ebene: dieses Gebiet ist reich an historischen Bauwerken und Erinnerungen und bietet umwerfende Landschaften, gutes Essen und Trinken sowie zahlreiche Reisewege.
Reise in die Geschichte
„Reggio nell’Emilia“ ist der eigentliche Name der Stadt; unter römischer Herrschaft wurde von hier aus die „Wirbelsäule“ der Region, die Via Emilia, unter der Leitung von Marco Emilio Lepido, gebaut. Später wurde die Region zum Herzogtum der Langobarden und im 10. Jh. Lehensgut von Matilde von Canossa. Nach diversen internen Kämpfen und Ereignissen, kam das Land im 13. Jh. unter die Herrschaft der Este. Auf dem Kongress der Städte der Emilia, im Jahre 1797, wurde die Republik Cispadania ausgerufen; Fahne der Republik war die Trikolore, welche später Fahne des Staates Italien wurde. Die wichtigsten Bauwerke sind der „Palazzo Comunale“, die Basilika „San Prospero“ mit dem mächtigen, achteckigen Glockenturm, die Kirche „Madonna della Ghiara“, die 1597 von den Stadtbewohnern, zur Aufbewahrung der von Bertone gezeichneten Madonna, errichtet wurde sowie das „Teatro Valli“, das zwischen 1852 und 1857 als Gemeindetheater entstand und heute nach dem bekannten Schauspieler aus Reggia, Romolo Valli (1925 – 1980), benannt ist.
Matildas Land
Der Apennin von Reggio hatte seine Blütezeit im 11. Jh. unter der Herrschaft von Enrico IV und Matilda von Canossa, zwei wichtigen Figuren im Investiturstreit.
Vom mächtigen Canossa-Schloss sind heute nur mehr wenige Reste zu sehen; die geschichtlichen Erinnerungen und die faszinierenden Landschaften, die an die Canossa-Herrschaft erinnern, sind aber Grund genug für einen Ausflug hierher. Ein nennenswertes Ereignis war, als im Jahre 1077, Papst Gregor VII., in Anwesenheit von Matilda von Canossa und dem Abt Cluny, den Kaiser Heinrich IV. vom Kirchenbann löste.
Am Fuße des Apennins liegt der Ort Quattro Castella (vier Schlösser), dessen Name auf die vier Festungen zurückgeht, die hier zwischen 985 und 1054, auf vier mehr oder weniger gleich hohen und gleich bewaldeten Erhöhungen, erbaut wurden und als Schutz des Canossa-Schlosses dienten. Wenige Reste erinnern heute an diese Festungen; nur das Schloss Bianello, bis 1742 im Besitz der Nachfolger von Matilda von Canossa, ist noch einigermaßen erhalten.
Ihrer vorteilhaften geographischen Lage verdankt die Gemeinde Quattro Castella, zahlreiche archäologische Fundstücke. In den Ortschaften Roncolo, Mangalano, Forche, Puianello und Ghirardello wurden mehrere Steinwerkzeuge aus der Epoche zwischen Steinzeit und Römischem Reich gefunden.
Der Apennin
Eine der Hauptattraktionen auf dem Apennin im Reggio-Gebiet ist der unübersehbare Fels von „Bismantova“ in der Gemeinde Castelnovo Monti. Die Gestalt des Berges beeindruckte schon Dante, der ihn im Purgatorium in der Divina Commedia erwähnte.
Feste und Traditionen
Im Mai wird in der Stadt Guastalla die „Gnoccata“ gefeiert. Die Einwohner ziehen dabei in Kostümen aus dem 18. Jh. durch das Stadtzentrum. Protagonist des Festes ist der König der Gnocchi, eine Person, mit über 100 kg. Entlang der Straßen werden in großen Kesseln Gnocchi gekocht und an die Besucher verteilt.
Die Heldentaten von Matilda von Canossa werden noch heute von der Bevölkerung dieser Gegend gefeiert: zahlreiche Kostümumzüge in verschiedenen Dörfern erinnern an bedeutende Ereignisse. Kaum einen Schrank gibt es ohne Würdenträger-Kleid, Parade-Instrument oder mittelalterlicher Bauern-Tunika drin.
Der bekannteste Umzug ist jener von Quattro Castella am letzten Mai-Sonntag, der die Proklamation von Matilda von Canossa zur Vizekönigin, im Jahre 1111, in Erinnerung ruft. Jedes Jahr ziehen zwei, als Heinrich V. und Matilda von Canossa verkleidete, bekannte Persönlichkeiten, samt Gefolge, zum Spielplatz des Ortes, wo Schauspiele aus dem mittelalterlichen Leben aufgeführt werden.
Die Küche Reggio’s
Der „Parmigiano reggiano“ ist eine berühmte Käsesorte, die auch in anderen Provinzen der Region hergestellt wird. Bekannt ist das Zitat aus dem Decameron von Giovanni Boccaccio: „formaggio parmigiano grattugiato“ (geriebener Parmesankäse); früher wie heute ist der “Parmigiano reggiano” ein Produkt höchster Qualität, seit 1996 auch mit dem Qualitätssiegel „DOC“ ausgezeichnet. Für die Produktion von einem Kilo Käse benötigt man 16 Liter hochwertige Milch; jeder Käselaib ist mit Produktionsmonat und –jahr gekennzeichnet. Die Gemeinde Bibbiano, ein wichtiges Produktionszentrum, rühmt sich mit dem Titel „Die Wiege des Grana“.
Von intensivem Geschmack ist auch der Balsamico-Essig, der in den Provinzen Modena und Reggio Emilia hergestellt wird. Die Wurzeln dieses besonderen Essig sind großteils unbekannt. Aber bereits im Gedicht „Vita Mathildis“ des Mönchs Donizone, wichtigster Biograf der großen Gräfin von Canossa, wird er erwähnt. Historische Zeugnisse belegen, dass Bonifacio, Marktgraf der Toskana und Vater von Matilda, dem späteren Kaiser Heinrich II., auf dessen Bitte hin, im Jahre 1046, einige Fläschchen mit Balsamico-Essig zum Geschenk machte.
Der richtige Balamico-Essig entsteht durch Vergärung von gekochtem Most; das Geheimnis liegt aber im Reifeprozess: während der Reifezeit, die nie weniger als zwölf Jahre beträgt, wandert der Balsamico durch verschiedene, immer kleiner werdende Holzfässer. Das geschmackvolle Endprodukt wird bei der Zubereitung von verschiedensten Gerichten eingesetzt.
Die Hügel-Weine
Eine der vielen Kellereien von Reggio hat folgenden Werbeslogan gewählt: „Bacco ama il colle“ (Baccus liebt den Hügel). Und wirklich, die Bodenbeschaffenheit der Hügel ist für den Weinanbau besonders geeignet. Um die Bedeutung von Weinanbau und Weinerzeugung, sowie die Herstellung anderer Agrar- und Ernährungsprodukte, hervorzuheben, wurden die „Strada dei Vini“ (Weinstraße) sowie die „Strada dei Sapori dei Colli di Scandiano e Canossa“ (Straße der Geschmäcker) gebaut. Letztere liegt südlich der Via Emilia, entlang der lieblichen Hügel und deckt großteils das „matildische“ Gebiet ab. Der typische Wein von Modena und Reggio ist der Lambrusco. Die anderen Weine der Zone werden auch aus Trauben anderer Regionen hergestellt: die Weißweine Sauvignon, Pinot, Chardonnay, Malvasia; und natürlich Rotweine wie Cabernet Sauvignon, Marzemino, Malbo gentile.