Teramo.
Teramo, ist die nördlichste der Abruzzenprovinzen.
Das Gebiet erstreckt sich zwischen den Marken, dem
Latium und der Provinz Pescara, südwestlich begrenzt
vom Bergmassiv des Gran Sasso d'Italia und nordöstlich
vom adriatischen Meer. Auch ohne die sehr fruchtbaren
Gegenden, die der Provinz Pescara abgetreten wurden,
bieten die 47 Gemeinden der Provinz Teramo vielerlei
Zeugnisse aus Geschichte und Kultur, welche mit zu
den reichhaltigsten der Abruzzen zählen. Über
die besonders frühe Zivilisation und die aussergewöhnliche
Entdeckung der italischen Nekropolis von Campovalano
di Campli wäre viel zu sagen, aber auch das Mittelalter
hat der Provinz Teramo seine Monumente und Spuren
hinterlassen. In Teramo gibt es die "antike"
Kathedrale, Sancta Maria Interamnensis, jetzt endlich
restauriert (1984), von den Einwohnern Teramos auch
San Getulio oder Sant'Anna genannt, in welcher sich
Reste eines römischen "domus" erhalten
haben. Ausserdem ist ein Triforium aus dem 6. Jahrhundert
zu bewundern, sowie herrliche Strukturen im langobardischem
Stil aus dem Jahr tausend und einige Engel als Freskengemälde,
die wohl mit zu den ältesten Malereien Mittelitaliens
zählen. Doch ist da auch die "neue"
Kathedrale, im romanischem Stil, aus dem 12. Jahrhundert
stammend, errichtet in der Nähe des römischen
Theaters und Amphitheaters und vermutlich auf den
Resten eines Apoll- oder Juno-Tempels aufgebaut. Sie
hat ein grossartiges Portal in Cosmatenarbeit von
Diodato Romano (1332) und einen Glockenturm, den Antonio
da Lodi (15. Jahrhundert) vollendete. In ihrem Inneren
befinden sich sehr bedeutende Kunstschätze, unter
ihnen das silberne Antependium von Nicola da Guardiagrele
(1433-1448) und das Polyptychon aus der ersten Hälfte
des 15. Jahrhunderts, geschaffen von Jacobello del
Fiore, einem Maler aus Venedig.
Zwischen Nereto und Sant'Omero, am
rechten Vibrata-Ufer, erhebt sich das -heute vereinsamte-
Kirchlein Santa Maria a Vico, ein eindruckvoller,
romanischer Bau, dessen Restaurierung bestätigt
hat, dass sein Entstehungsdatum beträchtlich
früher als ums Jahr tausend liegt. Im oberen
Tal des Mavone steht Santa Maria di Ronzano bei Castelcastagna
und San Giovanni ad Insulam bei Isola del Gran Sasso
d'Italia genau an der Abzweigung nach Castelli. Sie
stellen zwei weitere grundlegende Etappen mittelalterlicher
Geschichte und Handels in der Provinz Teramo dar,
wozu auch der Freskenzyklus von Ronzano beiträgt,
der grosse Bewunderung bei dem Besucher hervorruft,
aber auch nachdenken lässt, inwieweit viele der
altüberlieferten Legenden mit dem wahrhaften
Geschehenen übereinstimmen. Der abengenann Freskenzyklus
weist eine hervorragende Kunst von jenseits der Alpen
aus dem Jahr 1181 auf und ist heute erneut Studienobjekt
von Ferdinando Bologna. Im Vomanotal hingegen, nicht
weit vom Meer entfernt bei Roseto degli Abruzzi, erhebt
sich dann noch feierlich die grosse Abtei von Santa
Maria di Propezzano, mit ihrem herrlichen Kreuzgang,
vom polnischen Maler Sebastiano Majewski mit Fresken
beschmückt und, etwas weiter talaufwärts,
San Clemente al Vomano, von San Clemente a Casauria
abstammend, geprägt von römischen Elementen
und berühmt wegen seiner erst jetzt entdeckten,
eindrucksvollen Krypta und des prächtigen Tabernakels
aus dem 12. Jahrhundert, das von Ruggero und seinem
Sohn Roberto geschaffen wurde. Weitere, bemerkenswerte
Monumente finden wir in Campli, Montorio al Vomano,
Giulianova, Civitella del Tronto (die gewaltige Festung,
die das letzte Bollwerk der Bourbonen gegen die Piemontesen
darsteIlte ist heute restauriert) und in Atri die
grosse, romanisch- gotische Kathedrale, auf einer
römischen Therme errichtet, mit der Unterkirche
an der Stelle einer "piscina limaria", der
uralte Kreuzgang, die Reste der ursprünglichen,
fünfschiffigen Sancta Maria de Hatria, der Freskenzyklus
von Andrea de Litio (der grösste Maler des abruzzesischen
Quattrocento), der das Leben am Hofe der Herzöge
von Acquaviva darstellt. Schliesslich gibt es das
Museum, voll von wertvollen Kunstschätzen, die
man hier nicht alle aufzählen kann, vervollständigen
das Bild eines Landstrichs und seiner Bewohner, deren
bedeutende geschichtliche Rolle einer eingehenden
Betrachtung wert ist. Von Prati di Tivo di Pietracamela,
unterhalb des Corno Piccolo des Gran Sasso d'Italia,
bei Pratoselva di Fano Adriano, auf den Hängen
des Monte Corvo und San Giacomo di Monte Piselli,
auf der Montagna dei Fiori, zwischen Civitella del
Tronto und dem Castellanatal, entstehen immer weitere
bestausgestattete Skiorte, die sich wachsender Beliebtheit
erfreuen. Da der Platz für die vielen Besucher
nicht mehr ausreicht, die sogar aus der Romagna und
den Apulien, aus Rom und Umbrien herkommen, wird die
Entwicklung des Fremdenverkehrs mit der damit verbundenen
Schaffung neuer Anlagen weiter gefördert, obwohl
dies gegen die Bestimmungen verstösst, die für
die Einrichtung des Regional-Naturparks Gran Sasso
d'Italia notwendig sind. Am Meeresufer entlang beherbergen
jährlich sieben Badeorte Tausende von Touristen
in etwa 280 Hotels und auf Zeltplätzen, welche
über ein Drittel der Gesamtbettenkapazität
der Region ausmacht. Vom Norden aus gesehen liegen
Martinsicuro-Villa Rosa, Alba Adriatica, Tortoreto
Lido, Giulianova Spiaggia, Roseto degli Abruzzi, Pineto
und Silvi Marina wie eine Kette herrlicher Sandstrände
aneinandergereiht (etwa 45 km.), in Erwartung der
friedlichen Invasion des Sommers.