Potenza.
Es ist die am höchsten gelegene Regionshauptstadt
Italiens (819m) und abgesehen von einigen berechtigten
Kennzeichen, scheint es im Überfluß neuer
Stadtviertel, die in den letzten zwanzig Jahren geschaffen
worden sind, ein bißchen abgeflacht zu sein.
Der engere alte Kern um die Via Pretoria und einer,
der während des Erdbebens von 1980 am meisten
betroffen wurde, weist einige großartige Kirchen
(viele werden gerade restauriert) auf. Die Stadt,
deren Wurzeln weit zurückreichen, führte
immer ein schwieriges Leben. Die Fixpunkte ihrer Geschichte
lassen sich so zusammenfassen: Ungefähr 20 Kilometer
von Potenza stößt man auf die Ortschaft
Serra di Vaglio, die den ersten Wohnkern der Stadt
bildete. Entstanden im 11. Jahrhundert v. Chr., wurde
es später von den Römern zerstört.
Die Überlebenden von Serra di Vaglio verlagerten
sich schon im 4. Jahrhundert v. Chr. in das Gebiet,
in dem heute die Stadt liegt. Am Ende des 3. Jahrhunderts
v. Chr. taucht die Stadt in den Listen der römischen
Prä-fekturen auf; Potenza, Grumentum, Atena wurden
dem Stamm Pomptinla zugewiesen. Im 5. Jahrhundert
erlitt Potenza eine Invasion der Goten Alarichs. Um
568 tauchten die Langobarden von Alboinus aut, und
einige Jahre später wurde es dem Herzogtum Benevento
eingegliedert. Der letzte langobardische Graf, von
dem etwas überliefert ist, war Rainolf, der Potenza
bis 1066 regierte. Zwischen dem Ende des 5. und dem
Beginn des 6. Jahrhunderts existierte bereits eine
potentinische Diözese, die direkt dem römischen
apostolischen Sitz unterstelltwar. Mit Gründung
des normannischen Königreichs, gewann die alte
langobardische Festung an größerer Bedeutung;
unter den Staufern wurdedie Grafschaft Potenza von
Rainer regiert. Friedrich II (1194-1250) ließ
alle Festungen in Apulien und der Basilikata restaurieren
bzw. neue bauen. 1231, nach der Verwüstung Potenzas,
verkündete der Kaiser von der Burg Melfi die
Constitutiones Augustales. Am 18. Dezember 1273 wurde
Potenza von einem schweren Erdbeben getroffen, das
die Stadt dem Erdboden gleichmachte. Am Ende des 14.
Jahrhunderts ging die Grafschaft Potenza an Sanseverino
über, der sich in den Kämpfen zwischen Durazzeschi
und Arangonern auf die Seite der letzteren schlug.
Nach dem Eintritt ins Neapel Alfons von Aragonfiel
die Stadt auf die Rolle eines kleinen Provinzzentrums
zurück. Im Jahre 1694 taucht Potenza wieder in
den Annalen des Königreichs auf, als es erneut
ein Erdbeben großen Ausmaßes erlitt. 1806
wird Potenza durch ein Napoleonisches Dekret Hauptstadt
der Basilikata. Nach den Gesetzen zum Straßennetz
aus dem Jahre 1868 begann man die Arbeiten zum Straßenbau
von Potenza nach Neapel, Melfi und Pietragalla. Am
29. August 1880 wurde die Eisenbahnstrecke Potenza-Salerno
eingeweiht. Aus dem Jahr 1843 stammt der erste Bebauungsplan
für die Ausdehnung der Stadt Richtung Süden.
Hundert Jahre später, im September 1943 erlitt
Potenza eine Bombardierung, die zu einem Plan zum
Wiederaufbau führte, dem 23 Jahre später
ein neuer Bebauungsplan folgte. Am 23. November 1980
war jedoch die Stadt Opfer eines neuen Erdbebens,
und so muß auch heute noch mit dem Wiederaufbau
fortgefahren werden. In unserer Zeit spielt die Stadt
im kulturellen Leben durch den Lite-raturpreis Basilikata,
der Anfang Dezember verliehen wird, eine Hauptrolle.
Was die Folklore betrifft, soll an den 'Mai von Potenza'
mit dem charakteristischen Türkenfest erinnert
werden. Trotz der Zerstörung besitzt die Stadt
viele interessante Anregungen und ein Besuch lohnt
sich immer. Hier die wichtigsten Sehenswürtigkeiten:
Kathedrale S. Gerardo. Aus dem Jahre
1197. Von der Originalstruktur ist das runde Fenster
der Vorderfront und der Absis erhalten. Chiesa della Trinitä. Aus dem
13. Jahrhundert, wurde im Jahre 1975 in neoklassischem
Stil restauriert; die Gemälde von Pietrafesa
befinden sich im Museum der Provinz. Chiesa di S. Francesco. Ein besonderes
Zeugnis örtlicher Kunst mit klaren Einflüssen
aus Katalanien. Sehr schön das Durazzesco-Portal
und die Holztür von 1499 mit einem Schnitzwerk
aus Potenza. Nüchterner, reiner das Klosterportal.
In der Kirche, das Grab Donato di Grasis', aus dem
16. Jahrhundert. Es weist Ähnlichkeiten mit früheren
neapolitanischen Formen auf. Chiesa di S. Michele 12. Jahrhundert;
die Restaurierung hat die Linien örtlicher Romanik
ziemlich verfremdet. Die Kirche San Michele wird dem
Meister Sarolo di Muro zugeschrieben. Chiesa di S. Mari del Sepolcro. 13.
Jahr hundert, auf einem antiken Oratorium der Tempelherren.
Restauriert, besitzt noch den originalen Triumphbogen.
Statue des Erzengels Michael nach volkstümlicher
Geschmack. Herrlich das Basrelief der Jungfrau mit
Kind und Engeln in Marmor möglicherweise aus
dem 14. Jahrhundert. Archäologisches Museum der
Provinz. Materialien und Funde aus der ganzen Region.
Deutlich die Verbindung zu den griechischen Kolonien.
Staatsarchiv. Der Besuch des Museums
sollte nicht getrennt von dem des Archivs erfolgen
und umgekehrt. Nur so erhält man eine vollständige
Sicht auf die Region. Im Archiv befinden sich Schriftstücke
vom 14. Jahrhundert ab mit rund 600 Pergamenten. Treppe des Volkes. Vom Platz des
1 S.Augusts ab; charakteristisch; stammt von 1892.