L'Aquila.
Die Bergkulissen, die weiten, fruchtbaren Täler,
eindrücksvolle Denkmäler, die Spuren antiker
Bevölkerungen, mittelalterliche Schlösser,
bewundernswerte Sakralbauten, Kunstgegenstände,
Volksbräuche und die Zeichen einer tausendjährigen,
ruhmvollen Geschichte, stellen die Elemente dar, die
die Provinz L' Aquila kennzeichnen. lhr Gebiet im
Zentrum Italiens ist das westlichste der Region Abruzzo.
Der Apennin läuft hier, in drei parallelen Bergketten
typisch alpiner Struktur, im Gebiet der Provinz zusammen:
ein Teil umfasst die südlichen Hänge des
Gran Sasso d'Italia und der andere das Maiella Gebirge;
die zweite kette wird beherrscht von den Gruppen des
Velino, des Sirente und der Marsicani-Berge; die dritte
schliesslich besteht aus den Carseolani- und Simbruini-Bergen.
Eine Folge mal üppiger, mal karger Landschaften
gestalten die Abruzzen von L' Aquila farbig, abwechslungsreich
und malerisch, wozu auch ihre Flüsse und klare
Seen beitragen. Recht interessant sind die geschichtlichen
Angaben zum Gebiet um L' Aquila. Die ersten menschlichen
Spuren reichen in die fernste Prähistorie zurück:
die Überreste des "Menschen von Fucino"
oder "Marsicano" in den Höhlen von
Ortucchio sind etwa 13.000 Jahre alt.
In grauer Vorzeit wohnten in der
jetzigen Provinz L' Aquila verschiedene Völker
des itálischen Stamms: die Peligner in der
Ebene von Sulmona; die Vestiner auf der Hochebene
zwischen den Tälern des Aterno und des Tirinos;
die Marser an den östlichen und südlichen
Uferstrassen des Fucino-Sees; die Eqür auf den
Bergen zwischen Marsica und Latium und Sabiner und
Amiterniner in der Ebene von L' Aquila. Diese starken
kriegerischen Stämme wagten es, in Corfinio einen
"Italischen Bund" gegen das Römische
Reich zu gründen, wodurch zum ersten Mal in der
Geschichte der Name "Italien" als Symbol
der nationalen Einigung für die Anerkennung der
Bürgerrechte genannt wurde.
Aus demselben Gebiet kamen auch berühmte
Männer der Römischen Welt wie Caius Sallust
Crispo, aus Amitemum, und Publius Ovid Naso aus Sulmona.
Nach dem Fall des Römischen Reiches brachen über
das Gebiet von L' Aquila die Barbaren herein und verwüsteten
die alten römischen Städte. Sie vertrieben
die Einwohner, die sich an sicheren Orten zurückzogen.
Auf diese Weise entstanden unter dem Schutze der Klöster
und im Umkreis von Festungen charakteristische mittelalterliche
Dörfer, Ausgangspunkte neuer, bedeutender Stadtzentren.
Im XIII. Jahrhundert erfolgte eine Wiedergeburt: 1254
wird L' Aquila gegründet, das in kurzer Zeit
zur wichtigsten Stadt aufsteigt. lm Jahre 1268 besiegte
Karl von Anjou auf der Piani Palentini, in der berühmten
Schlacht von Tagliacozzo Konradin von Schwaben, der
somit die Herrschaft des Königreiches Neapel
und Sizilien an die Monarchie von Anjou verlor. Danach
unterlag die Provinz allen nachfolgenden Herrschern
über Süditalien: denen von Aragonien, Spanien,
Frankreich und Österreich. 1860 fand der Anschluss
an das Italienische Preich Statt. Die Merkmale der
alten Traditionen bürgerlichen und religiösen
Lebens im Raum von L' Aquila leben fort in der Kunst,
in Gestalt von archeologischen Überresten und
verschiedenen Monumenten, deren Architektur dem Megalith,
dann der vorrömischen, römischen, urchristlichen,
romanischen, gotischen, Renaissance, Barock, bis zur
modernen Zeit angehören.
Typisch sind die kleinen Siedlungen und die weit abgelegenen
zahlreichen Kirchen, Abteien und Klöster, Festungen,
Schlösser und befestigte Hochburgen.
Ende des XV. Jahrhunderts dringt die Renaissance in
die Provinz vor, und zwar durch die Werke heimischer
Künstler, die die neue Kunst direkt in der Toskana
gelernt haben und diese nun rnit beachtenswerten und
ganz besonderen Ergebnissen weiter ausarbeiten. Erwähnenswert
sind die Künstler Andrea und Silvestro dell'Aquila,
Cola dell'Amatrice, Andrea Delitio und Saturnino Gatti.
In den Jahrhunderten nach dem XVI. Jhd, erlitt der
künstlerische Schaffensdrang eine leichte Einbusse.
Im achtzehnten Jahrhundert ist die Baukunst modernbarock
und zeigt in L' Aquila, Sulmona und Pescocostanzo
elegante, ortstypische Beispiele in besonders kostbarer
Form. Das XIX. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch
das Genie des Malers Teofilo Patini aus Castel di
Sangro der es verstand, mit bewundernswerter Fertigkeit,
Fleiss und tiefer Menschlichkeit, das abruzzesische
Volk zu beeindrucken.